Die einfachsten spirituellen Sätze kommen aus der schwierigsten Praxis. Der Verstand will immer die Abkürzung nehmen. Er ist auch überzeugt davon, dass er durch Verstehen die Dinge erfassen kann. Was ein anderer erlebt hat, kannst du aber erst erfassen, wenn du selbst etwas Ähnliches erlebt hast. Und selbst dann sind es nicht die gleichen Erlebnisse. Der Verstand glaubt auch, wenn es einer bereits gesagt hat, muss es der andere ja nicht wiederholen. Er versteht überhaupt nicht, dass diese Wiederholung nicht stattfindet, weil jemand etwas nachplappert, sondern weil er es erlebt hat und deshalb jetzt einen Einblick hat. Dieser Einblick bleibt dir verwehrt, solange du deinem Verstand folgst und einfache spirituelle Sätze einfach abhakst. Nach dem Motto: "Kenne ich schon, brauche ich kein zweites Mal. Hat jemand anderes schon gesagt." Und so weiter. Der Verstand behandelt dein Leben als etwas, das du erledigen kannst. Er kennt keine Entwicklung jenseits deines Ego. Das Ego will die ganze Zeit und es will eine Abkürzung. Es will etwas schneller erreichen. Es will besser sein. Sogar dann, wenn es spirituell sein will. Es will nicht den normalen Weg der Entwicklung gehen und es steht auf schnelle, abrupte Veränderung. Es will jetzt etwas machen und jetzt ein Ergebnis. Es will nicht warten, bis sich etwas entwickelt hat. Dafür ist es sich zu fein und zu schade. Es will etwas Besseres sein. Tatsächlich ist es auch so: Von bestimmten Menschen kannst du bestimmte Sätze nicht annehmen und von anderen Menschen kannst du diese Sätze sehr leicht annehmen. Der Verstand hat nur die Angewohnheit, sich mit denen zu streiten und mit denen zu diskutieren, von denen er die Sätze nicht annehmen kann. Einfache spirituelle Sätze und Erkenntnisse kannst du ganz einfach nachplappern, um damit zu signalisieren, wie spirituell du bist. Aber so war und ist Spiritualität nicht gedacht. Sie kann auf diese Art und Weise auch gar nicht funktionieren, denn du bleibst dadurch im gleichen Verstandeskonzept gefangen, das vorher bereits in anderen Bereichen präsent war. Du kannst es auf den verschiedenen Plattformen nachvollziehen. Da diskutieren Menschen dann über Spiritualität. Das ist irre. Denn das geht überhaupt nicht und die Menschen kriegen das noch nicht einmal mit. Sobald du über Spiritualität diskutierst, ist es keine mehr. Der Kern von Spiritualität ist nur erreichbar in Demut, Ehrfurcht und Hingabe. Die meisten können mit diesen Worten überhaupt nichts anfangen, weil sie diese Worte überhöhen und ihnen dann entweder überhöht folgen oder weil sie nichts Höheres dulden, diese Überhöhung, die ja nur in ihnen existiert, wieder kaputt machen wollen. Wenn du Hingabe, Ehrfurcht und Demut als etwas vollkommen Normales erlebst, musst du es weder übertrieben zelebrieren noch zerstören. Und erst dann kann es wirken. Aber unser Verstand steht halt auf Drogen. Er steht auf Extreme. Deshalb nimmt er sie auch und glaubt dann, das sei Spiritualität. Eine frühere Mitarbeiterin hat mir mal empfohlen, LSD zu nehmen und es mir wärmstens ans Herz gelegt. Man könne da sein eigenes Ego erkennen. Es falle regelrecht von einem ab. Und dann hat sie beschrieben, dass es leider auch wieder zurückkommt. Als ich ihr gesagt habe, dass ein spiritueller Lehrer nichts von deiner Hingabe hat, hat sie mich angeschaut, als würde ich ihr gerade sagen: "Die Erde ist eine Scheibe." Und das ist der passendste Vergleich, den es überhaupt gibt. Denn obwohl wir eine sehr konkrete Erfahrung haben, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können, bastelt unser Ego seine eigene Welt daraus. Sie hatte dank LSD die Erfahrung, wie es ist, frei von Ego zu sein, konnte sich dann aber nicht vorstellen, dass man nichts davon hat, wenn sich jemand hingibt. Nur das Ego hätte etwas davon. Genauso wie es gerne über Spiritualität sprechen und diskutieren möchte, hätte es auch gerne, dass ihm die Menschen zu Füßen liegen. Der Verstand auf Drogen braucht immer härtere Dosen. Die einfachen Erkenntnisse genügen ihm nicht mehr. Er braucht immer eine Steigerung und er strebt immer nach der Abkürzung. Die schwierige Praxis ist nicht sein Ding. Die will er vermeiden. Und so verpasst er die wesentlichen Erkenntnisse.