Die Vermarkter der neuen Zeit haben ein Prinzip erkannt, das verkauft: Angst. Menschen, die Angst haben, brauchen ein zweites Prinzip und das ist das Prinzip Hoffnung. Wenn du als Vermarkter mit Angst arbeitest, dann kannst du auch immer mit Hoffnung arbeiten. Sowohl Angst als auch Hoffnung sind gegen Spiritualität gerichtet. Sie sind auf die Zukunft orientiert und können deshalb mit dem Hier und Jetzt nichts zu tun haben. Nur wenn du Angst vor der Zukunft hast, kann ich dir durch Versprechen Hoffnung machen. Dabei stellt sich natürlich die Frage nach der Henne und dem Ei. Was war als Erstes da? Deine Angst oder derjenige, der dir Angst gemacht hat? Es gibt ja einen Grund, warum die Vermarkter das Prinzip der Angst für sich entdeckt haben. Das liegt nicht an der Angst selbst, sondern es liegt daran, dass es funktioniert. Würde es nicht funktionieren, würden sie es nicht verwenden. Sie machen es nur, weil es jemanden gibt, der darauf hereinfällt. Es gibt dazu einen Spruch, der heißt: "Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler." Wir sind also durch Angst und Hoffnung leicht zu überzeugen, etwas zu kaufen. Überall, wo mit Angst und Hoffnung gearbeitet wird, wird viel verbrannte Erde hinterlassen. Ich verstehe, wenn die Menschen sauer sind und die Schuld bei den Manifestations-Queens und Fülle-Königen suchen. Es ist eine der schwierigsten Aufgaben, den Grund bei sich selbst zu entdecken. Ja, es gibt den Angler, der den Köder auswählt und auswirft. Doch ohne den Fisch, der auf diesen Köder scharf ist, funktioniert es nicht. Wenn der Angler das bewusst macht, dann ist es natürlich nicht moralisch. Aber welchen Wert hat es, wenn du das erkennst und deshalb die Schuld beim Angler suchst? Dann kannst du ihn anklagen, wirst aber auf die gleiche oder ähnliche Masche noch einmal hereinfallen. Außerdem ist es manchmal gar nicht so einfach zu erkennen, ob etwas eine Masche ist oder ob es tatsächlich so ist. Am Ende meiner E-Mails steht zum Beispiel, dass du dich zwar austragen kannst, dass ich dir aber nicht versprechen kann, dass du dich anschließend wieder eintragen kannst. Es stimmt, dass ich dadurch weniger Austragungen erreichen möchte. Es stimmt aber auch tatsächlich, dass du dich nach einer Austragung nicht mehr eintragen kannst. Und leider habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass künstliche Verknappung zu mehr Bestellungen führt. Ich finde das unsagbar traurig. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass sich Qualität und vor allem Ehrlichkeit durchsetzen. Instagram und Co zeigen uns das Gegenteil. Aber nicht nur das! Es geht weit darüber hinaus. Denn diejenigen, die nicht authentisch sind, behaupten, zu den Authentischsten zu zählen. Ich werde immer wieder danach gefragt, was ich von solchen Programmen dieser Vermarkter halte. Bei einem ging es darum, dass man sein eigenes Buch schreiben kann und das kostet einen dann nur 6.000 €. Ich wusste sofort: "Lass die Finger davon." Mir geht es dabei nicht um den Preis. Und ich habe auch nichts gegen Vermarktung. Ich fühle einfach, wenn etwas unseriös ist. Ein paar Monate später erfahre ich, dass der Anbieter von seinen Kunden verklagt wird, weil er seine Versprechen nicht hält. Aber genau auf diese Versprechen in seinem Angebot stehen wir. Wir wollen das hören. Wir wollen, dass die Vermarkter unsere Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen kennen und ansprechen. Denn wir glauben immer noch, dass uns die Erfüllung dieser Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen uns selbst näher bringt. Wir glauben, dass dann unsere Schmerzen verschwinden. Zumindest hoffen wir es. Wir wollen nicht an unseren Schmerz herangeführt werden. Wir wollen lieber die Illusion der Hoffnung aufrechterhalten. Diejenigen, die unseren Schmerz ansprechen, beschimpfen wir lieber und nennen sie "Narzissten". Wir werden auf das Spiel der Vermarkter so lange hereinfallen, bis wir es in uns geheilt haben. Andere Menschen können mit unserer Angst und unserer Hoffnung genau so lange spielen, bis wir bewusst erlebt haben, dass uns die Erfüllung unserer Träume, Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche nichts bringt. Erst wenn wir bereit sind, unsere Angst im Körper zu fühlen, können Vermarkter mit unserer Angst kein Geld mehr verdienen. Die Influencer haben übrigens nur etwas entdeckt, was uralt ist. Sie haben dieses Prinzip lediglich kopiert. Denn der größte Vermarkter von Angst sind nicht Unternehmen, sondern Regierungen.