Der Job des Lehrers ist nicht, Berührung in dir herzustellen. Der Job des Lehrers ist es, dich auf dich selbst zurückzuwerfen. Viele Menschen gehen zu einem Lehrer, weil sie sich dort bei ihm gut fühlen. Weil sie dort Berührung fühlen, die sie sonst nicht fühlen. Und viele Menschen wenden sich von ihrem Lehrer ab, wenn sie diese Berührung nicht mehr fühlen. Wenn sie sich nicht mehr gut fühlen. Sie denken dann, der Lehrer hätte sich verändert. Und die meisten sind sauer, wenn sich ein Lehrer verändert. Sie hätten ihn gerne weiterhin als den Gefühle-Lieferanten, als den sie ihn kennengelernt haben. Der Lehrer war aber noch nie für deine Gefühle zuständig. Er war auch noch nie der Grund für deine Gefühle. Der Lehrer ist also nie dafür zuständig, dass Gefühle in dir sind. Die Aufgabe des Lehrers ist es, dich darauf hinzuweisen, dass da Gefühle sind und dass du die wahrnehmen kannst. Der Job des Lehrers ist es, dich darauf hinzuweisen, nach innen zu gehen, wenn du nach außen gehst. Viele Menschen leben das Verhältnis zu ihrem Lehrer wie eine Beziehung. Doch dafür ist ein Lehrer nicht da. Sie verlieben sich. Sie haben einen Honeymoon. Sie beginnen das Leben im Alltag und schwören sich, dass sie nie wieder einen anderen Lehrer haben. Dann merken sie irgendwann, dass der Lehrer auch nur ein Mensch ist und dass der ja auch Fehler hat. Irgendwann beginnen die Fehler sie dann zu stören. Und irgendwann sagen sie dann, sie fühlen nichts mehr. Ihre Gefühle haben sich verändert. Und dann suchen sie nach dem Schuldigen. Entweder suchen sie beim Lehrer oder sie suchen bei sich. Beides ist falsch. Der Fehler liegt darin, dass sie eine Beziehung gelebt haben. Sie wollten ein menschliches Verhältnis. Dieser Wunsch geht gar nicht von den Lehrern aus. Nicht einmal dann, wenn die Lehrer männlich und die Schüler weiblich sind. Wenn der Schüler eine persönliche Beziehung zum Lehrer möchte, dann missbraucht er den Lehrer. Er wird den Lehrer nämlich immer durch die Beziehungsbrille betrachten und er wird das Verhalten des Lehrers durch diese Beziehungsbrille beurteilen. Kein einziger guter Lehrer ist Lehrer geworden, um mehr Beziehungen zu haben. Jeder gute Lehrer ist Lehrer geworden, um zu dienen. Wenn der Schüler diesen Dienst falsch auffasst oder für seine egoistischen Zwecke missbraucht, dann kann der Lehrer nicht mehr so wirken, wie es gedacht ist. Der Schüler steht ihm dann im Weg. Tatsächlich steht er natürlich sich selbst im Weg. Da er das Persönliche über die spirituelle Wirkung des Lehrers gestellt hat, konnte er den Lehrer gar nicht so wahrnehmen, wie er ist und vor allem, wie er wirken soll. Ein spiritueller Lehrer kann erst dann wirklich wirken, wenn du alles Persönliche weglässt. Je mehr Persönliches du mit reinnimmst, desto weniger kann es wirken. Am schlechtesten wirkt es, wenn du Erwartungen an deinen Lehrer hast. Hoffnungen und Erwartungen sind die größte Blockade in der Spiritualität. Da kann dann nichts mehr wirken. Du musst den Lehrer freilassen, damit auch du frei sein kannst. Wenn das bei dir nicht automatisch der Fall ist, dann kann ich dir nur empfehlen, das zu üben. Das ist keine Übung, die dem Lehrer etwas bringt, sondern dir. Der Lehrer lebt seine Freiheit sowieso. Das kannst du gar nicht beeinflussen. Aber du beeinflusst mit deinen Erwartungen an den Lehrer dein eigenes Leben. Und darauf weist dich jeder gute Lehrer hin.