Die Probleme der anderen möchtest du nur haben, solange du sie nicht hast. Du kennst ja bestimmt den Ausspruch "Deine Probleme möchte ich haben." Damit willst du dem anderen sagen, dass seine Probleme gar nicht so schlimm sind. Wenn du die Probleme des anderen dann hast, verzweifelst du aber auch an diesen Problemen. Denn deine Verzweiflung liegt nicht an den Problemen, sondern an der Körperempfindung in dir, die du "Verzweiflung" nennst. Diese Körperempfindung kann von jedem Problem ausgelöst werden und sie kann sogar von etwas ausgelöst werden, das andere und sogar du gar nicht als "Problem" bezeichnen. Für den Verstand ist das ein unhaltbarer Zustand. Denn er kennt diese Körperempfindung nur mit Problemen. Das ist der Grund dafür, dass er in diesem Moment, in dem er diese Körperempfindung wahrnimmt, ein Problem erschafft. Er sucht verzweifelt nach einer Begründung, die zu dieser Körperempfindung passt. Und er kann alles heranziehen, was ihm in diesem Moment über den Weg läuft. Jede Idee, jede Theorie, jede Geschichte, alles, was er gerade finden kann. Das geht so schnell, dass du es gar nicht mitbekommst. Wir können uns noch nicht einmal sicher sein, dass der Auslöser der Körperempfindung tatsächlich unser Problem ist. Aber auch das bekommen wir nicht mit, da es in unserem Denken keine Pause gibt. Sowohl unsere Probleme als auch die Probleme der anderen führen bei uns immer zu der gleichen Körperempfindung, die wir "Verzweiflung" nennen. Du kannst auch "Hilflosigkeit" dazu sagen. Und darunter liegt immer Traurigkeit. Es ist nicht wichtig, welche Probleme diese Körperempfindung auslösen. Die Frage ist, ob du diese Körperempfindung hier sein lassen kannst. Die meisten können das nicht und sie wissen das noch nicht einmal. Sie kennen keine andere Lösung, als über ihre Probleme nachzudenken und verzweifelt nach einer Lösung zu suchen. Diese verzweifelte Suche hält der Verstand für absolut notwendig. Tatsächlich unterdrückt er damit deine Gefühle der Verzweiflung. Diese Gefühle sind der einzige Grund, warum das Problem existiert. Dazu müssen sie das Problem gar nicht verursachen. Aber die Anwesenheit dieser Gefühle sorgt dafür, dass du das, was existiert, als Problem wahrnimmst. Würden die Menschen ihre Gefühle fühlen, gäbe es da draußen keine Probleme mehr zu lösen. Wie verzweifelt wir sind, kannst du daran erkennen, dass du jetzt vielleicht gerade gedacht hast: "Aber dann gibt es ja gar nichts mehr zu tun!" Wir stecken so tief im Sumpf der Verzweiflung, dass wir unseren ursprünglichen Antrieb überhaupt nicht mehr kennen. Der ursprüngliche Antrieb ist nicht Verzweiflung. Unser ursprünglicher Antrieb ist schöpferisches Tätigsein. Mit Verzweiflung halten wir uns davon ab. Viele Menschen denken, dass Probleme gut sind, weil man dann kreativ wird und eine Lösung sucht. Das stimmt auch, aber das ist eine Umleitung unserer Schöpferkraft. Wir brauchen keine Probleme, um etwas zu erschaffen. Der freie Fluss kommt erst dann zustande, wenn wir uns nicht mehr mit der Problematisierung unseres Lebens beschäftigen. Das erinnert mich gerade daran, dass das ein früher Text von mir auf Facebook war. Wenn ich den noch einmal finde, dann verlinke ich ihn hier. Deinen schöpferischen Wesenskern kannst du nur ohne Probleme entdecken. Dieser Kern ist durch die Wahrnehmung von Problemen verschüttet. Er ist also nur verdeckt. Wenn wir unsere Arroganz verlieren, dass wir gerne die Probleme der anderen hätten und erkennen, dass wir genau die Probleme haben, die wir brauchen, um Verzweiflung fühlen zu können, dann legen wir diesen Kern automatisch frei.