Ein spiritueller Lehrer ist das Ende der Projektion. Wenn dein spiritueller Lehrer der Beginn deiner Projektion ist, missbrauchst du ihn für dein Ego. Das ist jetzt für den Verstand sehr schwer nachvollziehbar, weil er immer von einem gegenüberliegenden Ego ausgeht. Jedes Ego denkt in Ego-Strukturen und es unterstellt dem anderen, was es selbst ist. Es kann sich gar nicht vorstellen, dass es einen Menschen gibt, der kein Ego mehr hat oder in bestimmten Bereichen kein Ego mehr hat. Es wird deshalb jeden Lehrer für sich zweckentfremden. Es wird den Lehrer benutzen, um sich selbst aufrecht zu halten. Deshalb wird es nach den Fehlern des Lehrers suchen oder natürlich auch nach den ganz besonders tollen Seiten. Und dann wird es entsprechend entweder in den Widerstand gehen oder ihn vergöttern. Beide Reaktionen sind falsch. Der Sinn von Spiritualität ist das Ende deiner Projektionen. Dafür musst du deine Projektionen natürlich erst einmal sehen können. Und du musst realisieren, dass alle Gefühle deine Gefühle sind, nicht die der anderen. Solange du glaubst, andere könnten für deine Gefühle verantwortlich sein, wirst du auf sie projizieren. Und zwar alles. Nicht nur das Negative, auch das Positive. Und auch das ist ein Fehler. Wenn du in der Nähe eines Lehrers Liebe fühlst, dann hast du dich nicht in ihn verliebt. Du fühlst deine Liebe. Wenn du in Anwesenheit eines Lehrers wütend bist, dann bist du nicht wütend auf ihn. Es ist deine Wut. Und so verhält es sich mit allen Gefühlen. Und prinzipiell gilt das auch für alle Menschen. Dein spiritueller Lehrer sollte aber der Mensch sein, bei dem es dir das erste Mal gelingt, das zu erkennen und bei dem du nach dieser Erkenntnis deine Projektion stoppen kannst. Mir ist das bei meinem Lehrer genau so passiert. Ich kann das noch nicht einmal als meinen Verdienst ansehen. Es war einfach so. Nicht bei allen. Erst einmal nur bei ihm. Ich konnte und wollte ihn nicht kritisieren. Ich habe in ihm auch keinen Ersatzvater gesehen und ich wollte mit ihm nicht Kaffee trinken gehen. Ich habe ihn für das genutzt, was er im Überfluss angeboten hat. Er hat mit seinen Antworten wieder und wieder meine Programme gecrasht und das war noch nicht einmal ein schmerzhafter Prozess. Ganz im Gegenteil, es war ein inneres Fest. Je mehr er meiner Programmierung und der Programmierung der anderen Teilnehmer widersprochen hat, desto besser hat sich das angefühlt. Die Umsetzung in meinem Leben war natürlich noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Aber mein Lehrer hat den fetten Grundstein gelegt. Auf diesem Grundstein hat alles andere aufgebaut. Und verrückterweise war dieser Aufbau ja tatsächlich ein Abbau. Ein Abbau von Vorstellungen, Ideen, Wünschen, Programmen, Gedanken und Verhaltensweisen. Und der Beginn davon war das Ende meiner Projektion. Und wenn Projektionen wegfallen, dann wird es echt. Deshalb war mein Lehrer auch der erste authentische Mensch in meinem Leben. Nur so kann echte Begegnung stattfinden: Wenn alle Projektionen wegfallen. Erst dann ist es echt. Und genau dafür gibt es spirituelle Lehrer. Wenn die Projektionen nicht wegfallen, ist es entweder kein spiritueller Lehrer oder es ist nicht dein spiritueller Lehrer. Und selbstverständlich kann es auch sein, dass die Projektionen erst nach einer gewissen Zeit wegfallen. Was ganz sicher ist: Wenn das Ende deiner Projektion beginnt, erscheint dein Lehrer.