Der Versuch ist die Tat. Ich versuche jetzt mal einen Audioquickie zum Thema "Der Versuch ist die Tat" aufzunehmen und damit habe ich es bereits getan. Du kannst etwas nicht versuchen. Du kannst es nur tun. Ob du es gut kannst, ist eine andere Frage. Die Beantwortung dieser Frage hängt entweder von deinem Urteil oder dem Urteil der anderen ab. Viele Menschen sagen: "Ich versuche es doch, aber ich schaffe es nicht." Und das stimmt nicht. Du machst es und du schaffst vielleicht nicht das, was du erwartest oder was andere von dir erwarten. Und deshalb empfindest du deine Tat als gescheitert und nennst sie einen Versuch. Ich nehme ein ganz einfaches Beispiel. Du kannst es auf dein Leben übertragen. Jemand empfiehlt dir, 2 Meter hoch zu springen. Dann sagst du: "Okay, ich versuche es." Sobald du es versuchst, springst du bereits. Du erreichst sehr wahrscheinlich nur das Ziel noch nicht. Du schaffst keine 2 Meter. Ob wir etwas als Versuch bewerten, hängt also stark damit zusammen, welche Ziele wir uns setzen. Und es hängt davon ab, mit welchen Ergebnissen wir uns temporär zufriedengeben. Nur weil dein erster Versuch, also deine erste Tat für dich erfolgreich war und du mit ihr zufrieden bist, bedeutet es ja nicht, dass du es nicht ein weiteres Mal machst. Menschen sagen manchmal zu mir: "Stefan, ich versuche ja meine Gedanken zu ignorieren, aber ich schaffe es nicht." Wenn ich dann nachfrage, stellt sich oft heraus, dass sie es nicht lang genug schaffen. Tatsächlich haben sie aber einen Gedanken für ein paar Sekunden ignorieren können. Ihre Aussage "Ich versuche es ja, aber ich schaffe es nicht" ist also falsch und wird im Leid geboren, weil sie höhere Ziele haben. Es spricht nichts gegen höhere Ziele. Es spricht aber auch nichts gegen ein bisschen Realismus. Wenn du 2 Meter hoch springen willst, dann fängst du halt vielleicht mal mit 1 Meter 50 an. Vielleicht musst du auch niedriger beginnen. Und ganz sicher gibt es immer Ziele, die du niemals erreichen wirst. Wenn sich der Weltmeister im Hochsprung das Ziel setzt, 4 Meter 80 hoch zu springen, dann wird er scheitern. Und zwar immer. Jedes einzelne Mal. Dann liegt es an seiner Frustrationstoleranz, ob er weitermacht. Es gibt Menschen, die können mit hochgesteckten Zielen gut umgehen. Andere wiederum zerbrechen schon an kleinen oder mittelgroßen Zielen. Sie verzweifeln, weil sie die erste Hürde nicht schaffen. Dann teilst du es dir einfach in noch kleinere Schritte ein. Vorher könntest du auch überprüfen, ob du das, was du da machst, tatsächlich auch willst. Denn die meisten unserer Ziele sind Kopfgeburten. Sie entstehen aus unserem Widerstand zum aktuellen Moment. Deshalb gibt es viele Menschen, die sich richtig dumme Ziele setzen. Ziele, die sie nie erreichen werden, weil sie den Weg überhaupt nicht genießen. Und ein Ziel, das du erreichst, ohne den Weg genossen zu haben, führt nicht dazu, dass du anschließend zufrieden bist. Der Weg zum Ziel muss dich zufriedenstellen. Auf diesem Weg gibt es keine Versuche. Alles ist bereits die Tat.