Die Obrigkeit hört erst auf zu herrschen, wenn die Untertanen aufhören zu kriechen. Wenn die Untertanen nicht mitspielen, dann hat die Obrigkeit keine Macht. Die meisten Menschen betrachten das als Massenphänomen. Sie glauben, wenn genügend Menschen nicht mitspielen, dann hat die Obrigkeit keine Macht. Tatsächlich genügen Einzelne. Jeder Einzelne für sich. Wenn du nicht mitspielst, hat die Obrigkeit keine Macht über dich. Der einzige Grund, warum das nicht funktioniert: Du glaubst nicht daran. Du kannst es dir nicht vorstellen und außerdem bevorzugst du bequeme Lösungen. Ein kleines Beispiel: Es stellt sich heraus, du müsstest umziehen, damit die Obrigkeit keine Macht mehr hat oder zumindest nicht mehr die Macht, die sie bisher über dich gehabt hat. Vielleicht müsstest du sogar auswandern. Ich sage nicht, dass das immer unbedingt notwendig ist. Das ist nur ein Beispiel. Du findest heraus, dass die Obrigkeit keine Macht mehr über dich hätte, wenn du auswandern würdest. Du willst aber nicht auswandern. Und du bestehst darauf, dass die Obrigkeit ohne auszuwandern keine Macht mehr über dich haben soll. Du bestehst darauf, die Lösung zu ignorieren. Und von solchen Lösungen gibt es tausende. Aber du willst keine einzige davon ausprobieren, weil du sie nicht gewöhnt bist, weil sie aufwendig sind, weil du nicht weißt, wie es geht und weil diese Lösungen ganz generell irgendetwas in deiner Ordnung durcheinanderbringen würden. Damit entscheidest du dich für Obrigkeitshörigkeit. Du entscheidest dich durch deine Weigerung, die Lösung zu leben, weiterhin ein Teil deines Problems zu sein. Du entscheidest dich, dass die Obrigkeit weiterhin über dich herrschen darf. Und darüber willst du dich dann auch lauthals beschweren. Das, meine Liebe, ist 'kriechen'. Du kriechst durch deine alten Gewohnheiten, als wären sie ein Wohnzimmer, in dem du dich wohlfühlst. Du erwartest, dass sich andere ändern. Und falls du dich unbedingt ändern musst, dann erwartest du eine bequeme Änderung. Es soll auf gar keinen Fall anstrengend oder gar extrem sein. Jede Herausforderung ist zu viel. Eigentlich wollte ich schon längst aufhören. Aber dann war ich im Flow. Ich wollte das heutige Zitat überhaupt nicht wegen der Erklärung veröffentlichen. Ich habe einen Test gemacht, denn ich habe eine Nachricht bekommen, dass dieses Zitat überhaupt nicht echt ist. Ich hatte es nämlich schon einmal veröffentlicht und ich habe es Friedrich Schiller in den Mund gelegt. Das habe nicht ich gemacht. Das waren andere. Ich habe es übernommen und ich habe nicht geprüft, ob es wirklich von Friedrich Schiller ist. Und da ich den Urheber nicht kenne, gebe ich es einfach als mein Zitat aus. Und ich bin jetzt gespannt, ob Menschen kommentieren, dass dieses Zitat von Friedrich Schiller geklaut ist oder zumindest, dass dieses Zitat ja gar nicht von mir ist. Tatsächlich ist es nicht von mir. Es könnte aber sehr wohl von mir sein. Ich möchte damit etwas ganz anderes aufdecken. Ist das Zitat besser, wenn es von Friedrich Schiller ist? Muss ich überhaupt wissen, von wem es ist, damit es gut sein kann? Können vollkommen unbedeutende Menschen gute Zitate veröffentlichen? Ist es überhaupt wichtig, wer es veröffentlicht hat? Oder ist es wichtiger, was es aussagt? Und ist es vielleicht noch wichtiger, ob es dich berührt? Wir leben in einem Affenzirkus. Und mit dieser Aussage tue ich den Affen Unrecht. Wir wissen, wer was gesagt hat. Aber wir verstehen gar nicht, was er gesagt