Es gibt keine Gerechtigkeit. Das Streben nach Gerechtigkeit ist eine Psychose. Es ist ein Ablenkungsmanöver deines Verstandes. Er will sich um das kümmern, was irrelevant ist, um sich nicht um das kümmern zu müssen, was für dich höchst relevant ist. Relevant ist der Grund, warum du nach Gerechtigkeit strebst. Davon gibt es so viele Schichten, dass du Jahre dafür brauchst, um es herauszufinden. Es sind tiefste in deinem Geist verankerte Programme, die dir vorgaukeln, echt zu sein. Auf der ersten Ebene sind alle diese Programme mit Schmerz und Angst verbunden. Je tiefer du kommst, desto mehr stellst du fest, dass darunter Traurigkeit liegt. Die tiefste Traurigkeit ist aber nicht, dass du ungerecht behandelt wurdest. Es ist nur so, dass wir diese Form der Traurigkeit so formulieren. Was uns tatsächlich traurig macht, ist die Tatsache, dass wir das Gefühl haben, nicht so sein zu können, wie wir sind. Es wurde uns schlicht und ergreifend untersagt. Das empfinden wir als ungerecht. Ungerecht nicht im Vergleich zu anderen, sondern ungerecht für uns. Es wird uns nicht gerecht. Dieses Verbot, so zu sein, wie wir sind, halten wir selbst jetzt aufrecht und begründen es mit allerlei Zwängen. Wir sind dabei nicht bereit, diese Zwänge herauszufordern. Diese Unfähigkeit, das Problem an der Wurzel anzugehen, sorgt dafür, dass wir allerlei Übersprungshandlungen vollführen. Und so wünschen wir uns zum Beispiel eine gerechtere Welt. Und das, obwohl wir nicht die Welt sind, sondern die Welt erleben. Wir erleben sie entsprechend unserer Programmierung. Wir erleben sie nicht so, wie sie ist. Und statt uns um uns selbst zu kümmern, denn das ist ja egoistisch, kümmern wir uns scheinbar und angeblich um die Welt und um die anderen. Würden wir uns darum kümmern, wie die Welt auf uns wirkt und warum sie so wirkt, wären wir schon beim Kern unseres Problems. Das Streben nach Gerechtigkeit ist zum Beispiel der einzige Grund, warum wir wählen gehen. Wir würden gerne etwas verändern, aber wir sehen keine Möglichkeit. Also wählen wir diejenige Möglichkeit, die uns angeboten wird. Und in die investieren wir dann so viel Energie, dass sie uns für uns selbst fehlt. Wir erkennen dabei noch nicht einmal die grundlegenden Probleme unserer scheinbaren Lösung, also zum Beispiel der Idee, durch eine Wahl für mehr Gerechtigkeit zu sorgen. Dazu gibt es ein schönes Zitat von Lysander Spooner. Der hat Folgendes geschrieben: "Mehrheiten als solche bieten keine Garantien für Gerechtigkeit. Sie sind Menschen von derselben Natur wie Minderheiten. Sie haben die gleichen Eigenschaften für Ruhm, Macht und Geld wie Minderheiten. Und sie sind ebenso — vielleicht mehr als gleich, weil kühner — raubgierig, tyrannisch und prinzipienlos, wenn ihnen die Macht anvertraut wird. Es gibt also nicht mehr Gründe, warum ein Mensch die Herrschaft der Mehrheit aufrechterhalten oder sich ihr unterwerfen sollte, als bei einer Minderheit." Mit solchen tiefen Erkenntnissen wollen und können wir uns aber nicht auseinandersetzen, weil unsere Lösung die scheinbar einzige ist. Unser Wahrnehmungskorridor wurde auf das beschränkt, was vom System gewollt ist. Und 80 % der Menschen finden das nicht nur okay und gut, sondern vollkommen richtig und verteidigen es sogar noch. Und das nur aus einem einzigen Grund: Um bei sich selbst nichts verändern zu müssen.