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    20.10.2024AQ 2522
    »Wo ein weinendes Kind, da sind überforderte und ohnmächtige Eltern.«
    0:006:43
    Wo ein weinendes Kind, da sind überforderte und ohnmächtige Eltern. Überall, wo ein Kind weint, werden die Eltern an ihre eigene Ohnmacht erinnert. Um dieses Problem zu lösen, verwenden sie die Blaupause ihrer Eltern. Und da die Vorlage meistens gewalttätig war, ist es auch die Kopie. Das ist kein Vorwurf, sondern die Möglichkeit für Selbsterkenntnis. Niemand macht das absichtlich. Selbst dann nicht, wenn er sich in diesem Moment denkt: "Das mache ich jetzt absichtlich." Denn ohne die Blaupause, ohne die Vorlage würde dir eine solche Reaktion überhaupt nicht zur Verfügung stehen. Sie wäre noch nicht einmal ablehnenswert, weil es sie nicht gibt und damit gibt es nichts, was du ablehnen kannst. Sobald du etwas ablehnen willst, ist es bereits in dir. Alle Eltern fühlen deshalb nicht nur die Ohnmacht, die sie selbst als Kind gefühlt haben, sondern auch die Ohnmacht ihrer Eltern. Ohnmacht ist das Gefühl, auf das alle anderen Gefühle zurückzuführen sind. Ohnmacht ist das letzte, das ultimative Gefühl. Sie ist auch die letzte, ultimative absolute Wahrheit. Wir können sie ein Leben lang verdrängen. Am Ende unseres Lebens ist sie unvermeidbar. Die meisten Menschen sind ihr gesamtes Leben damit beschäftigt, die Ohnmacht zu verdrängen. Alles, was wir tun, ist darauf ausgelegt, dass wir uns nicht ohnmächtig fühlen. Wir arbeiten, damit wir die Ohnmacht nicht fühlen müssen, wenn wir kein Geld haben. Wir suchen uns einen Partner, damit wir uns nicht ohnmächtig alleine fühlen. Und einige bekommen deshalb sogar Kinder. All das, um dann festzustellen, dass die Ohnmacht doch wiederkommt. Sie kommt über die Hintertür der Kompensation. Alles, was wir dafür tun, um die Ohnmacht zu verdrängen, sorgt dafür, dass die Ohnmacht in unser Leben kommt. Das einzige Problem dabei ist, dass wir das nicht erkennen und davon ausgehen, unser Umfeld sei der Auslöser unserer Ohnmacht. Es geht also in keinem der Bereiche, in denen wir denken, es ginge um das, was wir da tun, um das, was wir da tun. Es geht nicht um Arbeit, es geht nicht um Beziehung und es geht auch nicht um Erziehung. Es geht noch nicht einmal darum, Erziehung in Beziehung umzudeuten. Es geht darum, dass wir Ohnmacht fühlen. Wenn ein Kind nicht folgt, weil es einen eigenen Kopf hat, dann geht es darum, unsere Ohnmacht zu fühlen. Und es geht darum, zu erkennen, was wir tun, wenn wir nicht bereit sind, diese Ohnmacht zu fühlen. Da werden wir nämlich zu der Obrigkeit, die wir selbst verachten und verabscheuen. Falls wir diese Obrigkeit nicht verachten und nicht verabscheuen, sind wir so tief in uns gefangen, dass es Zeit wird, aufzuwachen. Niemand wird gerne so behandelt, wie wir Kinder behandeln. Es geht dabei nicht um einen perfektionistischen Anspruch, sondern nur um Erkenntnis. Und die wesentliche Erkenntnis ist: Es geht immer um deine Beziehung zu dir selbst, nicht zu anderen. Die anderen vermitteln dir nur den Eindruck, als ginge es um andere. Tatsächlich geschieht das alles in dir. Wenn dein Kind nicht gehorcht oder wenn es nicht das macht, was du gerne hättest, dann fühlst du Ohnmacht. Wenn du die Ohnmacht nicht fühlen willst, fühlst du Wut. Wenn du die Wut nicht fühlen willst, fühlst du irgendwann Hass. All das ist in dir. Es ist deine Ohnmacht, deine Wut, dein Hass. Diese Gefühle haben mit deinem Kind nichts zu tun. Alle Strategien, die du entwickelst, um deine Ohnmacht, deine Wut und deinen Hass nicht zu fühlen, sind Verdrängungsstrategien. Wir nennen das dann Erziehung. Und wir verstehen nicht, dass wir nur erziehen, um zu verdrängen. Und wir verdrängen nur deshalb, weil wir uns an unsere eigene Kindheit nicht erinnern. Und wir erinnern uns nicht, weil wir uns nicht erinnern wollen. Es war zu schmerzhaft. So wird Trauma weitergegeben von einer Generation zur nächsten. Ein weinendes Kind und ohnmächtige Eltern sind also ein Zeichen für Traumaweitergabe.