Loslassen musst du nur das, was bereits weg ist. Alles andere, also das, was noch hier ist, kannst du einfach fühlen. Etwas, das hier ist, brauchst du nicht loslassen. Du kannst es sogar gar nicht loslassen, denn es ist ja hier. Und alles, was hier ist, ist in deinem Körper wahrnehmbar. Loslassen kannst du nur Gedanken an Vergangenes oder Gedanken an Zukünftiges. Also alles, was gerade nicht hier ist. Die spirituellen Hinweise der Lehrer werden viel zu häufig und viel zu beliebig eingesetzt. Diese inflationäre und pauschale Verwendung sorgt dafür, dass sie nicht mehr wahr sind. Es ist die Idee von Spezialisierung, die dafür sorgt, dass diese Begriffe derart pauschal und inflationär verwendet werden. Sie wollen für eine Sache bekannt sein und anerkannt sein. Das soll dann ihre Marke sein. Und genau das sorgt für die vollkommen falsche Verwendung von spirituellen Hinweisen. Dadurch gibt es dann Achtsamkeits-Coaches, die jede einzelne Frage mit dem Hinweis auf "mehr Achtsamkeit" beantworten. Sie sind damit in ihren Reaktionen vollkommen eingeschränkt und überhaupt nicht mehr flexibel. Und genau so funktioniert das auch mit dem Loslassen. Auch diese Sau wird durch's spirituelle Dorf getrieben. Lustigerweise und irritierenderweise wird die Empfehlung, etwas loszulassen, von vielen Coaches dann gegeben, wenn sie selbst von diesem Thema genervt sind. Deshalb wollen sie eine schnelle Lösung. Und falls du loslassen könntest, wäre diese Lösung tatsächlich sehr schnell. Aber es gibt ja einen Grund, warum du festhältst. Und der Grund liegt nicht darin, dass du andere mit deinem Thema nerven willst. Der Grund liegt in den Gefühlen, die in dir mit diesem Thema aufkommen. Dafür ist Loslassen keine adäquate Lösung. Oft beginnt durch die Idee des Loslassens überhaupt erst der eigentliche Kampf. Es ist wie bei Süchtigen. Sobald du ihnen sagst, dass sie aufhören müssen, wird es richtig stressig für sie. Wenn ihnen dann jemand sagt: "Lass doch einfach deine Sucht los!", dann negieren sie damit ihre eigene erlebte Realität und auch die erlebte Realität der anderen. Loslassen kannst du nach langer Zeit der Übung einen Gedanken an deine Vergangenheit. Wenn du zum Beispiel darüber nachdenkst, dass du einmal süchtig warst. Doch selbst in diesem Fall ist es so, dass dieser Gedanke eine gewisse Ladung hat, sonst müsstest du ihn nicht denken. Und das Potenzial, also die Ladung dieses Gedankens, kannst du fühlen. Deshalb ist nicht Loslassen der Schlüssel zu allem, sondern Fühlen. Loslassen ist ein Ergebnis von Fühlen. Und nur derjenige, der das nicht genau beobachtet, knallt beliebig und pauschal spirituelle Tipps am Fließband raus. Diesen Tipps kannst du nicht widersprechen, denn die hat jeder Spirituelle schon einmal irgendwo gehört und irgendwie fühlen sie sich ja auch richtig an. Wir wissen nur nicht, wie wir dort hinkommen. Denn die Praxis von Loslassen wird meistens nicht erwähnt. Loslassen kannst du etwas erst, wenn du es nicht mehr fühlst. Deshalb ist die Praxis von Loslassen: Wahrnehmen.