Der Zwang zu anonymer Solidarität zerstört deinen natürlichen Wunsch zu helfen. Der Zwang zu anonymer Solidarität zerstört die Gesellschaft, wie sie natürlicherweise entstehen würde. Denn Zwang erfordert immer ein unnatürliches Menschenbild. Das ist übrigens ein Menschenbild, wie man es immer nur von den anderen hat, aber nie von sich selbst. Alle anderen sind egoistisch. Nur ich nicht. Alle anderen sind unsozial. Nur ich bin sozial. Alle anderen müssen dazu gezwungen werden, etwas abzugeben. Nur ich gebe freiwillig. Das angeblich soziale und solidarische Weltbild ist tatsächlich vollkommen asozial. Es geht immer davon aus, dass die anderen alles falsch machen und nur ich mache es richtig. Wenn man auf diesem Missverständnis und auf dieser Fehlleitung eine Gesellschaft aufbaut, dann müssen alle zu allem gezwungen werden. Und wenn du ständig dazu gezwungen wirst, sozial und solidarisch zu sein, dann vergeht dir die Lust, es zusätzlich freiwillig zu tun. Schließlich hast du deinen erzwungenen und anonymen Sozialbeitrag bereits geleistet. Du hast zwar überhaupt keine Ahnung, wem der zugutekommt und kannst deshalb auch kein persönliches Verhältnis zu ihm aufbauen, aber du hast deine Schuldigkeit bereits getan. Außerdem kannst du ja jetzt auch gar nichts mehr geben, denn es wurde dir ja bereits zwangsweise genommen. Du hast jetzt keine große Flexibilität mehr, weil dir einfach die Mittel dazu fehlen. Gleichzeitig kann dir auch niemand dankbar sein, denn niemand weiß, dass diese Hilfe, die er gerade bekommt, von dir kommt. Dabei geht es noch nicht einmal darum, dass er sich dir gegenüber nicht erkenntlich zeigen kann und die Hilfe vielleicht auch zurückgeben kann. Er kann dir noch nicht einmal dankbar sein. Denn die Quelle, von der die Hilfe kommt, ist weitgehend anonym. Da entsteht nur selten Dankbarkeit. Außerdem entsteht so ein Abhängigkeitsverhältnis, selbst bei der Dankbarkeit, das es so in Wahrheit gar nicht gibt. Denn dem Einzigen, dem wir dann dankbar sein können, ist der Staat. Der hat aber gar nichts getan. Und der Staat verdankt es dem, dem er es zwangsweise weggenommen hat. Da gibt es auch keine Dankbarkeit. Wir wurden so erzogen, dass der Sozialstaat etwas Gutes für uns sei. Tatsächlich ist er etwas Schlechtes. Er zerstört unsere Menschlichkeit. Er zerstört die Menschlichkeit sowohl auf der Seite des Gebenden als auch auf der Seite des Empfangenden. Er verhindert das Erleben von Großzügigkeit und Dankbarkeit. Damit schafft er eine noch größere Kluft zwischen Arm und Reich. Denn jetzt haben sie gar keine Verbindung mehr. Vor allem aber haben sie keine freiwillige Verbindung mehr. Falls du dich arm fühlst, versuch dich mal in die Situation eines Reichen zu versetzen. Es wird dir zwangsweise genommen, um jemandem zu geben, den du nicht kennst, im Vergleich zu: Du entscheidest, wem du wie viel gibst. Und du machst das freiwillig. Dir werden also sogar deine positiven Gefühle genommen und durch Zwang ersetzt. Jedes System, das auf Zwang basiert, kann nicht hilfreich sein. Es fördert immer die Prämisse, von der es selbst ausgeht. Und wenn du basierend auf der Vermutung, dass alle anderen Menschen selbstsüchtig sind, nur du nicht, ein System aufbaust, dann wird dieses System genau so wie du. Und es zerstört auch bei anderen ihren natürlichen Wunsch zu helfen.