Säuseln macht dich nicht spirituell. Unser Verstand hat eine erstaunliche, sehr subtile Eigenschaft. Er ist ein Meister der Imitation. Doch nicht nur das. Er glaubt seiner eigenen Imitation und ist von ihr überzeugt. Dadurch entsteht bei den wenigen Menschen, die das nicht machen und das beobachten, eine Verzerrung. Denn sie beobachten ja keine authentischen Menschen, sondern das Ergebnis von Imitation. Und wenn sie leichtgläubig oder im positiven Sinne gutgläubig sind, dann gehen sie davon aus, dass die Imitation wahr ist, sprich, dass es keine Imitation ist, sondern authentisches Verhalten. Es ist aber nicht echt, sondern gespielt. Diese Phase kannst du bei den meisten Menschen auch in der Spiritualität beobachten. Menschen tun so, als hätten sie alles integriert. Je nachdem, wie gut es gespielt ist oder wie feinfühlig du bist, glaubst du es dann oder manchmal wird dir sogar schlecht. In mir ist ganz oft beides. Ich würde es gerne glauben, gleichzeitig ist mir aber schlecht. Und wenn mir schlecht wird, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Diese Imitation des Verstandes ist mehr als ein Vorwurf. Es geht viel tiefer. Mir geht es auch gar nicht so sehr um das falsche Bild, das dadurch entsteht und von dem der jeweilige Protagonist vielleicht auch profitiert. Die Welt ist eine Bühne und jeder kann seine Rolle spielen. Dagegen habe ich gar nichts. Das Problem ist aber, dass die Echten nicht mehr zu dir durchdringen können, weil du den Unechten glaubst oder zumindest so hypnotisiert bist von ihrer Botschaft, dass du davon ausgehst, du müsstest das erreichen und wenn das nicht geht, dann war alles umsonst. Und auch nach dem Motto: "Die anderen schaffen es doch auch alle. Warum schaffe ich es nicht?" Ja, die anderen schaffen es aber alle nur als Schauspieler, nicht als echte Menschen. Ihr Verstand schafft es, etwas zu imitieren, was du so interpretierst, als hätten sie etwas geschafft. Und das löst dann Gefühle aus, die wir nicht fühlen wollen und deshalb hinterfragen wir gar nicht, ob das Schauspiel echt ist. Denn dann sind wir mit der Verdrängung unserer Gefühle beschäftigt. Und ich bin hier, um dir zu sagen: Sie haben es nicht drauf. Sie sind nur sehr überzeugt von sich. Tatsächlich ist ihr Leben aber eher eine Art Psychose. Und auch das meine ich überhaupt nicht böse. Aber ich kenne Menschen, die vor der Kamera nichts von dem sind, was sie wirklich sind. Und einige davon sind hinter der Kamera sogar viel lustiger und sie fühlen sich deshalb jenseits der Öffentlichkeit viel echter an. Ob ihnen ihr Spiel und ihr Verstellen bewusst ist, weiß ich überhaupt nicht. Ich weiß aber, dass sie mit mir nicht mehr reden, weil sie jetzt nur noch von Licht und Liebe sprechen. Und da bin ich viel zu negativ. Sie würden das vielleicht sogar bestreiten und es muss nicht stimmen. Fakt ist: Sie haben keinen Kontakt mehr zu mir. Und Fakt ist auch: Ich habe auch keine Lust mehr auf sie. Denn das ist mir einfach zu viel Imitation und zu sehr gestellt. Auch ich bin im Retreat anders als sonst, aber ich erzähle nichts, was ich hinter den Kulissen nicht lebe. Vor allem aber versuche ich nicht, durch liebevolles Säuseln Gefühle vorzutäuschen, die gerade gar nicht da sind. Und ich versuche vor allem nicht, deine Gefühle durch liebevolles Säuseln zu verändern. Und wenn ich dich gerade nicht verstehe, dann versuche ich nicht, verständnisvoll zu tun. Diese Imitation des Verstandes gibt es in alle Richtungen. Es gibt auch Menschen, die vorspielen, ständig glücklich zu sein und die sind eher überdreht und wie auf Drogen. Auch mit solchen Menschen habe ich Kontakt und die erzählen mir ihre größten Sorgen und Nöte auch nur hinter den Kulissen. Es gibt übrigens auch Menschen, die mir geschrieben haben, wie sehr ihnen mein Buch bei der Gründung ihres Coaching-Unternehmens geholfen hat. Und ich habe sie sogar schriftlich dabei begleitet. Öffentlich erwähnt haben sie das nie. Auch das ist eine Imitation des Verstandes. Der Verstand imitiert, als hätte er alles alleine geschafft. Ich habe nichts alleine geschafft. Ich habe meinen Lehrer gebraucht und er ist eine immense Unterstützung. Von alleine läuft es erst, seit ich Retreats gebe und die halte ich, ohne eine Rolle zu spielen. Ich versuche, weder meinen Lehrer noch andere Lehrer zu imitieren. Ich bin einfach so, wie ich bin. Und ich mache das, wofür ich hierher gekommen bin. Das ist keine Überzeugung, denn das fühle ich. Dadurch ist die Imitation durch meinen Verstand überflüssig geworden. Solange der Verstand imitieren muss, bist du noch nicht angekommen. Wenn du angekommen bist, fällt er von ganz alleine weg.