Unsere Verunsicherung wird durch das Ausreden von Gefühlen ausgelöst. Die einzige relevante Orientierung, die wir haben, sind unsere Gefühle. Wenn wir versuchen, uns durch Gedanken zu orientieren, kommen wir damit nicht einmal annähernd an die Orientierung durch unsere Gefühle heran. Und das ist das Drama unserer Kindheit. Wir nehmen es auf eine bestimmte Art und Weise wahr. Wenn wir dann sagen, wie wir es wahrnehmen, wird uns gesagt, dass unsere Wahrnehmung falsch ist. Wir werden von unserem Umfeld dazu gezwungen, über unsere Orientierung nachzudenken. Damit werden wir dazu gezwungen, unsere Gefühle in Frage zu stellen. Deshalb machen wir bei Entscheidungen immer wieder den gleichen Fehler. Wir denken darüber nach, statt zu fühlen. Und wenn ich das so beschreibe, dann enthält diese Beschreibung bereits einen Fehler, der uns meistens gar nicht auffällt. Wir interpretieren nämlich, dass wir genau so fühlen sollten, wie wir denken. Das ist aber nicht der Fall. Gedanken brauchen Zeit. Rationale Abwägung braucht Zeit. Gefühle brauchen keine Zeit. Sie sind bereits da, bevor du darüber nachgedacht hast. Und Gedanken erscheinen, um die Gefühle zu verdrängen. Die Verunsicherung in uns existiert, weil es immer andere gab, die es besser wussten. Und sie haben nicht nur behauptet, dass sie es besser wissen, sie haben sich auch das Recht herausgenommen, uns zu korrigieren und zurechtzuweisen. Diese Zurechtweisung und diese Korrektur ruft in uns höchste Verunsicherung hervor. Wir bekommen dadurch den Eindruck, dass wir uns selbst nicht mehr vertrauen können. Und wir bekommen den Eindruck, dass die Autorität für Entscheidungen außerhalb von uns liegt. So werden wir obrigkeitshörig und so fühlen wir uns verunsichert und verloren. Und wir sind es auch, denn wir haben unsere ursprüngliche Orientierung verloren. Ursprünglich haben wir uns an unserem Inneren orientiert. "Klarheit" war ein Fremdwort für uns, weil wir Verunsicherung nicht kannten. Und als du Verunsicherung kennengelernt hast, hast du es nicht in Worten kennengelernt, sondern als Gefühl. Und du konntest es dir gar nicht erklären. Je mehr man dich verunsichert hat, desto mehr unangenehme Gefühle kamen in dein Leben. Und irgendwann hast du gelernt, sie unbewusst durch Denken zu unterdrücken. Seitdem hast du den Eindruck, du könntest durch Denken irgendetwas verändern. Du veränderst ja auch etwas: Du unterdrückst deine Gefühle. Wenn du wirklich etwas verändern willst, dann musst du deine Gefühle fühlen. Das ist zumindest der Weg zurück. Was daraus entsteht, kann dir niemand sagen. Denn jenseits deiner Gedanken bist du frei, unberechenbar und unkontrollierbar. Vor allem aber nicht verunsicherbar.