Bei einer Verarschung kann es keine Aufarbeitung geben, weil die Verarschten nicht wissen wollen, dass sie verarscht wurden. So kommt es, dass die Verarschten die Aufarbeitung nicht nur nicht wollen, sie werden sie sogar aktiv verhindern. Das Ausmaß, wie sehr wir über unsere Gefühle steuerbar sind, ist den meisten Menschen überhaupt nicht klar. Wenn wir unsere Gefühle nicht fühlen können, sind wir über unsere Gefühle steuerbar. Unsere Gefühle werden jeden Tag bewusst oder unbewusst getriggert. Bewusst oder unbewusst sowohl von den anderen als auch von uns. Manchmal machen es die anderen absichtlich. Sie triggern uns absichtlich. Sie wissen ganz genau, welchen Knopf sie drücken müssen und deshalb tun sie es. Das sind zum Beispiel Menschen, die dich gut kennen und die dir gerade nicht wohlgesonnen sind. Die provozieren dich dann absichtlich. Genauso kommt es aber auch vor, dass dich gute Freunde triggern, die gar keine böse Absicht hatten. Es war ihnen nicht einmal im Entferntesten bewusst, dass dich eine bestimmte Aussage oder ein bestimmtes Verhalten derart stören könnte. Außerdem gibt es zwei Branchen, die mir spontan einfallen, die dich absichtlich triggern. Die eine Branche ist dir sehr wahrscheinlich bewusst. Die Marketingabteilungen der Unternehmen und die Werbeagenturen. Das ist übrigens nicht grundsätzlich schlecht, wenn du deine Gefühle fühlen kannst. Denn nur dann merkst du, was du wirklich brauchst und wozu du dich verführen hast lassen. Die zweite Branche ist kaum jemandem bewusst und noch nicht einmal der Mehrzahl der Protagonisten klar. Das ist die Politik und dazu gehören auch die Medien. Und damit so viele Menschen in diesen beiden Branchen mitmachen, müssen sie an das Gute ihrer Taten glauben. Und hier schließt sich der Kreis zur Verarschung. Auch diese Menschen werden verarscht oder verarschen sich selbst. Kein Mensch will das hören, weil kein Ego bereit ist, diese Niederlage einzustecken. Wenn dir jemand sagt, dass dein gesamtes Leben auf einer Lüge basiert, dann willst du das nicht hören. Und genau so geht es allen Verarschten. Ganz egal bei welcher Aktion. Und da die meisten Menschen ihre Gefühle nicht fühlen können und wir über unsere Gefühle so leicht steuerbar sind, sind die Absichten und die Handlungen sehr durchschaubar. Und ich möchte es dir am Beispiel der Verarschung erklären. Wenn du in etwas hineingetrickst wurdest, bist du trotzdem immer noch selbst schuld. Du kannst hinterher niemandem sagen: "Aber du hast mich dazu gezwungen!" Denn rein faktisch stimmt das in den meisten Fällen nicht. Ohne Pflicht und ohne Zwang wird derjenige, der hintergangen wurde, auf sich selbst zurückgeworfen. Denn er musste mitmachen, um in etwas hineingetrickst werden zu können. Er kann sich hinterher bei niemandem beschweren. Natürlich kann er es versuchen, aber es wird keinen Erfolg haben. Solange es keinen Zwang und keine Pflicht gibt, schützt sich die Obrigkeit bewusst oder unbewusst selbst. Wenn dir das alles klar ist, dann weißt du auch, was kommt, sobald es eine Pflicht oder einen Zwang gibt. Dann bleibt es nicht ruhig hinterher. Und dann gibt es eine Aufarbeitung, die keinem gefällt. Diese Form der Aufarbeitung ist leider keine echte Aufarbeitung. Sie wird nichts verändern, außer eine Zeit lang Chaos zu verursachen. Eine Pflicht bei einer Verarschung mitzumachen, wird es also nur geben, wenn die anschließende Auflehnung gegen die Obrigkeit gewollt ist. Das ist dann zwar eine Pseudoaufarbeitung, aber sie gibt den Protagonisten das Gefühl, etwas getan zu haben. Tatsächlich tun wir unser gesamtes Leben lang nichts, weil wir unsere Gefühle nicht aufarbeiten. Würden wir das tun, wäre jede andere Form der Aufarbeitung überflüssig. Und wir könnten nicht mehr verarscht werden, weil wir jede Enttäuschung bereits gefühlt haben.