Was du fühlst, ist immer deins. In der esoterischen Szene, in der spirituellen Szene, im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung gibt es ein großes Hobby der Protagonisten. Dieses Hobby lautet: "Ich fühle etwas von anderen. Ich fühle die Energie im Raum. Ich fühle die Energie des Menschen. Ich fühle die Energie des Ortes, an dem ich mich gerade aufhalte." Dieses Hobby der Protagonisten ist mit dem Ratschlag verbunden: "Diese Energien, die du fühlst, zu meiden." Dabei vergessen sie, dass es immer du bist, der das fühlt. Und sie vergessen auch das Phänomen, dass sich der eine in der Präsenz eines anderen vollkommen unwohl fühlt, während sich der andere in der Präsenz des gleichen Menschen vollkommen wohlfühlt. Unser Verstand liebt es, die Wirkweise von innen nach außen umzukehren und zu behaupten, alles außerhalb von ihm sei schuld an deinen Gefühlen. Das ist nicht der Fall. Das, was du fühlst, ist nie das vom anderen. Du kannst nur deins fühlen. Warum ist das so? Du fühlst es ja gerade. Das bist du, der das fühlt. Du fühlst nicht die anderen, wenn sie lieb sind und du fühlst nicht die anderen, wenn sie böse sind. Du fühlst nur dich. Dein ganzes Leben lang. Du fühlst selbst dann dich, wenn da andere sind, die das auslösen, was du fühlst. Das bedeutet nicht, dass du dich dem endlos aussetzen musst, was andere in dir auslösen. Es geht nur darum, dass du verstehst, dass das in dir ist und nicht in den anderen. Das bedeutet auch nicht, dass du nicht reagieren darfst. Das heutige Zitat setzt viel früher an. Es geht darum, dass alles deins ist. Erstaunlicherweise denken die meisten Menschen dabei immer nur an das Negative. Nein, das gilt auch für das Positive: Wenn du einen Menschen liebst, dann ist das deine Liebe. Es ist nicht der andere Mensch, der die Liebe schickt. Du fühlst Liebe. Wenn du das realisierst, dann bist du nicht mehr das Opfer deiner Umstände. Es ist ein längerer Prozess, aber er lohnt sich. Wenn du die Funktionsweise des Verstandes umkehrst und nicht mehr so tust, als würden die anderen in dir nicht nur etwas auslösen, sondern es geradezu dort hinein setzen und stattdessen erkennst, dass es in dir sein muss, wenn es angesprochen werden kann, dann verändert sich schrittweise dein gesamtes Leben. Du wirst radikal, weil du zu den Wurzeln gehst. Und die Wurzeln sind in dir, nicht in den anderen. Wenn du das das erste Mal bewusst erlebst, dass das Gefühl in dir ist und dass es von außen nur angesprochen wird, verändert das alles. Und im Gegensatz zum Verstand, der Angst davor hat, dass du dann alles hinnehmen musst und jeder alles mit dir machen kann, tritt das Gegenteil ein. Erstens kann gar nicht mehr jeder alles mit dir machen, weil du dich verändert hast. Zweitens fällt es dir viel früher auf und du kannst viel früher reagieren. Gleichzeitig lernst du aber auch eine Fähigkeit, die so bescheuert beschrieben wird in der spirituellen Szene, dass sie überhaupt nicht mehr das beinhaltet, was gemeint ist. Vor allem wird sie selbst von denen, die sie dir empfehlen, nicht gelebt. Sie nennen es "bei dir bleiben". Sie wissen aber gar nicht, was das ist, denn für die meisten Menschen ist "bei sich bleiben" Unterdrückung. Es muss aber das Gegenteil sein: Die vollkommene Bewusstwerdung dessen, was jetzt hier ist. Und das, was jetzt wirklich hier ist, ist eine Körperempfindung. Die kannst du wahrnehmen und wenn du das tust, bleibst du ganz automatisch bei dir. Dann musst du dich gar nicht mehr künstlich beruhigen oder ein paar Mal tief durchatmen, um das zu verarbeiten. Du musst nichts mehr verarbeiten. Du kannst mit dem hier sein, was jetzt hier ist — ganz egal, wie schmerzhaft sich das anfühlt. Und auch vollkommen unabhängig davon, wie sehr dein Verstand dagegen rebelliert. Und wenn du das machst, wird er rebellieren. Er wird behaupten, dass es nicht geht, dass es nichts bringt und dass es zu intensiv ist. Und er wird dir sagen, dass das nicht du bist, sondern die anderen. Die anderen sind böse oder auch lieb. Und er wird behaupten, dass deine Gefühle von Hass oder Liebe abhängig von den anderen sind. Bei den Gedanken kann das noch stimmen. Bei den Körperempfindungen stimmt es ganz sicher nicht. Das wirst du automatisch herausfinden, wenn du deine Körperempfindungen beginnst wahrzunehmen. Du wirst dadurch auch erleben, dass es Körperempfindungen gibt, denen du einen Namen geben könntest, die hier sind, ohne dass es einen Auslöser dafür gibt. Und du wirst auch feststellen können, wie dein Verstand dann loszieht und eine Erklärung dafür sucht. Er sucht die so lang, bis er sie gefunden hat. Diese Erklärungen füllen den größten Teil der sogenannten spirituellen und esoterischen Szene aus. Und das sind alles Erklärungen, die überflüssig sind, wenn du herausgefunden hast, dass das alles du bist.