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    3.1.2025AQ 2597
    »Spiritualität ist kein Glaube.«
    0:006:56
    Spiritualität ist kein Glaube. Ganz im Gegenteil. Spiritualität ist die Abwesenheit eines Glaubens. Das heutige Zitat wird wieder einmal nicht viral gehen, weil es kaum jemand verstehen wird. Und das liegt daran, weil die Spirituellen so sehr damit beschäftigt sind, an etwas zu glauben. Wenn sie nicht mehr an Gott glauben, dann an das Leben oder das Universum oder die Liebe. So funktioniert der Verstand. Er ersetzt seine alte Programmierung einfach durch etwas Neues. Deshalb sind die Spirituellen dann immer vollkommen überzeugt von irgendetwas. Sie glauben an die Kraft der Manifestation und verpassen dadurch wieder einmal das eigentliche Wunder. Die Tatsache, dass du existierst. Deiner Existenz kannst du nur in deiner Fantasie etwas hinzufügen. Das bist dann einfach nur du plus Fantasie. Und ja, das gilt natürlich auch für Bitcoin. Das gilt aber auch schon vorher für den Euro. Du kannst dir nur in deiner Fantasie etwas hinzufügen. Davor bist du bereits. Du bist bereits, bevor du eine Idee oder einen Glauben hattest. Diese Existenz ist nicht wahrnehmbar. Wahrnehmbar ist nur das Ergebnis dieser Existenz. Und weil du in einem Körper bist, kannst du im Körper wahrnehmen. Deine Existenz ist von dieser Wahrnehmung unberührt. Die meisten spirituellen Menschen glauben, dass Spiritualität etwas ist, was sie sich hinzufügen können, etwas, das sie lernen können. Demnach ist Spiritualität du plus Manifestation oder du plus Meditation. Tatsächlich ist Spiritualität das, was übrig bleibt, wenn du alles wegnimmst, wovon du gedacht hast, das seist du. Einigen ist es zum Beispiel wichtig, dass sie als spirituell wahrgenommen werden oder dass sie spirituell erscheinen. Da hat sich vor Kurzem ein spiritueller Influencer verplappert. Er hat nämlich gesagt, dass die Spirituellen besondere Erkennungszeichen hätten. Sie würden sich auf eine bestimmte Art und Weise kleiden und auf eine bestimmte Art und Weise sprechen. Und das ist genau der Fehler. Das hat mit Spiritualität nichts zu tun. Das ist dein Kleidungsstil oder dein Bemühen, durch eine möglichst sanfte Sprache immer unfassbar entspannt rüberzukommen. Als jemand, der aus einem Elternhaus kommt, in dem viel geschrien wurde, sowohl von den Eltern als auch von mir, bin ich kein großer Fan von Schreien. Aber es kann trotzdem vorkommen. Und je näher du bei mir bist, desto wahrscheinlicher wird es, dass du es mal mitbekommst. Ich muss das nicht unterdrücken oder verdrängen, um den Schein zu wahren, weil es mir egal ist, wie ich erscheine. Das ist auch ein Glaube in der spirituellen Szene, dass man spirituell erscheinen muss. Und dann versucht man tatsächlich, das durch Sprache, Kleidung, Gestik und Mimik rüberzubringen. Als würde das deinen Kern transportieren und als könntest du deinen Kern dadurch verändern. Genau das ist nicht der Fall. Doch diesen Glauben kannst du dem spirituellen Verstand nicht nehmen, denn er will seinen Glauben gar nicht aufgeben. Er will nicht spirituell sein, denn das kann er gar nicht. Er will spirituell erscheinen. Das ist die größte und lustigste Egofalle, denn dieser Influencer, von dem ich vorhin gesprochen habe, der hat sich tatsächlich einen noch längeren Bart und noch längere Haare wachsen lassen und kleidet sich, seitdem er spirituell erscheinen möchte, nur noch in Leinen. Das ist tragisch und gleichzeitig komisch. Denn der glaubt das wirklich. Er kann sich ein Leben ohne Glauben und Überzeugungen überhaupt nicht vorstellen. Deshalb kann er gar nicht spirituell sein. Er ist so bemüht darum, wie er erscheint, dass er sein Sein vergisst. Also einfach das, was wir alle tun, nur mit spirituellem Anstrich. Das Beste, was dir passieren kann, ist: Du bist spirituell und niemand bekommt es mit. Keinem fällt es auf. Du bist in einer Menschenmenge und du wirkst und erscheinst nicht besonders. Vor allem aber hast du den Drang nicht mehr. Du willst gar nicht besonders wirken oder besonders erscheinen. Du bist einfach in Abwesenheit eines Glaubens.