Einen als richtig erkannten Weg gibt es immer nur im Nachhinein. Bevor du einen Weg überhaupt beurteilen kannst, musst du ihn gegangen sein. Wenn du ihn im Voraus beurteilen möchtest, greifst du immer auf unvollständige Erfahrungen zurück. Du hast vielleicht gewisse Teile davon bereits erlebt, du hast bestimmte Abschnitte des Weges schon gesehen, aber du bist den Weg noch nicht gegangen. Menschen wissen immer erst hinterher, ob der Weg, den sie gegangen sind, der richtige war. Meistens machen sie die Beurteilung von ein paar wenigen weltlichen Aspekten abhängig. Ganz oft wird Erfolg mit finanziellem Erfolg gleichgesetzt und dadurch werden unfassbar viele Aspekte einfach außen vor gelassen. Aber selbst wenn wir diesen sehr einfachen Aspekt des finanziellen Erfolgs nehmen, ergibt sich immer noch ein Problem: Diejenigen, die den Weg gegangen sind, wollen dir sagen, dass es der richtige Weg ist. Sie haben ihre Bestätigung durch den finanziellen Erfolg und wollen diesen Weg jetzt verbreiten. Sie übersehen dabei vollkommen, dass ihr Weg einmalig ist. Die meisten von ihnen haben ihn auch gewählt, ohne vorher den Weg von anderen zu kennen. Die Erkenntnis, ob ein Weg richtig oder falsch war, hängt außerdem von deinem Bewusstseinszustand ab. Je höher dein Bewusstsein, desto mehr erkennst du die Perfektion in deinem Weg. Du würdest nachträglich gar nichts ändern wollen — selbst dann nicht, wenn du könntest. Je höher dein Bewusstsein, desto mehr merkst du auch, dass all die Umwege ein wesentlicher Bestandteil deines Weges waren. Du erkennst auch, dass selbst die Irrwege dazugehören. Du kannst auch erkennen, dass es dir ganz besonders gedient hat, wenn du dich mal verlaufen hast. Wenn Menschen auf dich zukommen und dir sagen wollen, was der richtige Weg für dich sein könnte, dann musst du das mit ganz besonderer Vorsicht genießen. Niemand weiß, was dein Weg sein sollte und die meisten von uns haben nur die Standardwege im Kopf. Selbst diejenigen mit einer Landkarte sind nicht jeden Weg darauf selbst gegangen. Am meisten kannst du von Abenteurern und Pionieren lernen. Das sind diejenigen, die Wege gegangen sind, die auf keiner Landkarte zu finden sind. Du wirst von ihnen ganz selten eine Richtungsvorgabe bekommen. Die meisten von ihnen werden dir ihre Methoden erklären. Sie werden dir nicht sagen, wo du hingehen sollst. Sie werden dir davon berichten, wie sie für sich herausgefunden haben, wo sie hingehen sollten. Sie werden dir nicht sagen, was ein richtiger und was ein falscher Weg ist. Viel eher werden sie dir sagen, was für sie ein interessanter Weg ist. Du wirst von ihnen außerdem auch ganz oft hören, dass die falschen Wege die für sie interessantesten waren. Denn auf diesen Wegen haben sie Neuland betreten, Neues entdeckt und vor allem viel über sich selbst gelernt. Sie werden dir sagen, dass sie die ausgetretenen Pfade langweilig finden. Und du wirst von ihnen zu hören bekommen, dass sie einen falschen, aber neuen Weg einem richtigen, aber oft begangenen Weg immer vorziehen werden. Paradoxerweise werden die Wege dieser Abenteurer und Pioniere im Nachhinein als richtig bewertet. Und das nur deshalb, weil sie nicht aufgegeben haben. Nur dadurch ergibt sich der eigene Charakter des Weges. Solange du versuchst, andere zu kopieren, bleiben die Wege charakterlos.