Das gute Herz ist dein Schmerz. Das gute Herz entsteht aus deinem Schmerz. Das heutige Zitat wird sehr wahrscheinlich nicht das populärste, weil es so viel Selbsterkenntnis enthält, dass es wehtut. Wir wollen die Wahrheit nicht wahrhaben, weil die Wahrheit unser gesamtes Leben in Frage stellt. Es gibt unzählige Menschen, die sich Herzensmensch nennen, die dringend helfen wollen und die die Welt retten wollen. Und es tut ihnen im Herzen weh, wenn andere nicht so sind wie sie. Meistens verachten sie auch jene, die ihrer Auffassung nach keine Herzensmenschen sind. Sie glauben, dass ihr Wunsch zu helfen, ihrem guten Herzen entspringt. Tatsächlich entspringt ihr Wunsch zu helfen dem Schmerz ihres Herzens. Sie können es nicht ertragen, wenn etwas nicht gut ist. Und sie wollen, dass es allen gut geht. So etwas kannst du dir nicht wünschen, wenn du erkannt hast, dass der Schmerz auch deine Heilung ist. Außerdem entspringt das Gute nicht nur einem Herz, das offen ist oder leidet. Das Gute kann vollkommen ohne Absicht entstehen. Wenn wir den Grund für unsere Wünsche nicht erkennen, projizieren wir unser Leid auf die Welt. Unser Ego hält an diesem Leid fest, weil es seine Existenzgrundlage ist. Es identifiziert sich mit dem Leid und mit dem Wunsch zu helfen. Und das macht es, ohne zu wissen, ob dieses Leid vielleicht notwendig ist für Entwicklung. Außerdem erkennt es nicht, dass das Leid der anderen aus der eigenen Interpretation entsteht. Es weiß gar nicht, ob die anderen leiden, denn es hat nie gefragt. Der Wunsch zu helfen ist also kein Ergebnis eines eigenen Entwicklungs- und Entdeckungsprozesses, sondern ein automatischer Reflex. Das Ego ist der Teil, der jetzt fragt: "Aber warum darf ich denn nichts Gutes in die Welt bringen?" Ich habe nicht gesagt, dass du nichts Gutes in die Welt bringen darfst. Wenn du wüsstest, wie das Gute in die Welt kommt, würdest du diese Frage nicht stellen. Das Gute kommt nicht über Schmerz in diese Welt, sondern über die Verarbeitung des eigenen Schmerzes. Ein verletztes Herz interpretiert das als Neutralität. Es ist ihm mit zu wenig Schmerz und zu wenig Liebe verbunden. Es interpretiert jeden, der unter Gefühlen nicht leidet, sofort als Narzissten. Es kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass jemand seinen Schmerz verarbeitet hat und dass es dadurch Menschen gibt, die nicht mehr aus dem Leid heraus Gutes tun wollen. Es regt sich auch tierisch über die Neutralität der anderen auf und es will nicht sehen, dass der Grund dafür im eigenen Schmerz liegt. Lieber verurteilt es auch noch den Überbringer dieser Botschaft. Und unterstellt ihm und allen anderen, die so sind, Herzlosigkeit. Es ist aber nicht Herzlosigkeit, sondern Herzschmerz-Freiheit. In dieser Freiheit wirst du ein Werkzeug des Lebens, des Guten oder wie viele sagen Gottes. Dort kommst du aber nicht hin, indem du Gott anbetest, sondern dadurch, dass du deinen Schmerz verarbeitest. Das geht aber nur, wenn du ihn erkennst. Und wenn du den Schmerz nicht als Erklärung des Guten in der Welt missbrauchst.