Je schlechter es dir geht, desto offener wirst du für alle möglichen und unmöglichen Möglichkeiten. Wenn dir zusätzlich die Ärzte und die Heilpraktiker und die Heiler nicht helfen können, wirst du noch offener für alle möglichen und unmöglichen Möglichkeiten. Mit diesen Möglichkeiten wirst du gleichzeitig hoffnungsvoll und in den meisten Fällen ist das ein Problem. Denn genauso häufig wirst du dadurch enttäuscht. Da die meisten Ärzte auch nicht ehrlich kommunizieren und dir nicht sagen, dass sie etwas nicht wissen, wirst du häufig vor den Kopf gestoßen und wirst immer irritierter. Wir verstehen dabei nicht, dass die Verwirrung, die Irritation und die Ohnmacht Teil des Weges sind. Würden wir diese Gefühle zulassen, wäre Krankheit tatsächlich ein Weg. Wir würden so vieles realisieren, was wir ohne Krankheit nicht realisieren können. Wir würden zum einen feststellen, dass Ärzte auch nur Menschen sind. Menschen, die das aber oft nicht zugeben wollen und deshalb versuchen, ein bestimmtes Bild von sich aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig würden wir herausfinden, dass wir in Anwesenheit von Ärzten unsicher werden. Krankheit präsentiert uns extreme Gefühle. Gefühle, die wir weiterhin versuchen zu verdrängen. Gefühle, die bei fast jedem ausgelöst werden, mit dem wir über unsere Krankheit sprechen. Jeder, der länger oder sogar chronisch krank ist, kennt das. Die Ärzte, aber auch die Menschen in Heilberufen verstehen dich nicht und schicken dich weiter. Sie sind mit ihrem Latein am Ende, wollen das aber nicht zugeben und versuchen, den Schwarzen Peter dir zuzuschieben. Das geht in extremen Fällen so weit, dass Menschen, die körperlich krank sind, in die Psychiatrie geschickt werden. Wenn du Freunden davon erzählst, dann sagen sie dir: "Ja, sie fühlen sich in letzter Zeit auch krank." Oder du bekommst den nächsten heißen Tipp: "Du solltest es doch mal mit Kurkuma probieren." Als hättest du das nicht schon ausprobiert. Und als wärst du nicht bereit, alles zu tun, nur um wieder gesund zu werden. Doch du weißt nicht, wo du anfangen sollst. Es sind zu viele Informationen. Außerdem macht er dir jede Menge Stress, denn er will ja schnell gesund werden. "Schnell gesund werden" ist nicht Krankheit als Weg zu sehen. Krankheit als Weg zu sehen, ist auch nicht zu wissen, woher die Krankheit kommt und welches psychische Problem dahintersteckt. Es bringt dir nichts, wenn dir die Zahnarzthelferin sagt: "Der Schneidezahn vorne rechts ist dein Vaterthema." Denn die Zahnarzthelferin kann dir nur das sagen, weil sie auf einer Tabelle nachgeschaut hat und damit ist sie am Ende mit ihrem Latein. Mehr weiß sie nicht dazu. Und auch der Zahnarzt weiß nicht mehr dazu. Selbst dann nicht, wenn er alternativ ausgebildet ist. Er hat sich nämlich in der Regel mit seinem eigenen Vaterthema nicht beschäftigt. Krankheit führt dich wie jede andere Erfolglosigkeit zu einem Punkt, der die ursprünglichsten Gefühle in dir hervorholt. Wir nennen diese Gefühle Verzweiflung und Ohnmacht. Das sind nur Namen für eine Körperempfindung. Die Namen sind Schall und Rauch. Die Körperempfindung ist essenziell. Um die geht es. Und sonst um nichts anderes. Alle Gedanken, die du dir machst, versuchen nur eines: diese Gefühle zu unterdrücken. Ganz egal, ob du dir denkst: "Scheiße, jetzt habe ich so viele Methoden ausprobiert und keine davon hat geholfen. Und ich habe so viel Geld dafür ausgegeben." Oder ob du dir denkst: "Scheiße, es gibt so viele tolle Methoden, die ich alle gerne ausprobieren würde. Aber ich habe kein Geld dafür." Alle diese Gedanken lenken dich von dem ab, was jetzt gerade hier ist. Und das sind Körperempfindungen, auf die du noch nie Lust hattest. Deine Heilung liegt nicht nur in der Heilung deiner Krankheit, sondern in diesen Gefühlen. Das bedeutet nicht, dass du nicht an deiner körperlichen Heilung arbeiten darfst. Ganz im Gegenteil. Das ist ein riesengroßes Abenteuer. Du lernst dadurch unfassbar viel, sowohl über dich als auch über die anderen. Und du lernst auch, dass es zwar schön ist, wenn sich jemand um dich kümmert, dass diesen Job aber im Kern nur einer übernehmen kann. Und der bist du. Du musst dich um dich selbst kümmern, vor allem um dein Innenleben. Du musst lernen, deine Gedanken und Gefühle zu beobachten. Anfangs regt dich das, was du lernst, wenn du krank bist, extrem auf. Du triffst eine Menge empathielose und inkompetente Menschen. Im Laufe der Zeit merkst du dann, dass du deine Verantwortung abgegeben hast. Und das war der Grund, warum du diese Menschen getroffen hast. Sie helfen dir, empathische und kompetente Menschen zu treffen. Die können dir helfen, aber du gibst deine Verantwortung nicht mehr ab. Und je länger du diesen Weg gehst, desto mehr feierst du es, dass du immer offener für alle möglichen und unmöglichen Möglichkeiten wirst.