Aggression ist der Versuch, die gefühlte Bedrohung zu verdrängen. Die Bedrohung fühlst du zum Beispiel als Angst im Körper. Diese Angst muss nicht durch eine reale körperliche Gefahr ausgelöst werden. Es kann zum Beispiel auch dein Selbstbild bedroht sein. Diese Bedrohung löst eine Körperempfindung aus. Manchmal nennen wir sie Angst. Wir könnten sie aber auch Verzweiflung nennen. Unser Ego sagt dazu: "Es wurde eine Grenze überschritten und deshalb müssen wir reagieren." Das sind zum Beispiel die Reaktionen der letzten vier Jahre. Würdest du dich nicht bedroht fühlen, weil du in dir stabil bist, müsstest du nicht aggressiv werden. Und nein, das bedeutet nicht, dass man mit dir tun und lassen kann, was man will. Du wirst dadurch nicht beliebig. Die Menschen können einfach nicht mehr auf dich reagieren. Du fällst durch ihr Raster. Das ist aber natürlich nur dann der Fall, wenn deine Reaktion nicht gespielt ist, sondern echt. Wenn du so tust, als würde es dich nicht berühren und tatsächlich berührt es dich sehr, dann reagieren Menschen auf das, was du verdrängst und nicht auf das, was du nach außen zeigst. Sie wissen auch gar nicht, warum sie reagieren, denn all das geschieht vollkommen unbewusst. Wir sind keine rationalen Wesen und reagieren nicht auf das, was uns gezeigt wird. Wir reagieren auf das, was wir fühlen. Und wir wissen oft gar nicht, was wir fühlen und warum wir es fühlen. Es ist meistens maximal subtil und es offenbart sich uns nicht komplett. Wir reagieren automatisch auf das Subtile und hinter den Kulissen Versteckte. Wir reagieren auf Emotionen, die noch nicht einmal dem anderen klar sind. Eine derartige Fähigkeit kannst du dir nicht erdenken. Du kannst sie rational nicht erfassen. Und selbst falls du das könntest, würde es dir nichts bringen, denn du würdest nicht anders reagieren. Nur weil du erklären kannst, warum du siehst und wie das funktioniert, dass du etwas riechst, verändert sich das Gesehene und der Geruch nicht. Du hast dann nur eine rationale Schicht über deine Erfahrung gelegt. Aber wenn du jedes Mal, wenn du etwas siehst oder etwas riechst, dir selbst erklärst, wie das funktioniert, dann bleibt kein Raum mehr für die Erfahrung. Dann bist du im Kopf gefangen. Diesen Zustand vergöttern einige und wollen sich so das Leben erklären. Das funktioniert nur dann, wenn du dich selbst mit in diese Gleichung reinnimmst. Das bedeutet, dass du alle Erklärungen erst einmal auf dich selbst anwendest. Wenn du das heutige Zitat für dich verwendest, kann es funktionieren. Es kann sein, dass du die Bedrohung plötzlich in deinem Körper fühlen kannst. Wenn du das anderen erklärst, bevor du das bei dir festgestellt und geübt hast, ist der Hinweis immer kontraproduktiv. Er führt dann zu noch mehr Aggression. Deshalb bringen Erkenntnisse, die du für andere hast, nichts. Und zwar selbst dann nicht, wenn du richtigliegst. Denn ein Rechthaber stellt meistens auch eine Bedrohung dar. Falls du die Situation positiv verändern möchtest, wäre es also angebracht, die Bedrohung zu reduzieren. Auch das geht nicht künstlich, sondern nur, wenn es echt ist. Und damit tun wir uns sehr schwer, weil auch wir uns bedroht fühlen.