Es ist gefährlich, etwas gefährlich zu finden, nur weil du es nicht kennst. Die wenigen Bereiche, in denen es Sinn macht, etwas, das du nicht kennst, für gefährlich zu halten und deshalb zu unterlassen, wurden auf unser gesamtes Leben übertragen. Vor allem auf den Bereich unserer Meinung. Dieser Bereich ist der größte Verführer. Es ist der verführerischste Teil unseres Ego, denn er behauptet, für dich zu sein und dich zu verteidigen, während er dich bekämpft. Wenn du nämlich allzu großen Wert auf deine Meinung legst und dich dadurch damit identifizierst, dann musst du sie die ganze Zeit gegenüber anderen begründen und verteidigen. So sorgt dein Ego für unnötige Kontaktpunkte zu einer Außenwelt, mit der du tatsächlich gar nichts zu tun hast. Denn du bist ja anderer Meinung. Wenn du anderer Meinung bist, dann musst du niemanden davon überzeugen. Du musst einfach danach leben. Man könnte das auch die Demokratie-Falle nennen. Es wird ja behauptet, dass Demokratie ein Wettstreit der Meinungen sei. Und das ist das Dümmste, was man tun kann. Denn die meisten haben ihre Meinung nie gelebt. Deshalb können sie immer nur theoretisch darüber sprechen. Dein Leben ist aber nicht theoretisch. Dein Leben ist ganz praktisch. Durch den Fokus auf das Theoretische wird erreicht, dass du nicht zur praktischen Umsetzung kommst. Denn innerhalb dieser Demokratie-Falle gilt ja auch die Meinung, dass du andere von deiner Meinung und deinem Weg überzeugen musst und dass du andere brauchst, um deinen Weg gehen zu können. Das ist ein fataler Irrtum. Es ist einfach nicht wahr. Du brauchst absolut niemanden, um deinen Weg gehen zu können. Die Idee, dass du andere brauchst, macht dich abhängig von einer Illusion. Da nutzt unser Ego unseren Gemeinschaftssinn und unser Streben nach Zusammenhalt und Geborgenheit. Denn um aus dieser Falle herauszukommen, musst du erst einmal wirklich bereit sein, alleine zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass du für immer alleine sein wirst. Du wirst, wenn du deinen Weg in der Praxis gehst, irgendwann Gleichgesinnte finden. Aber nicht deshalb, weil du allen deine Meinung oktroyierst und weil du deine Meinung verteidigst, sondern ganz natürlich. Menschen interessieren sich für dich. Menschen fühlen sich in deiner Nähe wohl. Du interessierst dich für andere Menschen. Du fühlst dich in ihrer Nähe wohl. Wenn du diesen Weg gehst, wirst du auch den Unterschied zwischen einer theoretischen und einer praktischen Meinung feststellen. Da muss ich dich dann gar nicht mehr überzeugen, dass es da einen Unterschied gibt, denn du wirst ihn erleben und fühlen. Du wirst dadurch nämlich gar nicht frei von Meinung oder frei von Ansichten. Ganz im Gegenteil: Du wirst darin so sehr gefestigt, dass du es niemandem mehr erklären musst. Deine Ansichten sind ja schließlich für dich. Sie helfen dir, durch die Welt zu navigieren. Und damit dir deine Ansicht hilft, durch die Welt zu navigieren, muss sie niemandem sonst helfen. Es genügt, wenn du sie für dich nutzt. Wenn du etwas für gefährlich hältst, was du selbst nicht kennst oder nie ausprobiert hast, dann ist das eine der tiefsten Programmierungen. Denn du sprichst über etwas, das du rein theoretisch kennst und von der Praxis hast du keine Ahnung. Gleichzeitig willst du aber alle anderen davor warnen, denn es ist ja gefährlich deiner Meinung nach. Solche Meinungen solltest du dir besser an den Hut schmieren oder den Hasen füttern. Sie behindern andere, vor allem aber behindern sie dich. Wenn du so leicht zu beeindrucken bist und wenn man dir so leicht Angst machen kann, dann wird das auch als Mittel für deine Steuerung verwendet. Du brauchst nur einmal schauen, wie das in den Medien und in der Politik verwendet wird. Das ist eine schöne Übung, die du mal machen kannst. Schau mal, wie oft dir Angst gemacht wird. Schau mal, wie oft in den Medien steht, dass etwas gefährlich ist. Mittlerweile geht das sogar so weit, dass man behauptet, eine Meinung sei gefährlich. Man behauptet sogar, eine Meinung sei gefährlich für die Gesellschaft. Tatsächlich ist eine Meinung immer nur gefährlich für den, der sie hat. Denn sie hält dich durch theoretisches Grübeln von der praktischen Umsetzung ab. Und das ist viel gefährlicher, als etwas für gefährlich zu halten.