Spiritualität findet nur jenseits von Kollektivismus statt. Es gibt keine spirituellen Gruppen. Es gibt höchstens spirituelle Menschen in einer Gruppe. Und selbst das ist höchst selten. Spirituelle Diskussionen in einer Gruppe sind ein Relikt unserer Programmierung. Spiritualität wirkt immer individuell und persönlich. Das kannst du nicht diskutieren, vor allem nicht mit Menschen, die gar keinen Einblick haben. Ich habe von Anfang an vermieden, mit den anderen Schülern meines Lehrers spirituelle Diskussionen zu führen. Und immer wenn ich es beobachte, dass Menschen spirituell diskutieren, sich über ihre Form der Spiritualität austauschen, dann merke ich, wie die Spiritualität verschwindet. Noch dümmer wird es, wenn sie darüber streiten. Dann wird Spiritualität höchst unwahrscheinlich, weil man höchst bewusst sein muss, um im Streit Spiritualität aufrechterhalten zu können. Und mit jeder Gruppendynamik verhält es sich genauso. Die Spiritualität meines Lehrers ist mir so heilig, dass ich mit niemandem darüber sprechen möchte. Vor allem möchte ich sie nicht diskutieren oder erörtern. Ich möchte das nicht, weil es nicht notwendig ist. Sie hat bereits gewirkt. Genau in dem Moment, in dem ich sie gefühlt habe. In spirituellen Gruppen und in spirituellen Diskussionen verändern sich die Begründungen, aber das Ego bleibt. Man passt sich dann an an die Sprache des Lehrers und glaubt, das genügt für innere Veränderung. Dabei hat deine Sprache gar nichts damit zu tun. Das verstehen nur die anderen nicht und diejenigen, die sich in Gruppen treffen, um über deine Spiritualität zu diskutieren. Aber deine Wortwahl hat wirklich nichts mit Spiritualität zu tun. Spiritualität ist eine höchstpersönliche, antikollektivistische Erfahrung. Sie wirft dich auf dich selbst zurück und katapultiert dich damit aus der Gruppe heraus und aus der Gesellschaft heraus. Im Moment von Spiritualität bist du kein Teil einer Gruppe mehr. Du bist alleine und du bist alles. Du erkennst, dass du noch nie etwas anderes wahrgenommen hast als dich. Wenn du das erlebt hast, musst du nicht durch die Welt laufen und verkünden, dass wir alle eins sind und dass alles in uns ist. Du musst anderen deine Erkenntnis nicht aufs Brot schmieren, um daraus gleich wieder ein spirituelles Ego zu bauen. Der Mensch erwacht nicht in Gruppen. Er schläft in Gruppen. Dafür sind Gruppen da. Deshalb organisieren wir sie uns. Sie sind unsere Ablenkung. Die Ablenkung von der Realität, die wir ohne diese Gruppe nicht ertragen würden. Deshalb trösten wir uns mit Freunden, Bekannten und Verwandten. Vollkommen unabhängig davon, ob die zu uns passen oder nicht. Der spirituelle Weg ist ein einsamer. Du erkennst dich nur in der Einsamkeit. Wenn du niemanden hast, bei dem du dich beschweren kannst, mit dem du gemeinsam jammern kannst und dem du sagen kannst, wie schlimm und schwierig alles ist. Spiritualität und Kollektivismus stehen sich diametral gegenüber. In der Gruppe übernimmt ganz automatisch unser Geltungsdrang und unser Minderwertigkeitsgefühl. Wer seine Gedanken und Programme alleine nicht aushält, dem wird eine Gruppe nicht helfen. Ganz im Gegenteil: Sie lenkt ihn bestmöglich ab. Es ist weder normal noch notwendig, jedem von seiner Spiritualität zu erzählen. Doch genau das passiert in spirituellen Gruppen. Wir glauben, wir brauchen den Austausch. Davon sind wir sogar überzeugt. Dabei ist Spiritualität das Ende von Austausch. Denn es ist der Beginn, das wahrzunehmen, was jetzt gerade hier ist. Austausch lenkt dich genau davon ab. Spiritualität ist das Ende dieser Ablenkung.