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    16.1.2025AQ 2610
    »Hochsensibilität ist keine Gabe, sondern Trauma.«
    0:009:26
    Hochsensibilität ist keine Gabe, sondern Trauma. Genauer formuliert müsste das Zitat folgendermaßen lauten: "Hochsensibilität, die sich unter Trauma entwickelt, kann nicht als Gabe eingesetzt werden." Falls es dennoch eine Gabe sein sollte, wird sie zumindest falsch eingesetzt. Als Kind hast du zwei Reaktionsmöglichkeiten auf die Welt, die von außen auf dich zukommt und dich herausfordert und stresst. Für die drei Kinder, die in absoluter Liebe und Fürsorge aufgewachsen sind, gilt das natürlich nicht. Alle anderen haben zwei Möglichkeiten der Flucht: Sie ziehen sich entweder zurück oder sie gehen zum Gegenangriff über. Das nennt man dann introvertiert und extrovertiert. Jedes Kind kommt hochsensibel auf diese Welt. Da wir am Anfang hochgradig abhängig sind von der Welt um uns herum, ist es für uns immens wichtig, alles mitzubekommen. Wir müssen auf alles in uns und außerhalb von uns reagieren. Könnten wir uns nicht bemerkbar machen und könnten wir auf unser Umfeld nicht reagieren, würden wir sehr wahrscheinlich nicht überleben. Deshalb fühlen wir alles. Da unser Umfeld nicht unbedingt das Liebevollste ist und unsere Signale nicht versteht, wird unsere Hochsensibilität für uns zum Trauma. Wir fühlen, wenn etwas nicht stimmt, können oder dürfen es jedoch nicht artikulieren. Und falls wir es doch tun, dann glaubt man uns nicht. Und so lernen wir nicht mit unserer Hochsensibilität umzugehen. Denn genau diese Hochsensibilität wird abgelehnt. Alle anderen um uns herum kennen sie ja auch nicht mehr. Sie haben sie schon längst verdrängt. Und genau das machen wir jetzt auch. Wir verdrängen unsere Gefühle, indem wir uns in uns zurückziehen oder indem wir gegen das, was von außen kommt, ankämpfen. Sowohl der Rückzug als auch der Angriff sind der verzweifelte Versuch, gegen diese Hochsensibilität, gegen die Gefühle, die wir fühlen, anzugehen. Unabhängig von unserer bevorzugten Methode, introvertiert oder extrovertiert, schaffen es die meisten dadurch, ihre Gefühle zu unterdrücken oder sogar ganz abzuschalten. Einigen gelingt das nicht und bei einigen anderen kommen sie wieder und sie merken, dass sie im Vergleich zu den anderen anders sind. Dadurch beginnt die Suche, was denn mit ihnen los ist. Wenn sie dann herausfinden, dass es die Hochsensiblen gibt und sie können sich mit den Beschreibungen identifizieren, dann sind sie froh, dass sie endlich gefunden haben, was mit ihnen los ist und dass sie endlich eine Gemeinschaft haben, mit der sie etwas gemeinsam haben. Tatsächlich ist es aber gar nichts Besonderes. Es ist das, was in dir und allen anderen von Anfang an angelegt ist. Du hast es nur nicht geschafft, deine Hochsensibilität zu unterdrücken. Du hast aber auch nicht gelernt, mit ihr umzugehen. Du müsstest etwas lernen und das wird nicht gelehrt. Du müsstest lernen, deine Gefühle zu fühlen. Und du müsstest lernen, sie nicht auf andere auszukotzen. Und du müsstest etwas lernen, das fast niemand gelernt hat. Ganz im Gegenteil. Das wurde uns natürlich verboten. Du müsstest lernen, deine Gefühle als Navigationssystem für dich zu nutzen. Und das würde bedeuten, dass du lernen musst, Nein zu sagen. Das wurde dir als Kind ausgeredet und es wurde dir negativ angerechnet, falls du es doch getan hast. Du müsstest dazu auch lernen, dass Neinsagen gar nicht bedeutet, dass du Nein sagen musst. Es bedeutet, dass du dich abwendest. Dazu musst du überhaupt nicht diskutieren und du musst dich auch nicht erklären. Du wendest dich einfach ab. Du bist jetzt erwachsen und deshalb geht das. Dein Leben ist dadurch nicht mehr in Gefahr. Du kannst es dir also erlauben, Menschen in deinem Umfeld zu ignorieren. Für die meisten Menschen ist genau das die allergrößte Herausforderung. Bevor du Piep sagen kannst, kommen tausende Argumente, warum das nicht geht. Die kannst du dir alle erzählen. Sie stimmen trotzdem nicht. Doch, du kannst dich abwenden! Und ja, du darfst deine Gefühle, deine Hochsensibilität als Navigationsinstrument nutzen. Wenn du geistig gesund werden willst, musst du das sogar. Diese ganzen angeblich so unsensiblen Menschen, denen du begegnest, die sind dafür da, dass du das lernst. Falls du all das nicht lernst, nutzt dein Verstand deine Hochsensibilität für sich. Er bildet sich etwas darauf ein und er erzählt dir Geschichten, die überhaupt nicht stimmen, die du aber nie überprüfen kannst, weil du ja als Hochsensibler alles fühlst. Deshalb weißt du ja auch, wie es für den anderen ist. Das kann sein, das kann aber auch eine Illusion sein. Vor allem aber ist es egal, wie es für den anderen ist. Denn du bist jetzt erwachsen. Es geht darum, wie es für dich ist. Und wenn du alles von den anderen fühlst und mit deiner Aufmerksamkeit dort bleibst, dann machst du etwas falsch. Dein Leben ist nicht dafür da, dass du weißt, wie es allen anderen geht. Du musst herausfinden, wie es dir geht. Und falls du herausfindest, dass es dir nicht gut geht, musst du herausfinden, wie du es schaffst, dass es dir gut geht. Wenn du das nicht schaffst, wird die Hochsensibilität zu dem Fluch, der er für die meisten Menschen ist. Und noch eine kleine Randbemerkung: Es hat übrigens auch gar keinen Wert, ständig durch die Gegend zu laufen und kundzutun, wie hochsensibel du bist. Denn diejenigen, die selbst hochsensibel sind, fühlen das und wissen das. Und diejenigen, die es nicht sind, interessieren sich sowieso nicht dafür. Du musst das Trauma deiner Hochsensibilität erst auflösen, damit es zu deiner Gabe werden kann.