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    13.10.2024AQ 2515
    »Mit dem Versuch, den Schmerz zu verdrängen, erschaffst du ihn.«
    0:005:48
    Mit dem Versuch, den Schmerz zu verdrängen, erschaffst du ihn. Alle unsere Problemlösungsstrategien sind darauf ausgelegt, den Schmerz zu verdrängen. Dadurch nehmen wir ihn nicht wahr und er kommt immer wieder. Durch den Versuch der Verdrängung erschaffen wir ihn immer wieder neu. Unser Versuch, die Probleme zu lösen, sorgt für Probleme. Um die Probleme wirklich lösen zu können, müsste uns erst einmal klar werden, dass wir Schmerzen fühlen und dass wir diese Schmerzen verdrängen wollen. Außerdem müsste uns klar werden, dass diese Schmerzen nicht gegen uns gerichtet sind und wir müssten lernen, Schmerzen wahrzunehmen. Dazu müssten wir einen Automatismus deaktivieren. Und der Automatismus ist die unbewusste Verdrängung. Dieser Schritt ist der schwierigste, denn er ist dir erstens nicht bewusst und zweitens kann dir niemand von außen helfen, weil es dir selbst auffallen muss. Und wie kann dir etwas auffallen, was unbewusst ist und was du verdrängst? Es gibt aber eine Möglichkeit. Es gibt etwas, das dich daran erinnert. Verrückterweise ist das, was dich daran erinnert, das, was du als Problem bezeichnest. Dein Schmerz erinnert dich daran. Und das ist der Teil, den niemand hören will. Lieber probieren wir alles Mögliche und Unmögliche aus, um den Schmerz weiterhin verdrängen zu können. Wir halten auch lieber diejenigen, die uns auf den Schmerz hinweisen, für depressiv und pessimistisch, als uns jemals dem Schmerz zuzuwenden. Wir vergöttern diejenigen, die uns einen Ausweg aus dem Schmerz versprechen. Wir verehren diejenigen, die es uns ermöglichen, den Schmerz weiterhin zu verdrängen. Wir sind ihnen endlos dankbar dafür, dass wir unser Ego nicht konfrontieren müssen. Wir wollen den Schmerz einfach nicht fühlen. Jeder, der uns Verdrängung ermöglicht, wird von uns bevorzugt. Ganz egal, wie du dein Problem nennst, ob du dazu Depression sagst, Midlife Crisis, die Frage nach dem Sinn des Lebens, die Suche nach deiner Berufung, dem idealen Partner: Jedes einzelne Problem läuft darauf hinaus, dass du dich vom Kern deines Problems ablenkst. Die Probleme sind also dazu da, um dich von deinem Kernproblem fernzuhalten. Und der Kern eines Problems ist immer das, was jetzt gerade hier ist. Könntest du das wahrnehmen, würden alle anderen Probleme verschwinden. Sie würden verschwinden, weil das, was sie sind, ist ausgedacht. Sie sind Probleme, die du verwendet hast, um dein Kernproblem zu verdrängen. Du hast sie erfunden, um über etwas Hypothetisches nachdenken zu können und während du nachdenkst, verdrängst du das, was jetzt hier ist. Das klingt nur so lange theoretisch, bis du es machst. Wenn du das wahrnimmst, was jetzt hier ist und was du durch Gedanken verdrängen willst, erschließt sich ein vollkommen neues Leben. Dann ist das, was ich sage, keine nette Philosophie und kein schöner Spruch am Morgen, sondern deine gelebte Praxis. Die ist vielleicht nicht einfach und auch eine Zeit lang ziemlich schmerzhaft, aber immerhin erschaffst du keinen neuen Schmerz durch die Verdrängung dessen, was jetzt gerade hier ist. Du verschiebst den jetzigen Moment nicht mehr in die Zukunft, sondern nimmst ihn so wahr, wie er wirklich ist. Und damit beendest du jegliche Verdrängung. So fühlst du deinen Schmerz das erste Mal, statt ihn immer wieder neu zu erschaffen.