Deine Sehnsüchte verraten nicht deine Gutherzigkeit, sondern deine Widerstände. Viele Menschen gehen davon aus, dass ihre Sehnsüchte ein Zeichen für ihre Warmherzigkeit und ihre edlen Absichten sind. Tatsächlich sind sie ein Zeichen dafür, dass sie sich nicht erkannt haben. Sie verstehen nicht, dass die Welt aus Narrativen aufgebaut ist und dass einige dieser Narrative sehr schmerzhaft sind für sie. Die Anwesenheit von Schmerz ist also der Auslöser für Sehnsüchte und Wünsche. Wir waren bisher nicht besonders kreativ und das ist die einzige Möglichkeit, die wir bisher gefunden haben: Hoffnung, Wünsche und Sehnsüchte. Und damit wir nicht erkennen müssen, wie verrückt das ist und wie wenig es uns hilft, interpretieren wir den Wunsch nach einer schöneren Welt als etwas Spirituelles. Tatsächlich müssten wir zugeben, dass Schmerzen der Auslöser dafür sind. Die Schmerzen entstehen nicht durch die Welt um uns herum, sondern durch die Welt in uns. Jeder Spirituelle weiß das, aber dieses Wissen wirkt sich nicht aus. Wir sind weiter durch Schmerzen im Verstand gefangen. Und so lenkt uns der Verstand auch ab. Wir arbeiten dann bereits an einer schöneren Welt um uns herum, bevor wir uns ähnlich intensiv mit unserer inneren Welt beschäftigt haben. Wenn wir uns mit unserer inneren Welt beschäftigt hätten, würde uns auffallen, dass es an der äußeren Welt gar nichts zu verbessern gibt. Stattdessen sind wir mit dieser Aussage so sehr im Widerstand, dass wir auf gar keinen Fall hinschauen wollen. Wir wollen unsere Positivität nach außen tragen, die aber gar nicht in uns ist. Denn in uns ist Schmerz. Deshalb wirkt diese Positivität auch künstlich, weil sie künstlich ist. Wenn du die Vollkommenheit tatsächlich sehen kannst, willst du überhaupt nichts mehr verbessern. Du willst auch niemanden mehr retten. Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche fallen einfach von dir ab. Das kannst du auch nicht erklären. Dafür gibt es keine Worte. Sie sind einfach nicht mehr da. Jede logische Erklärung muss im Ansatz scheitern und wird anschließend wieder missbraucht, weil der Verstand alles missbraucht. Er missbraucht ja sogar deinen Schmerz, um Sehnsüchte und Wünsche zu kreieren. Würdest du keinen Schmerz fühlen, könntest du keinen einzigen Wunsch haben. Würdest du die Welt in dir genauer untersuchen, könntest du alle Narrative außerhalb von dir und auch in dir finden. Du würdest erkennen, dass dir Angst gemacht wird. Diese Angst ist nicht neu. Die Narrative ändern sich. Aber die Gefühle, die angesprochen werden, sind immer die gleichen. Es ist dabei egal, ob es die Mainstream-Medien oder die alternativen Medien verbreitet. Die sind das Gleiche wie dein Verstand. Würde es diese Medien nicht geben, würde es dein Verstand auch schaffen, ohne diese Medien Angst auszulösen. Aber die Narrative über die Medien helfen natürlich. Sie helfen deinem Verstand das zu tun, was er seit Jahrtausenden tut. Es ist eine Endlosschleife, die sich gegenseitig füttert. Denn auch die Medien werden ja von Menschen mit Gefühlen kreiert, deren Verstand auf die Gefühle reagiert. Deine Gutherzigkeit ist der Versuch, vor deinen Gefühlen zu fliehen. Es ist ein hoffnungsloser Versuch. Er muss scheitern. Er muss scheitern, damit du erwachen kannst. Es gibt Menschen, die sich so vehement gegen dieses Scheitern wehren, dass sie es gar nicht mehr mitbekommen. Sie merken nicht, dass sie getrieben sind. Und sie können nicht sehen, dass sie von Verstand und Widerstand getrieben sind. Sie suchen ihr Heil so dringend in der Sehnsucht, dass sie das Unheil übersehen, das sie damit anrichten. Das größte Unheil, also das, was nicht heil ist, weil es nicht geheilt ist, ist in uns. Und all das nur, weil wir unseren Schmerz nicht fühlen wollen. Und so basiert unsere Gutherzigkeit nicht auf einem guten Herz, sondern auf intensivem Schmerz.