Wir wünschen uns Positives nur dann, wenn gefühlt Negatives hier ist. Unser großes Dilemma besteht darin, dass wir wünschen, bevor wir beobachten. Viele von uns sind gute Beobachter, wenn es um andere geht. Wenn es um uns selbst geht, sind wir schlechte Beobachter. Und wenn wir nicht genau beobachten, dann können wir solche Zitate nicht einmal im Ansatz verstehen. Es denkt dann in uns: "Aber Stefan, was ist denn schlecht daran, dass ich etwas Positives will?" Das habe ich überhaupt nicht gesagt. Ich habe lediglich genau beobachtet. Nicht die anderen, sondern mich selbst. Und wenn ich mich nicht nur genau beobachte, sondern gleichzeitig auch noch ehrlich zu mir selbst bin, dann muss ich genau das feststellen: "Ich wünsche mir Positives nur dann, wenn gefühlt Negatives hier ist." Und wenn ich mich selbst genau und ehrlich beobachte, dann weiß ich auch, wie es für alle anderen Menschen ist. Denn diese Art der Beobachtung geht weit darüber hinaus zu erkennen, wie es bei mir ist. Wie es bei mir ist, ist Ego. Das bedeutet, ich würde mein Ego beobachten. Das geht natürlich auch. Doch da haben dann die meisten Menschen ein noch größeres Problem, ehrlich zu sein. Sobald ich hinter mein Ego schauen kann, entdecke ich universelle Gesetze. Diese universellen Gesetze haben weder etwas mit dem Universum noch mit einem Gesetz zu tun. Ich erkenne sie auch nicht, um anschließend predigen zu können und ich erkenne sie nicht dafür, um recht zu haben. Ich erkenne sie immer nur für mich. Ich muss sie mir auch nicht merken, denn sie sind ja immer schon. Alles, was du erkennen kannst, ist nichts Neues. Es war bereits vorher. Und dann hast du es entdeckt. Für dich ist es neu. Es war aber schon immer. Es war schon immer so, dass ich mir Positives nur dann gewünscht habe, wenn gefühlt Negatives hier war. Wenn ich gerade glücklich oder zumindest zufrieden war, dann gab es keinen Wunsch. Zufriedenheit oder Glück sind dafür aber noch nicht einmal notwendig. Es genügt, wenn du nicht über Negatives nachdenkst, wenn gerade nichts Negatives hier ist. Das reicht bereits aus, um dir nichts Positives mehr zu wünschen. Es stimmt also nicht, was die meisten Menschen behaupten, dass sie sich Positives wünschen. Sie wünschen sich die Abwesenheit von Negativem. Sie wissen es nur nicht. Und sie wissen auch nicht, wie wir dort hinkommen, dass Negativität abwesend ist. Dazu würde es genügen, erst einmal nicht mehr zu denken. Wenn Gedanken abwesend sind, sind sowohl die positiven als auch die negativen abwesend. Dummerweise ist Denken für die meisten Menschen wie eine schlechte Angewohnheit. Sie glauben oder sind sogar überzeugt davon, durch Denken ihr Leben ergründen zu können. Da haben wir jetzt wieder das gleiche Problem wie vorhin schon: Wir beobachten nicht gut genug. Vor allem beobachten wir uns selbst nicht gut genug. Und das liegt daran, dass wir nicht bewusst sind. Wären wir bewusst, würden wir beobachten. Und dann hätten wir beobachten können, dass wir in all den Jahren des Denkens nichts durch Denken erreicht haben. Würden wir das erkennen, könnten wir das Denken viel eher loslassen, als wenn wir davon überzeugt sind, dass unsere Gedanken das Wertvollste sind, das wir haben. Eine echte Veränderung kann es erst geben, wenn wir erkennen, dass Gedanken Selbstfolter sind. Die positiven genauso wie die negativen. Erst dann, wenn die positiven Gedanken keine Reaktion mehr auf die negativen Gedanken sind, können wir die positiven Gedanken unabhängig von unserer Negativität entwickeln. Wir merken dann aber auch, dass sie gar nicht mehr notwendig sind. Denn in Abwesenheit von Negativität ist es bereits positiv.