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    26.12.2024AQ 2589
    »Feiertage und Feste sind die größte gesellschaftliche Programmierung.«
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    Feiertage und Feste sind die größte gesellschaftliche Programmierung. Viele Menschen wollen das nicht hören, weil sie denken, ich möchte ihnen ihre Feste nehmen. Sie lieben Weihnachten so sehr, weil sie damit etwas verbinden, was sonst in ihrem Leben fehlt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ich will dir deine Feste zurückgeben. Allerdings nicht über anlassbedingte Standardphrasen, sondern dadurch, dass ich dir die offiziellen Feste wegnehme. Wir sind so sehr verliebt in unsere Feste, weil wir sie in unserem Leben vermissen. Entweder ist uns unser Leben nicht festlich genug oder wir kommen mit unserem Normal nicht zurecht. Wir lieben die Zeit der Feste so sehr, weil wir in dieser Zeit als Kinder etwas bekommen haben, was wir sonst nicht bekommen haben. Alleine das müsste uns schon so traurig machen, dass wir verstehen, was gemeint ist. Stattdessen wehren wir uns mit Händen und Füßen, damit uns dieses schöne Fest nicht genommen wird. Deshalb müsstest du als Erstes verstehen, was eine Programmierung ist. Ein Programm führt automatisch Befehle aus. Beim Computer ist es so: Du gibst den Befehl und der Computer macht das, was in ihm programmiert ist. Das ist für dich wiederholbar. Du kannst diesen Befehl hundertmal eingeben und es wird immer das gleiche Ergebnis dabei herauskommen. Ein ganz einfaches Beispiel: Wenn du auf den Buchstaben A klickst, wird immer der Buchstabe A angezeigt und nicht die anderen Buchstaben. Und mit uns funktioniert das genauso. Allerdings sind bei uns die Befehle variabler. Es können zum Beispiel unterschiedliche akustische Befehle und viele verschiedene optische Reize sein. Die sind so stark in dir verankert, dass du irritiert bist, falls sie anders zusammengestellt werden, als du es gewöhnt bist. Jeder, der schon einmal Weihnachten auf einer warmen Insel gefeiert hat, versteht, was ich meine. Da steht dann ein Weihnachtsmann am Strand unter Palmen und es passt überhaupt nicht. Da kommt die weihnachtliche Stimmung nur sehr schwer auf, denn du bist es gewöhnt, dass Weihnachten im Kalten stattfindet. Und du verstehst überhaupt nicht, wie bei den anderen, die dort wohnen, Weihnachtsstimmung aufkommen kann. Doch für die ist es ja vollkommen normal. Sie haben noch nie kaltes Weihnachten erlebt. Du bist also auf eine ganz bestimmte Art und Weise auf Weihnachten programmiert. "Aber Stefan, Weihnachten ist doch so schön!" Auch das ist eine Programmierung, das Ziel aller Mütter und auch vieler Väter, dass es an Weihnachten ganz harmonisch sein muss. Ein weiteres, etwas komplexeres Beispiel: Für dich in Deutschland ist Weihnachten am 24.12. Und am 25. und 26. ist erster und zweiter Weihnachtsfeiertag. Das ist in Italien auch so. Viele feiern am 24. in der Familie. Da gibt es die Geschenke und am 25. und 26. besuchen sie Oma und Opa, die Schwiegereltern und vielleicht den Rest der Großfamilie. Am 24. kommt der Weihnachtsmann und bringt die Geschenke. Wusstest du, dass das in Italien ganz anders ist? In Italien bekommen die Kinder ihre Geschenke am 6. Januar. Und diese Geschenke bringt nicht der Weihnachtsmann und auch nicht die Heiligen Drei Könige, sondern eine Hexe. So wie du dir nicht vorstellen kannst, Weihnachten am 6. Januar zu feiern, können sich die Italiener nicht vorstellen, Weihnachten am 24. Dezember zu feiern. Wenn man bei den Menschen die Weihnachtstaste drückt, werden also verschiedene Programme aktiviert. Diese Programme werden über Gefühle gesteuert. Nur deshalb wollen wir sie uns nicht nehmen lassen. Deshalb sind diese Programme auch kompatibel. Wenn du nächstes Jahr nach Italien ziehst und Weihnachten dort feierst, passt du dich einfach an die Gegebenheiten dort an und migrierst deine weihnachtlichen Gefühle auf die dortigen Festtage. Diese Art der Programmierung kannst du auf alle Religionen und auf alle Feste übertragen. Wir nennen das dann Tradition und finden es ganz, ganz toll. Und das nur, weil unsere Gefühle damit verbunden sind. Wir brauchen einen Anlass, um uns gut zu fühlen. Damit sind wir bereits die Roboter, vor denen wir Angst haben. Du brauchst bei uns nur die Weihnachtstaste drücken und schon läuft das Programm ab. Und falls Weihnachten für dich nicht mit guten Gefühlen verbunden ist, gilt trotzdem das Gleiche. Falls du an Weihnachten traurig und melancholisch wirst, ist auch das eine Programmierung. Wenn du beginnst, deine Gefühle frei wahrzunehmen und zu leben, dann fällt die anlassbedingte Programmierung weg. Nicht deshalb, weil Weihnachten nicht schön ist, sondern weil du von Weihnachten nicht mehr abhängig bist. Du kannst jedes Gefühl jederzeit fühlen. Du brauchst nicht mehr die programmierte Erlaubnis eines Anlasses dazu. Durch die Bereitschaft, alle deine Gefühle zu fühlen, die jetzt hier sind, deprogrammierst du dich. Das bedeutet, die Programme fallen weg, weil sie überflüssig werden. Und dann kannst du machen, was du willst. Du kannst sogar mit den anderen Weihnachten feiern.