Der Teil, der es gerne richtig machen würde, ist der gleiche Teil, der streng mit dir ist und dich verurteilt. Der Perfektionist und der Richter entspringen dem gleichen Teil. Wir spielen in uns immer beide Seiten und beide Seiten sind krank. Erst treibst du dich selbst an, es so gut wie möglich zu machen und falls dir dann ein Fehler unterläuft, verurteilst du dich selbst. Beides entspringt der gleichen Anspannung. Wenn du jetzt versuchst, lockerer zu werden, dann versuchst du das im Widerstand zur Anspannung. Deshalb muss dieser Versuch scheitern. Vielleicht schaffst du es über einen gewissen Zeitraum, die Dinge etwas leichter zu nehmen, aber die Anspannung kommt immer wieder zurück. Statt zu versuchen, dich zu entspannen, müsstest du die Anspannung untersuchen. Du müsstest ihr Wesen fühlen und ihre Quelle untersuchen. Die Quelle findest du nicht gedanklich. Die Quelle findest du nur, wenn du alles erfühlst. Auf der rationalen Ebene kannst du das alles ganz leicht bearbeiten. Du findest heraus, dass du perfektionistisch veranlagt bist. Du machst dir klar, dass das überflüssig ist in diesem Bereich und du es auch einfach sein lassen könntest. Doch dein Körper springt auf diese rationalen Argumente einfach überhaupt nicht an. Es interessiert ihn grundlegend überhaupt nicht, was du ihm erzählst. Deine Gedanken berühren ihn nicht im Entferntesten — außer sie passen zu deiner Körperempfindung. Dann hält er sie für relevant und wahr. Gedanken, die ihn nicht berühren, sind für ihn überhaupt nicht existent. Und Gedanken, die ihn berühren, sind für ihn so real, dass er sie überhaupt nicht mehr loslassen will. Wenn du es richtig machen willst und gleichzeitig streng mit dir bist, dann musst du in die Misere deines Körpers eintauchen, bevor sie sich auflösen kann. Erst wenn du vor der Anspannung nicht mehr davon läufst, kannst du das, was du rational ganz leicht verstehen kannst, auch im Körper wahrnehmen. Du realisierst dann eindeutig und jenseits eines jeden Zweifels, dass deine Gefühle Körperempfindungen sind, die automatisch ausgelöst werden und auf die du automatisch reagierst. Du siehst außerdem vollkommen eindeutig, dass Gedanken darauf keinen Einfluss haben und dass sich die Gedanken erst dann verändern, wenn sich die Körperempfindungen verändert haben. Solange du mit Gedanken aktiv gegen Gefühle vorzugehen versuchst, verdrängst du die Gefühle lediglich. Das funktioniert eine Zeit lang und dann kommen sie wieder. Natürlich kommen sie auch dann wieder, wenn du sie bewusst wahrnimmst. Und trotzdem hast du das erste Mal die Bewusstseinsebene gewechselt. Du bist vom Opfer zum Beobachter geworden. Du warst das Opfer deiner Programmierung und bist jetzt der Beobachter deiner Programmierung. Das verändert die Programmierung nicht, aber es verändert dein Verhältnis zur Programmierung. Und erst wenn du dieses Verhältnis zur Programmierung verändert hast, kannst du das erste Mal auch eingreifen. Wobei dieses Eingreifen eher ein Nichteingreifen ist. Denn normalerweise greift ja deine Programmierung. Und wenn du dann das erste Mal merkst, wie die Körperempfindung in dir aufsteigt, wenn du etwas gerne richtig machen willst, dann kannst du sie wahrnehmen, statt sofort zu reagieren. Und das kannst du jedes einzelne Mal machen, wenn diese Körperempfindung in dir aufsteigt. Dann merkst du, was dich tatsächlich antreibt. Und erst wenn du merkst, was dich tatsächlich antreibt, musst du darauf nicht mehr reagieren. Wenn du dann auch noch die Gefühle im Körper wahrnimmst, die aufkommen, wenn du dich selbst verurteilst, dann wird auch dieser innere Richter überflüssig. Du kannst stattdessen die Körperempfindungen wahrnehmen und musst das Programm nicht mehr ausagieren. Du hast den Teil geheilt, der beide Seiten spielt, der dich erst unter Druck setzt, es richtig zu machen und dich dann auch noch verurteilt.