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    27.12.2024AQ 2590
    »Erwachsen zu sein bedeutet, Härte und Strenge vorzutäuschen.«
    0:006:21
    Erwachsen zu sein bedeutet, Härte und Strenge vorzutäuschen. In der Ignoranz dieser Tatsache liegt die Wurzel allen Übels. So können wir nicht erkennen, wie wir Kindern gegenüber sind. Wir imitieren die Erwachsenen unserer Kindheit und übertragen den Druck, den wir dabei fühlen, auf unsere Kinder. Erwachsen zu tun bedeutet, Härte vorzuspielen, wo gar keine ist. Und das auf zwei Ebenen. Die erste Ebene sind unsere Kinder. Wir verhalten uns ihnen gegenüber hart, um uns durchzusetzen. Würden wir in uns gehen, würden wir das gar nicht wollen. Wir wollen gar nicht künstlich hart sein. Und wir müssten entdecken, dass unsere Härte programmiert ist. Wir müssten entdecken, dass unsere Vorstellungen programmiert sind. Aber genau das wollen die sogenannten Erwachsenen nicht zulassen. Deshalb ist Erwachsensein immer Ego. Die Erwachsenen wollen nicht zugeben, dass es egal ist, ob man um 18:00 Uhr, um 19:00 Uhr oder um 23:00 Uhr das Abendessen zu sich nimmt. Sie wollen nicht zugeben, dass es egal ist, wann man aufsteht. Sie drehen alleine bei dem Gedanken durch, dass sie programmiert sein könnten. Und sie verstehen nicht, dass die Erkenntnis der eigenen Programmierung nicht teilnahmsloses Laissez-faire bedeutet. Und damit war ich jetzt schon bei der zweiten Erkenntnisebene. Die Erkenntnis des eigenen Wahnsinns. Dieser Wahnsinn ist auch unabhängig von Kindern. Und wir merken gar nicht, dass wir mit diesem Wahnsinn unser eigenes Kind einsperren. Dieses Kind sind wir. Wir in unserer Kindheit. Wir wurden in unserer Kindheit eingesperrt. Und das führen wir jetzt mit uns selbst fort, indem wir so tun, als wären wir uns selbst gegenüber erwachsen. Und dieses Erwachsensein ist eine gespielte Härte uns selbst gegenüber. Wir täuschen sie nicht nur unseren Kindern vor, sondern auch uns selbst. Und wir merken es noch nicht einmal. Ich bin schon gespannt auf die Kommentare derjenigen, die das Zitat lesen und direkt antworten: "Nein, bei mir ist das nicht so. Ich bin ganz anders." Selbsterkenntnis ist ein harter und steiniger Weg. Er fühlt sich nicht angenehm an. Wir fühlen uns dabei ertappt. Auch dieses Gefühl kennen wir aus unserer eigenen Kindheit und auch auf dieses Gefühl haben wir keine Lust mehr. Seltsamerweise artikulieren sich die Menschen, die sich ertappt fühlen und das von sich weisen wollen, viel stärker als jene, die sich ertappt fühlen und das annehmen können. Auch das ist ein Muster unserer Kindheit. Wir wollen uns verteidigen. Dabei ist das hier ja überhaupt nicht böse oder gegen dich gerichtet. Ganz im Gegenteil, es beinhaltet die größtmögliche Befreiung. So kannst du jede Vorstellung, jede Programmierung, jeden Verhaltenswunsch, den du an dich selbst und an deine Kinder hast, hinterfragen. Manche empfinden das als anstrengend. Und es bedeutet, dass sie ihren Selbstwert und ihr Selbstbild von diesen Vorstellungen und Programmierungen abhängig machen. Sie denken, das macht sie aus oder das gehört sich so. Die Bereitschaft, diese Ideen zu hinterfragen, ist der Beginn des Zusammenbruchs deines Ego. Kinder zeigen uns das in aller Deutlichkeit, weil sie noch keines haben. In unserem Ego gefangen können wir das aber nicht erkennen. Im Ego gefangen interpretieren wir alles Externe als ein eigenständiges Ego. Auch dann, wenn unser Gegenüber gar keines hat. Heute fände ich es schön, wenn ich zusätzlich zu den ganzen Kommentaren im Widerstand auch Kommentare von Menschen bekommen würde, die verstehen, was ich meine, die sich vielleicht ertappt fühlen, für die das aber bereichernd ist.