Kognitive Dissonanz ist keine Spiritualität. Weltschmerz aber auch nicht. Deine tatsächlichen Probleme wegzuträumen und so zu tun, als gäbe es sie nicht, ist keine Spiritualität. So zu tun, als würden dich die Probleme in der Welt nicht mehr berühren, obwohl sie dich tatsächlich berühren, ist auch keine Spiritualität. Und zu Menschen, die diese Probleme ansprechen, zu sagen, du beschäftigst dich nicht mehr mit Negativität, obwohl es dich stresst, dass sie es ansprechen, ist auch keine Spiritualität. Es ist nur dann echt, wenn es dich wirklich nicht mehr berührt. Der Verstand liebt es, so zu tun, als würde es ihn nicht berühren. Doch du kannst es im Körper fühlen, wie es dich stresst, wenn du von den angeblichen Problemen der Welt oder den Problemen von anderen erfährst. Entweder stresst dich das Problem oder die Tatsache, dass es angesprochen wird. Wenn du spirituell weiterkommen willst, dann musst du in diesem Bereich radikal ehrlich sein. Und auch diejenigen, die das fühlen, wenn andere so tun, als ob, müssen radikal ehrlich sein. Beide in erster Linie sich selbst gegenüber. Denn auch auf der Empfängerseite liebt es der Verstand so zu tun, als wären die anderen so weit. Es geht gar nicht darum, dass du es ansprechen musst, um den anderen zurechtzuweisen oder ihm zumindest zu signalisieren, dass du sein Spiel durchschaut hast. Das bringt euch beide meistens nirgendwohin. Aber du musst es für dich erkennen. Du musst offen und ehrlich zugeben, dass die anderen oft nur den Mantel des Schweigens darüber legen wollen. Kognitive Dissonanz oder auch Weltschmerz ist es übrigens nur für denjenigen, der betroffen ist. Das ist nicht das, was der andere interpretiert. Nur weil es für mich kognitive Dissonanz wäre, bedeutet das noch lange nicht, dass es für den anderen auch so ist. Außerdem ist es viel wichtiger, die eigene kognitive Dissonanz zu entdecken, sprich seine eigenen Übersprungsgedanken und Übersprungshandlungen zu entlarven. Kognitive Dissonanz entsteht unabhängig von der Definition in Fachartikeln, wenn du etwas fühlst und so tust, als würdest du es nicht fühlen, vor allem dann, wenn es sich unangenehm anfühlt und du behauptest, es wäre nichts. Die umgekehrte Variante, nämlich das Suhlen in deinem Schmerz, ist aber genauso wenig hilfreich. Denn das Suhlen im Schmerz ist gar nicht das Fühlen der Gefühle. Davon könnte man ja eigentlich ausgehen. Es bedeutet ja, du setzt dich deinem Schmerz aus und wälzt dich darin. Aber das ist überhaupt nicht der Fall. Es ist ein Nachdenken über deinen Schmerz und ein immer wieder Hervorholen durch Gedanken. Du glaubst bestimmte Geschichten so sehr, dass sie beim Gedanken daran Gefühle in dir auslösen. Es gibt immer mehr Menschen, die erkennen, dass die Welt eine Bühne ist, gehen dann aber den letzten ultimativen Schritt nicht mehr. Sie müssten erkennen, dass diese Bühne in ihnen ist. Wenn alles inszeniert ist (und es ist alles inszeniert), dann ist auch deine eigene Geschichte inszeniert. Das, was du glaubst, zu sein, das, was du glaubst, erkannt zu haben und das, was bei dir Gefühle auslöst, ist alles eine Inszenierung. Und im Sinne des Zitates behaupte ich nicht, dass das nicht da ist. Es ist für die meisten Menschen sehr real. Spiritualität ist eben nicht so zu tun, als wäre das nicht da. Spiritualität ist tiefer und tiefer in den eigenen Kaninchenbau einzudringen. Wenn du dein Ego entdeckt hast, muss es sich nicht auflösen. Aber dann erkennst du es in dir und in der Welt. Du verwendest es dann auch nicht mehr als Vorwurf den anderen gegenüber, weil das keinen Sinn macht. Es hilft auch dir nicht bei der Erkenntnis, wenn dir jemand dein Ego vorwirft. Und kognitive Dissonanz und Weltschmerz sind Teile des Ego. Weltschmerz ist das Suhlen im eigenen Leid oder im Leid der anderen. Und durch die Medien gibt es eine weitere Variante davon, nämlich das Suhlen im vorgestellten Leid der anderen. Es wird berichtet, wie schlecht es jemandem geht und du übernimmst das für dich. Und das, obwohl du an der Situation überhaupt nichts ändern kannst oder willst. Wärst du vor Ort und würdest helfen, dann könnten deine Gefühle nämlich ganz andere sein. Dann müsstest du auch nicht darüber fantasieren, wer alles helfen könnte und sollte, denn du bist damit beschäftigt zu helfen. Da hast du gar keine Zeit, dich mit solchen Gedanken zu beschäftigen.