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    2.2.2025AQ 2627
    »Wir wollen Kindern das beibringen, was wir ihnen vorher aberzogen haben.«
    0:009:11
    Wir wollen Kindern das beibringen, was wir ihnen vorher aberzogen haben. Das wollen und können wir natürlich so nicht sehen, denn dann müssten wir ja unsere Fehler erkennen. Wir sagen dann lieber denjenigen, die uns das sagen, dass sie ja keine Kinder haben und gar nicht aus eigener Erfahrung sprechen können. Das wundert mich dann immer, denn alle waren einmal Kind. Sie könnten also alle aus eigener Erfahrung sprechen, wenn sie aus ihrer Erfahrung berichten. Sie haben aber ihre Erfahrung als Kind zugunsten ihres Erwachsenseins verdrängt. Und sie finden das, was damals ihre Eltern getan haben, jetzt gut, weil sie Eltern sind. Und sie denken tatsächlich, das hätte damit zu tun, dass sie Eltern sind. Sie können sich nicht vorstellen, dass sie eine Programmierung weitergeben. Eine Programmierung, die möglich, aber nicht notwendig ist. Damit sie nicht notwendig ist, braucht es ein immenses Maß an eigener innerer Arbeit. Und da diese Arbeit kaum jemand erledigt hat, ist es leichter, auf diejenigen sauer zu sein und zu schimpfen, die einen darauf hinweisen, dass es vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss ist, was man da tut. Würden wir erkennen, was wir da weitergeben, müssten wir nicht einmal künstlich positiv sein. Wir könnten einfach die überflüssige Negativität weglassen. Die Angst und "Das haben wir schon immer so gemacht. Warum willst du das nicht? Alle machen das so!", "Das geht nicht, weil ich das nicht will." Und so weiter. Der entscheidende Punkt ist etwas Phänomenales. Etwas, das man beobachten lernen muss. Es geht nämlich nicht darum, dass es eine richtige Art und Weise gibt. Es geht auch nicht um den richtigen Erziehungsstil. Es geht um die Fähigkeit der eigenen Beobachtung und der eigenen Hinterfragung. Es geht auch nicht darum, ein Richtig und Falsch herauszufinden, sondern zu überprüfen: Wie komme ich denn auf diese Idee? Warum ist das so? Warum ist es so für mich? Und warum will ich das an mein Kind weitergeben? An eine total absurde Sache habe ich mich heute erinnert. Ich habe mich heute an ein total absurdes Beispiel erinnert. Meine Mutter hat immer gesagt, ich soll den Aufstrich nicht ohne das Brot essen. Als Kind war ich einfach nur enttäuscht, beleidigt, sauer. Aber jetzt wird mir klar, wie absurd das ist. Warum sollte das nicht möglich sein? Und ich habe festgestellt: Ich mache das die ganze Zeit. Entweder weil ich gerade kein Brot mag oder weil keines im Haus ist. Dann gibt es den Belag oder den Aufstrich ohne Brot. Vielleicht denkst du jetzt, dass das ein sehr primitives Beispiel ist. Aber jeder hat halt so seine eigenen und du kannst deine suchen und finden. Denn da gibt es jede Menge mehr, die nicht nur solche Kleinigkeiten wie dein Essverhalten betreffen, sondern eine ganze Reihe an Vorschriften, wie man Dinge zu tun hat, damit man sie richtig und ordentlich macht. Es geht dabei überhaupt nicht um Laisser-faire. Das wird ständig vollkommen falsch interpretiert. Es geht auch nicht darum, dass die Eltern es nicht so machen dürfen, wie sie wollen und wenn sie den Aufstrich gerne mit Brot essen, dann können sie das jedes Mal tun. Es geht um das Drama, das entsteht, wenn Eltern ihre Variante bei den Kindern unter allen Umständen durchsetzen wollen. Wir wollen also Kindern ständig etwas beibringen. Wir wollen ihnen sagen, wie es richtig ist. Und wir erwarten dann von ihnen, dass sie sich daran halten, dass sie es richtig machen. Wenn sie es nicht richtig machen, sind wir enttäuscht und lassen sie das auch spüren. Vor allem aber erleben wir als Erwachsene ein eigenes Drama, weil das Kind nicht so funktioniert, wie wir es gerne hätten. Das kriegt das Kind natürlich mit. Und so bekommt es das aberzogen, was in ihm angelegt ist: Neugierde, Forschergeist, Wissensdrang, alles ergründen, alles ausprobieren und so weiter. Und nachdem wir unsere Kinder derart reglementiert haben, wollen wir ihnen etwas beibringen. Etwas, das wir nicht mehr können. Und wir wollen ihnen vor allem alles auf eine bestimmte Art und Weise beibringen. Wir wollen ihnen sagen, wie es ist, wie es funktioniert und dann wollen wir, dass sie es genauso tun. Wir können das nur deshalb so machen, weil wir nie beobachtet haben, wie unser eigener Lernprozess funktioniert. Denn wir haben keinen mehr, zumindest keinen natürlichen. Und wir haben ein riesengroßes Ego, das vollkommen unflexibel geworden ist. Wir wurden durch Verbote und Anweisungen erzogen und so geben wir das auch weiter. Außerdem fühlen wir im Kontakt mit unseren Kindern die Anspannung unserer Kindheit noch einmal. Da ist dieses kleine Wesen und du willst es anschreien. Ich fand das schon als Kind vollkommen absurd, wie die Lehrer die Schüler behandelt haben. Es ging mir einfach nicht in den Kopf, wie ein erwachsener Mensch, der den Kindern selbstverständlicherweise haushoch überlegen ist, aus der Erniedrigung der Kinder Freude ziehen kann. Ich hatte in meiner Kindheit und Jugend keinen einzigen Lehrer, der sich für mich als Begleiter angefühlt hat. Einer meiner Deutschlehrer hat mal zur gesamten Klasse gesagt: "Dumm geboren, nichts dazugelernt und die Hälfte wieder vergessen." Vielleicht hat er es lustig gemeint? Er wirkte aber eher angespannt. Wie klein musst du dich fühlen, um dich bei kleinen Kindern durch so etwas groß zu fühlen? Und wie sehr musst du vergessen haben, wie du selbst mal warst und wie es hier sein könnte, wenn wir uns gegenseitig nichts aberziehen würden, um uns dann wieder etwas beizubringen.