Ein einfaches Weltbild verhindert spirituelle Entwicklung. Einfache Weltbilder sind die angepassten Weltbilder. Das sind diejenigen Weltbilder, die im Verhältnis zur Obrigkeit widerspruchsfrei sind. Die sind einfach im Sinne von simpel. Und die sind einfach im Sinn von leicht. Simpel sind sie, indem die Komplexität reduziert wird. Komplexität ergibt sich zum Beispiel aus Ungereimtheiten und Widersprüchen. Es wird dann einfach so getan, als gäbe es die nicht und damit ist es simpel. Du kannst es dir leicht merken und du kannst so tun, als könntest du es sogar anderen erklären. Das geht aber natürlich nur dann, wenn der andere nicht nachfragt. Er muss also leicht zufriedenzustellen sein. Und er darf auf keinen Fall an deiner Erklärung zweifeln. Leicht sind diese Weltbilder, weil sie dir ganz einfach erklärt werden und weil diese einfachen Erklärungen so oft wiederholt werden, dass du sie dir ganz automatisch merkst. Du weißt es einfach, weil es jeder weiß. Und wenn es jeder weiß, dann kann es kaum anders sein. Denn so viele können sich schließlich nicht irren. Dabei wissen es die anderen auch nur deshalb, weil sie es sich ganz leicht merken konnten. Schließlich wurde es so oft wiederholt, dass man es sich ganz automatisch gemerkt hat. Wenn du diesen Mechanismus gut findest und auch dabei bleiben willst, kannst du dich überhaupt nicht weiterentwickeln. Denn es gibt für dich nichts zu hinterfragen und damit kann es auch nichts Neues geben. Die Realität dieser Welt ist so hinzunehmen, wie sie auf dich projiziert wird. Innerhalb dieser Projektion bekommst du sogar den Eindruck, du könntest wählen zwischen verschiedenen Meinungen und Positionen. Du kannst dabei überhaupt nicht erkennen, dass diese Positionen stark eingeschränkt sind. Du darfst dich bewegen, aber nur innerhalb eines bestimmten Spektrums. Sobald du aus diesem Spektrum herausfällst, gilst du als verrückt. Und das bist du dann auch im wahrsten Sinn des Wortes. Du bist verrückt im Verhältnis zu den anderen Positionen. Du hast deine Position verrückt. Sie ist jetzt woanders. Und damit kommen die meisten Menschen überhaupt nicht klar. Deshalb versuchen sie, dich zurückzupfeifen. Was die meisten Menschen allerdings nicht verstehen, ist, dass diese erste Verrückung nur der Beginn deiner spirituellen Reise ist. Solange du glaubst, dass diese erste Abweichung von der Norm bereits das Ziel ist, steckst du genau wie vorher schon wieder fest. Es hat sich nur deine Position ein kleines bisschen verändert. Ansonsten ist alles wie vorher. Du bewegst dich wieder in einem stark abgesteckten Rahmen. Schließlich hast du jetzt Gleichgesinnte gefunden, die der gleichen Meinung sind wie du. Würdest du deine Meinung noch einmal verändern, würdest du deine neu gewonnenen Gleichgesinnten wieder verlieren. Du glaubst immer noch, dass Verstehen und Verständnis auf der intellektuellen Ebene stattfindet. Tatsächlich ist es ein emotionaler oder energetischer Vorgang. Und je flexibler du in deinem Weltbild bist, desto mehr Verständnis hast du. Denn Flexibilität im Weltbild setzt auch Flexibilität in deinen Gefühlen voraus. Du musst bereit sein, alles zu fühlen, was diese Weltbilder in dir auslösen. Nur so kannst du dich ihnen überhaupt nähern. Und das ist der Unterschied zu rationalem Verständnis. Rational ist eingefahren. Emotional ist flexibel. Aber das musst du natürlich üben, denn am Anfang tut das ganz schön weh. Du bist es nicht gewöhnt, im emotionalen Bereich flexibel zu sein. Nur deshalb hast du dich rational festgelegt. Und nur deshalb hast du dich in einem bestimmten Rahmen bewegt und diesen nicht verlassen. Du warst unbewusst sogar froh darüber, ein einfaches Weltbild serviert zu bekommen. Da gibt es sogar einen Spruch dazu. Er geht in etwa so: "Ein klares Feindbild gibt dem Tag Struktur." Du könntest es auch so ausdrücken: "Wenn du ein einfaches Weltbild hast, dann hat dein Tag Struktur." Da gibt es dann keine Irritationen. Du lässt dich nicht durcheinanderbringen durch Widersprüche oder andere Möglichkeiten. Ein einfaches Weltbild führt dich treu und obrigkeitshörig. Es hält dich in dem Rahmen, in dem dir angeblich nicht viel passieren kann. Das ist natürlich eine Illusion, aber das entdeckst du viel zu spät. Denn es gibt niemanden, der dir Sicherheit schenken oder verkaufen kann. Genau das wird mit einfachen Weltbildern aber suggeriert. Wenn du spirituell sein willst, musst du in der Lage sein, jedes Weltbild jederzeit zu verwerfen. Denn nichts schränkt dich so sehr ein wie ein einfaches und hermetisch abgeriegeltes Weltbild. Es verführt dich, indem es dir einen sicheren Hafen vortäuscht. In diesem scheinbar sicheren Hafen wirst du immer von irgendjemand Zustimmung bekommen. Frei wirst du von dieser Illusion erst, wenn du keine Zustimmung mehr brauchst. Wenn du bereit bist, dass es alle anderen anders sehen.