Mindset-Probleme sind ein billiger Trick von Möchtegern-Coaches. Wenn dir ein Coach sagt, dass du nicht weiterkommst, weil dein Mindset nicht richtig ist und du müsstest doch nur dein Mindset ändern und schon wärst du auf der Erfolgsspur, dann verwendet er den gleichen Trick wie Ärzte, die dir bei körperlichen Problemen sagen: "Du musst an deiner Psyche arbeiten." Es ist ein fieser Trick, denn damit schiebt er seine Verantwortung für seine Unfähigkeit oder sein Unwissen einfach zu dir. "Du musst halt an deiner Einstellung arbeiten, an deiner Haltung." Und das sagt er meistens, weil er nicht an sich arbeiten will. Er will nicht zugeben, dass er etwas nicht weiß. Oder er will nicht zugeben, dass er bei dir nicht weiterkommt. Er will sein Versagen auf dich schieben. Und natürlich kann er auch recht haben und du hast ein Problem mit deiner Haltung. Es hat aber doch keinen Wert, wenn er dir dieses Problem vorwirft. Er müsste dann doch als guter Coach genügend Möglichkeiten haben, es dir so zu erklären, dass du es verstehst. Wenn er das nicht kann, dann ist das sein Versagen und nicht deins. Das bedeutet, er hat ein Problem mit seinem Versagen. Er will dieses Versagen sich selbst gegenüber und dir gegenüber nicht eingestehen. Oder er will sich nicht eingestehen, dass es bei manchen einfach nicht funktioniert. Das ist an sich überhaupt kein Problem. Das Problem ist, wenn man eine Begründung an den Haaren herbeizieht. Denn so wird aus der Begründung, die potenziell sogar richtig sein kann, eine Lüge. Die dahinter liegende Absicht kann aus einer wahren Begründung eine Lüge machen. Es geht dabei nie um Schuld, denn gegenseitige Schuldzuweisungen und Vorwürfe führen nur dazu, dass man sich noch weniger versteht. Es ginge um die Offenlegung der tatsächlichen Absichten. Wenn diese nicht kommuniziert werden, merken Menschen, die fühlen können, immer, dass hier etwas nicht stimmt. Es ist für einen Coach keine Schande, wenn er dir nicht helfen kann. Wenn überhaupt, ist es eine Schande, dass er versucht, diese Tatsache zu verschleiern. Dadurch entstehen die viel größeren Probleme, denn so zahlt er auf dein Trauma ein. Dass du etwas nicht richtig machst und dass es deshalb schiefgeht, das kennst du schon. Das ist für kaum jemanden von uns etwas Neues. Und natürlich ist es auch vollkommen in Ordnung, wenn dich ein Coach mal auf dich selbst zurückwirft. Wenn er das aber bei jeder Frage und bei jedem Problem, das du hast, macht, dann ist es kein Coaching. Richtig peinlich wird es dann, wenn er es macht, obwohl du überhaupt gar keine Mindset-Probleme hast, sondern von ihm etwas einforderst, was zum Coaching dazugehört. Zum Beispiel die Beantwortung von Fragen oder die Bitte, etwas ausführlicher zu erklären. Da du bei mir bist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du hinter Kulissen schauen kannst, die andere noch gar nicht als Kulisse wahrnehmen. Du kannst das, was hinter den Kulissen ist, wahrscheinlich nicht einmal in Worte fassen. So geht es zumindest mir meistens. Ich weiß nicht, was los ist, aber ich weiß, dass etwas los ist. Und weil das, was los ist, von denen, bei denen etwas los ist, nicht ausgesprochen wird, fühle ich etwas. Ich fühle, dass etwas nicht stimmt, habe aber keine Worte dafür. Und falls ich etwas sage, werde ich angegriffen. Ich werde aber nicht angegriffen, weil ich falschliege. Ich werde angegriffen, weil ich hinter die Kulissen schaue. Das mache ich noch nicht einmal absichtlich. Das passiert mir oft aus Versehen. Der größte Teil unserer Probleme liegt an genau dem: Wir versuchen, eine Kulisse aufrechtzuerhalten. Wir wollen nicht zugeben, was tatsächlich los ist. Und falls wir darauf angesprochen werden, bauen wir eine Blockade auf und greifen im Extremfall den anderen an. So ist das nicht nur bei Coaches. So ist das im Beruf, in der Familie, bei den Eltern, bei den Kindern, bei den Geschwistern, überall, wo Menschen miteinander zu tun haben. Für mich ist es der größte Schmerz meiner Kindheit zu fühlen: "Da stimmt etwas nicht!", es aber nicht ansprechen zu können oder zu dürfen. Und falls ich es doch anspreche, zurückgewiesen zu werden. Denn ich konnte es natürlich nie so ansprechen, dass alle happy waren damit. Ich wusste auch rein faktisch nie, was genau los war. Ich wusste nur: "Hier stimmt etwas nicht." Wir nennen das dann Feinfühligkeit. Und tatsächlich haben wir das alle. Die meisten haben es nur so gut weggeschlossen, dass sie nicht mehr rankommen. Und sie haben es aus gutem Grund weggeschlossen. Denn wir leben in einer traumatisierten Welt, in der die Fassade wichtiger ist als das, was im Hintergrund tatsächlich ist. Das im Hintergrund wollen wir verschweigen und wegschließen, damit es nicht entdeckt und erkannt wird. Weder von uns noch von anderen. Das ist für mich eines der traurigsten Kapitel unseres Menschseins. Denn ohne den Versuch, uns anders darzustellen, als wir sind, wäre alles extrem einfach.