Die letzten Jahre haben es dir ermöglicht, dich guten Gewissens von der Gesellschaft zu distanzieren. Das war eine gute Übung und eine gute Vorbereitung. Eine gute Übung, alleine dazustehen und so für dich einzustehen. Und eine gute Vorbereitung, um zu erkennen, was wirklich wichtig ist, welche Reaktionen notwendig sind und welche eher überflüssig sind. Auf wen du dich verlassen kannst und wer dir in den Rücken fällt. Eine gesellschaftliche Extremsituation, die es dir ermöglicht, dich klar auszurichten. Du weißt jetzt, dass du kein schlechtes Gewissen haben brauchst. Die Anklagen und Vorwürfe werden ab sofort ins Leere laufen. Gesellschaft ist ein seltsames Konstrukt. Sie ist wie das System. Es gibt sie nicht. Sie existiert nur in deinem Kopf. Es sind deine Gedanken an die anderen. Und es sind deine Ängste vor gesellschaftlicher Ächtung und Strafe. Je mehr Menschen sich von dir distanzieren, desto besser. Denn sie zeigen dir nur, wie es vorher bereits war, ohne dass es dir aufgefallen ist. Gesellschaftlicher Druck verändert Menschen nicht. Er macht sie sichtbar. Er zeigt das, wie es immer schon war. Er zeigt uns so, wie wir wirklich sind. Zumindest wie der bisher gut verdrängte Teil in uns ist. Wir konnten sehen, wie leicht wir selbst durch Angst zu steuern sind und wie leicht andere von Angst gesteuert werden. Viele, die mich kennen, haben ihren Platz in der Gesellschaft gefunden und dieser Platz ist außerhalb der Gesellschaft. Dieser Platz außerhalb der Gesellschaft wirkt anfangs furchteinflößend. Vor allem Frauen trauen sich oft nicht, diesen Platz außerhalb der Gesellschaft für sich zu reklamieren. Schließlich ist die weibliche Kraft ja auch das verbindende Element. Du solltest aber nur verbinden, was auch zusammenpasst. Verbinde das, was zusammenpasst und reib dich nicht an hoffnungslosen Fällen auf. Die letzten Jahre waren auch eine gute Möglichkeit zu erkennen, dass du keinen Führer und keinen Herrscher brauchst. Niemand muss dir vorgeben, was du zu denken und zu glauben hast. Es muss dir aber auch niemand zustimmen. Du bist wirklich frei und unabhängig. Das erinnert mich an eines meiner ersten öffentlichen Zitate. Es heißt: "Die nächste Revolution findet innen statt." Jede äußere Revolution kann manipuliert werden. In Gesellschaft ergeben sich einfach Dynamiken, die man nicht verhindern kann. Viele entwickeln einen Herdentrieb und viele wollen auch einen Retter. Einige wollen eine Gruppe anführen und so ergeben sich in einer Revolution wieder die gleichen Strukturen wie vorher. Bei einer inneren Revolution kannst du all das in dir beobachten. Jede einzelne deiner Tendenzen, jede Hoffnung auf einen Retter oder Anführer in dir, sogar der Wunsch, jemandem folgen zu können, um dadurch auf der sicheren Seite zu sein — alle diese Rollen gibt es in dir, sonst könnten sie außerhalb von dir nicht existieren. Erst wenn du deine Hoffnungen, Wünsche, Triebe in dir erkannt hast, werden sie außerhalb von dir überflüssig. Erst dann ergibt sich Gesellschaft und Gemeinschaft ganz automatisch. Typischerweise geht dem allerdings in den meisten Fällen eine lange Phase der Einsamkeit voraus. Menschen, die nicht alleine sein können, sind auch in Gemeinschaft nicht hilfreich. Sie leben nämlich einfach ihre inneren Programme an allen anderen aus. Und das führt in den seltensten Fällen zum Wohl aller. Wir können also dankbar sein für diese Übung. Sie ermöglicht uns die Hinwendung zu uns selbst und damit unsere innere Revolution.