Wenn du jeden Gedanken fallen lassen kannst, dann kommen die wichtigeren zu dir. Der heutige Aufwachquickie ist mal wieder ohne Zitat. Es wird sich ergeben. Vielleicht irgendwas zum Thema Berufung. Ich möchte dir heute nämlich einen Einblick in meine Arbeit geben. Ich steh überhaupt nicht auf so was. Ich verabscheue Instagram als die Plattform, zu der sie gemacht wurde. Das meiste ist künstlich, gespielt, vorgetäuscht. Und genauso kommt mir ein Großteil der spirituellen Szene vor, weil sie dir alle immer noch etwas verkaufen wollen. Und wenn dir jemand verkaufen will, dass er dich wohin bringen kann, dann muss er dir zeigen, wie toll sein eigenes Leben ist. Und deshalb wird gescriptet, übertrieben und gefakt. Ich mache nichts davon. Es steht meistens nur der erste Satz fest. Das Zitat. Manchmal noch ein zweiter Satz oder ein paar Stichpunkte, weil mir das Zitat eingefallen ist und es schon aus mir heraussprudeln wollte. Es gab ein paar wenige Texte, die bereits vor der Aufnahme fertig waren. Aber auch die sind spontan entstanden und die habe ich dann meistens an einem Stück abgetippt. Was ich mache und wie ich aufnehme, ist ganz anders. Ich spreche den ersten Satz und wenn mir dann nichts einfällt, dann klicke ich auf die Pausetaste. Das mache ich auch jetzt gerade die ganze Zeit. Manchmal sogar nach jedem Satz. Ich denke dann aber nicht angestrengt darüber nach, was ich als Nächstes sagen möchte, sondern ich warte, bis der nächste Satz zu mir kommt. Besser gesagt, ich warte, bis der nächste Satz in mir entsteht. Ich könnte das als Technik verkaufen, wäre aber Blödsinn. Denn ich habe das nicht gelernt. Ich mache es so, weil es genau so für mich richtig ist. Und wie es für mich richtig ist, entsteht im Lauf der Zeit. Das kann sich jederzeit ändern, aber solange es so läuft, mache ich es so. Und jetzt kommt der Schocker. Das ist für mich nichts Besonderes. Jeder andere würde dir jetzt eine überhöhte Geschichte von Inspiration, Berufung, Eingebung, Verbindung zum höheren Selbst und was weiß ich noch alles erzählen. Aber ich weiß nicht, was es ist. Und ich weiß nicht, warum ich das tue. Ich weiß auch nicht, warum es für mich genau so funktioniert. Es ist mir auch egal. Es ist etwas Besonderes und es ist nichts Besonderes. Früher hätte ich mich endlos gestresst, um eine Audio zustande zu bringen. Ich hätte unheimlich viel darüber nachgedacht, was ich sagen sollte. Und seit ich das nicht mehr mache, entdecke ich, dass meine Audios fast druckreif sind, teilweise sogar richtig gegliedert. Und das habe ich mir vorher nicht vorgenommen. Es ist das Einfachste der Welt für mich. Das Einzige, was mich Überwindung kostet, ist mich hinzusetzen und dann auch anzufangen. Sobald ich angefangen habe, ist es fast wie ein Autopilot, könnte man sagen. Ich trete zurück. Ich trete in den Hintergrund. Dadurch ist nichts da, was verrückt gemacht werden kann. Ich muss dafür aber nicht meditieren oder mich auf bestimmte Art und Weise konzentrieren. Das ist nichts Künstliches. Es geschieht vollkommen natürlich. Und wenn es nicht geschieht, dann darf ich es nicht erzwingen. Das passiert vielleicht fünf- bis zehnmal im Jahr und dann gehe ich schlafen, statt mich verrückt zu machen. Ich erzähl dir das, weil ich dir das auch empfehlen möchte. Ich möchte dir nicht empfehlen, dass du Audios aufnehmen sollst. Ich möchte dir empfehlen, deine Berufung auf diese Art zu leben. Sie ist nichts Besonderes. Sie ist sehr einfach. Du musst dazu noch nicht einmal in deiner höchsten Freude sein. Aber du musst üben, dem Einfachen und Leichten zu folgen, selbst wenn es dadurch schwierig wird. Niemand kann dir diese Entscheidung abnehmen, was das für dich sein soll. Und es kann dir auch niemand sagen, ob sich das im Lauf der Zeit verändert. Was du dazu üben musst, ist deinen Verstand zu ignorieren. Du musst lernen, jeden Gedanken vergessen zu können. Wenn du jeden Gedanken fallen lassen kannst, dann kommen die wichtigeren zu dir. Sie kommen präzise und eindeutig. Nicht so wie das Geblubber den ganzen Tag. Denn dieses Geblubber ist irgendwann nicht mehr da und wenn es da ist, kannst du es hier sein lassen und ignorieren. Das ist die einzige Möglichkeit, wie du deine Berufung finden kannst. Alles andere ist künstlich, aufgesetzt, angelesen, auswendig gelernt, gestellt. Es ist nicht echt, weil es nicht du bist. Wenn du dein programmiertes "Ich" verlässt, kommt etwas anderes zum Vorschein. Damit darfst du dich aber auf gar keinen Fall stressen. Du musst dir alle Zeit der Welt nehmen, damit sich das von ganz alleine entwickeln kann. Sobald du dich bei dieser Entwicklung unter Druck setzt, verunmöglichst du die weitere Entwicklung. Viele denken, sie müssten erst lernen, sich zu zeigen oder sie müssten Marketing und Verkaufen lernen, setzen sich dann damit unter Druck und sind plötzlich in einem ganz anderen Bereich tätig. Sie lernen plötzlich, wie man sich auf einer Bühne verhält, wie man gestikuliert und wie die Mimik sein soll. Und dadurch werden sie unnatürlich. Jeder fühlt, dass das nicht echt ist. Nur die Blender lassen sich davon blenden. Jeder, der sich selbst kennt, kann echte von unechten Auftritten unterscheiden. Da kannst du noch so sehr an deiner Bühnenpräsenz arbeiten und es mag auch sein, dass das gut ankommt. Trotzdem ist es gespielt. Es ist nicht echt. Und natürlich haben wir uns durch YouTube und Fernsehen und Internet an jede verrückte und nicht authentische Art der Präsentation gewöhnt. Von den künstlich gehypten Moderatoren bis zu den künstlich säuselnden Spiris ist alles dabei. Einfach deshalb, weil alle dressiert sind und weil sie der Meinung sind, sie müssen jetzt abliefern, sie müssen jetzt ihr Publikum zufriedenstellen. So kommt es, dass Menschen, die dir sagen, man sollte im Hier und Jetzt leben, auf der Bühne stehen und ein auswendig gelerntes Skript vortragen. Diesen Grad an kognitiver Dissonanz, den muss man erst einmal hinbekommen. Es ist aber unbewusste kognitive Dissonanz, denn sie sehen ja noch nicht einmal einen Widerspruch. Und sie fühlen sich deshalb auch nicht schlecht. Sie glauben, sie tun etwas Gutes. Und sie glauben tatsächlich, sie würden im Moment leben.