hat. Und wir verstehen nicht, was er gemeint hat. Wir streiten uns darüber, ob wir richtig zitiert haben und denken sogar noch, wir würden etwas Gutes zu dieser Welt beitragen. Wir sind wirklich sehr verwirrte Wesen. Wenn das Zitat nicht von Friedrich Schiller ist, dann ist es vielleicht von dem, der es Friedrich Schiller in den Mund gelegt hat. Ist deshalb irgendein Teil nicht zu verstehen? Sind wir wirklich so eingeschränkt in unserem Denken, dass wir denken: "Wenn es nicht von Friedrich Schiller ist, dann kann es nicht gut sein." Vielleicht ist es ja stattdessen von Goethe. Ist es dann besser oder schlechter? Und vielleicht hat es Goethe nur gedacht, aber nicht aufgeschrieben und aufgeschrieben hat es dann einer, der sich es getraut hat. Und dann lag es viele Jahrzehnte in einer Schublade und erst dann kam einer, der sich getraut hat, das auch noch zu veröffentlichen. Bitte versteh mich nicht falsch! Ich bin kein Fan davon, falsch zu zitieren und ich möchte mich auch nicht rechtfertigen für diesen Fehler. Ich habe es nicht überprüft und meine Lektorin hat es auch nicht überprüft. Oder vielleicht hat sie es auch überprüft und hat gedacht: "Es passt alles." Ich will nur darauf hinweisen, womit wir uns beschäftigen. Es ist uns wichtiger, den Autor zu recherchieren, als das Zitat zu verstehen. Und mein Eindruck dabei ist folgender: Diejenigen, die herausfinden, dass das Zitat nicht von Schiller ist, die wollen das Zitat auch gar nicht verstehen und sie wollen es auch nicht lesen. Sie haben nämlich etwas gegen dieses Zitat. Sie meinen entweder, dass es gar keine Obrigkeit gibt und dass sie keine Untertanen sind. Oder sie finden das vollkommen in Ordnung. Dann sollten sie sich einfach abwenden. Das Zitat, das ich fälschlicherweise Friedrich Schiller in den Mund gelegt habe, hat mittlerweile über 4000 Likes. Und damit komme ich zu einem weiteren Problem. Ich stimme diesem Zitat vollkommen zu. Ganz unabhängig davon, wer es gesagt hat. Meine Vermutung ist aber, dass eine Menge Menschen, die dieses Zitat gut finden, im Widerstand sind zur Obrigkeit. Und das ist mein größtes Problem als spiritueller Lehrer. Ich suche immer noch eine Möglichkeit, wie ich das erklären kann. Ich finde das Zitat gut und ich bin nicht im Widerstand. Das ist der Grund, warum mich die meisten Menschen falsch verstehen. Sie verarbeiten meine Worte mit ihrer Programmierung und sie denken dann entweder, dass ich ein Spinner oder ein Widerstandskämpfer bin. Und es stimmt. Ich bin dieser Rebell. Ich bin nicht angepasst und ich habe auch nicht vor, mich anzupassen. Es ist aber auch gar nicht mehr nötig. Ich habe die Rebellion meiner Jugend transformiert. Ich habe es in etwas transformiert, was nicht nur für mich bereichernd ist. Aber es war als Erstes für mich bereichernd. Ich war von dieser Transformation berührt. Sie fand weder bei Demonstrationen im Straßenkampf noch bei der Meditation auf der Yogamatte statt. Ich habe sie erlebt, als ich damit begonnen habe, mein Leben an mir auszurichten. Das war und ist kein einfacher Prozess. Die Ausrichtung meines Lebens an mir hat dazu geführt, dass ich Rad gefahren bin. Und ich habe meine Transformation während des Trainings erlebt. Sehr sanft und unspektakulär, aber immer tief berührt. Ich musste mich seitdem kein einziges Mal mehr verstellen. Ich musste niemandem mehr etwas vorspielen. Das heißt nicht, dass ich nicht diplomatisch sein kann. Ganz im Gegenteil. Aber ich durchschaue unseren Affenzirkus.