Perfekt erscheinen zu wollen ist die größte spirituelle Falle, die es gibt. Ich meine damit nicht dein äußeres Erscheinen, wobei man darüber bestimmt auch sprechen kann. Ich meine damit, wie man rüberkommt, wie man auf die anderen wirkt und welche Mittel man dazu nutzt, um auf eine bestimmte Art und Weise zu wirken. Vor allem aber meine ich damit, ob man ehrlich ist. Der Großteil der spirituellen Szene ist ein spiritueller Affenzirkus. Alle wollen auf das Höchste verweisen, ohne es zu leben. Du erreichst Spiritualität nicht über schöne Worte. Du erreichst sie, indem du die schönen Worte lebst. Und falls du jetzt denkst, es geht dabei nur um diejenigen Protagonisten, die öffentlich auftreten, muss ich dich enttäuschen. Du brauchst dazu nur mal in die Kommentarspalten von Social Media schauen. Wie viele ungefragte und ungebetene Hinweise kommen da? Und wie schreiben die, die kommentieren? Erstens, als wären sie gefragt und zweitens, als würden sie es leben. Sobald du auch nur einen klitzekleinen Einblick hinter die Kulissen bekommst, merkst du sofort, dass sie es nicht leben. Das alleine ist kein Problem, aber es wird ein Problem, wenn man vorgibt, etwas zu leben, was man lediglich auswendig gelernt hat. Es geht in der Spiritualität ausschließlich um die harte Praxis und in der Praxis versagen die meisten. Aber sie wissen, wie es geht. Spiritualität selbst ist die perfekte Falle. Das liegt nicht an der Spiritualität, sondern an unserem Streben nach Perfektionismus, weil wir glauben, erst perfekt liebenswert zu sein und angenommen werden zu können. Unsere Gedanken kreisen ständig darum, wie andere uns wahrnehmen könnten. Es ist uns extrem wichtig, wie wir auf andere wirken und dass wir bei anderen einen guten Eindruck hinterlassen. Wenn du dieses Streben mit Spiritualität und spirituellen Aussagen kombinierst, dann wird ein riesiger Klugscheißerhaufen daraus. Nein, das ist keine Negativität. Das kannst du beobachten. Und so sind die meisten Diskussionen über Spiritualität überhaupt nicht echt. Dadurch will niemand etwas von sich preisgeben, denn das würde ja dem Ansehen schaden. Die Auswirkungen davon kannst du wie gesagt in den Kommentarspalten von Social Media beobachten. Und jetzt stell dir vor, was passiert, wenn jemand wirklich in der Öffentlichkeit steht. Um dann deinen inneren Perfektionisten ignorieren zu können, musst du unfassbar fortgeschritten sein. Du darfst überhaupt nichts darauf geben, was das Ergebnis dessen sein könnte, was du sagst. In Zeiten von politischer Korrektheit ist das noch einmal deutlich schwieriger geworden. Es gibt einen großen Unterschied zwischen "perfekt erscheinen wollen" und "perfekt sein". Denn perfekt zu erscheinen ist unmöglich. Absolut ausgeschlossen. Dafür gibt es einen sehr einfachen Grund: Es gibt zu viele Beobachter und es genügt bereits mehr als ein Beobachter, um mehr als eine Meinung über dich und deine Perfektion zu haben. Perfekt zu sein ist einfacher. Perfektsein beginnt immer mit Ehrlichkeit. Und wenn du ehrlich bist, dann kannst du zugeben, dass du nicht perfekt bist. Du kannst in dir erkennen, dass du ein perfektes Bild abgeben willst und du kannst immer wieder gegen diesen Drang angehen. Zum Beispiel, indem du einfach sagst, wie es wirklich ist. Die meisten Menschen können damit natürlich nicht umgehen. Das macht aber nichts, denn zu denen musst du keinen Kontakt haben. Ich habe noch ein ganz einfaches Beispiel für dich, wie spirituelle Perfektion versucht wird zu leben und welche Auswirkungen das hat. Im Vorgespräch zu einem Interview für einen Kongress hat mir der Kongressveranstalter gesagt, dass er bei Samarpan erwacht ist. Im Kongress behauptet er, alle Menschen eingeladen zu haben, die ihn auf seinem Weg begleitet haben. Dreimal darfst du raten, wer nicht dabei ist!