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    22.1.2025AQ 2616
    »Jede Gruppenzugehörigkeit ist ein Kult.«
    0:009:54
    Jede Gruppenzugehörigkeit ist ein Kult. Als Erstes muss ich betonen, dass es in Wahrheit gar keine Gruppenzugehörigkeit gibt. Du warst schon immer alleine, du bist alleine und du wirst für immer alleine sein. Du kannst aber das Gefühl von Gruppenzugehörigkeit entwickeln. Sobald du dieses Gefühl entwickelst, entfernst du dich von dir und stellst etwas anderes über dich. In allererster Linie stellst du die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe über dich. Die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe ist jetzt wichtiger als du. Denn du willst in die Gruppe passen. Dazu musst du anerkannt sein von den anderen. Und das geschieht, wenn du dich den geschriebenen oder ungeschriebenen Gesetzen der Gruppe unterwirfst. Diese Gesetze sind meistens ungeschrieben und selbst falls sie geschriebene Gesetze sind, weißt du, ohne dass du sie liest, ganz genau, was du tun und was du nicht tun darfst, was du zu glauben und was du nicht zu glauben hast. Niemand muss dir das sagen. Das weißt du intuitiv. Sobald du widersprichst oder es anders machst als die anderen, etablierst du eine neue Strömung innerhalb dieser Gruppe. Das kann gut gehen, das kann aber auch schiefgehen. Wenn du diese Richtung etabliert hast, kommt ein anderer und etabliert eine neue Strömung, die sich entweder von deiner abspaltet oder die eine Unterströmung deiner Strömung ist. Warum passiert das? Das passiert überall. Das kannst du in Parteien beobachten und sogar in Unternehmen. Der Grund dafür ist ganz einfach: Wir sind nicht für einen gemeinschaftlichen Kult geschaffen. Wir haben eine höchst individuelle Wahrnehmung und wir streben danach, diese auch zu leben. Doch dazu fehlt den meisten der Mut. Sie trauen sich nicht und schließen sich deshalb zuerst einer Gruppe an, sozusagen als sichere Ausgangsbasis. Dazu müssen sie sich zunächst anpassen. Sie müssen zustimmen und dem Gruppenzwang nachgeben. Und dann versuchen sie je nach Kraft und Fähigkeit, ihre Individualität zu leben. Das muss immer schiefgehen und es ist gut, dass es schiefgeht. Denn innerhalb eines Kultes wird keine Individualität geduldet. Die wichtigste Eigenschaft eines Kultes ist immer Konformität. Verrückterweise trägt jeder Kult dazu bei, dass es uns so vorkommt, eine eigene Meinung sei wichtig. Und auch das ist ganz einfach zu sehen. Die eigene Meinung ist nur wichtig, wenn Konformität gefordert wird. Ohne den Zwang zu einem einheitlichen Verhalten ist Individualität selbstverständlich und muss deshalb nicht als Meinung ausgedrückt werden. Eine Meinung bedeutet ja immer nur, dass man in der Theorie eine andere Position vertritt, die man aber nicht lebt, weil man sie innerhalb einer Gemeinschaft, innerhalb eines Kultes nicht leben kann. Ein Gemeinschaftskult beinhaltet immer Zwang. Man versucht also aufgrund eines bestehenden Zwangs seine Individualität zu betonen. Individualität bedeutet immer Freiheit und steht jedem Zwang diametral entgegen. Wenn man stattdessen in Freiheit seine Individualität lebt, kann man anschließend freiwillig kooperieren. In Freiheit ergibt sich kein Kult. Man gehört auch nicht zu einer Gruppe, deren Regeln man einhalten muss. Und in Freiheit hat man auch gar nicht das Bestreben, Teil einer Gruppe zu sein. Denn in Freiheit kann man jederzeit mit jedem freiwillig kooperieren. Wir zäumen das Pferd also einfach von hinten auf. Wir wünschen uns als Erstes Kooperation und Unterstützung, begeben uns dadurch in die Abhängigkeit anderer und erwarten dann, dass sie uns in die Freiheit entlassen. Das ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Jede Familie, in der die Eltern Freiheit nicht leben, scheitert bereits auf diese Art und Weise. Sie haben Kinder, die sich dem Kollektiv, sprich dem Kult der Familie, unterwerfen. Und sie hoffen, dass sie durch dieses Zugeständnis irgendwann ihre Individualität leben dürfen. Ein Kult, der das zulässt, bricht auseinander, also kann er es nicht zulassen. Er muss auf Basis ungeschriebener, aber durchweg bekannter Gesetze und Vorschriften Individualität unterbinden und Kollektivismus erzwingen. Wer nicht mitmacht, ist ein schwarzes Schaf und fliegt raus. Zum Schluss kommt jetzt noch eine sehr verrückte Wendung. Gegen die Gruppe zu sein macht es nicht besser. Das bedeutet nicht, dass du mitmachen musst, aber alles, wogegen du bist und alles, was du bekämpfst, ist ein Teil von dir und machst du stärker. Die einzige Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, ist die Abkehr. Natürlich kannst du versuchen, mit den Mitgliedern der Gruppe zu sprechen. Jeder, der das ernsthaft und intensiv versucht hat, wird dir von einem ähnlichen Ergebnis berichten. Es gibt maximal die Möglichkeit für Kompromisse, denn die meisten Mitglieder einer Gruppe wollen von ihrem Kult nicht abweichen. Das bedeutet, dass du unter Zwang nur Deals machen kannst nach dem Motto: "Wenn du mir hier entgegen kommst, komme ich dir in dem anderen Bereich entgegen." So wird dein Leben zu einem Handelsgeschäft, in dem du die Verträge ständig neu verhandeln musst. Außerdem werden alle Mitglieder der Gruppe dadurch psychisch krank. Denn so kann sich kein Einziger entfalten. Alles ist geprägt von Misstrauen, gegenseitiger Beobachtung und gegenseitiger Beschuldigung und es wird die ganze Zeit gegenseitig aufgerechnet, Strichlisten geführt, verglichen, gegenseitig aufgewogen und verrechnet. Falls du jetzt Parallelen in unserer Gesellschaft gefunden hast, so ist das kein Wunder. Denn wir leben im größten vorstellbaren Kult. Innerhalb eines Kultes ist es extrem schwer, dass dir das auffällt. Niemand will das wahrhaben. Aus einem ganz einfachen Grund: Es ist gegen deine Natur gerichtet. Deine Natur ist nicht Gemeinschaft durch Zwang, sondern Gemeinschaft durch Individualität in Freiheit.