Der Theoretiker denkt, er muss wissen, um machen zu können. Der Praktiker weiß, er muss machen, um zu wissen. Der Praktiker weiß das aus eigener Erfahrung. Der Theoretiker weiß das nicht. Er denkt nur, dass er es weiß. Er weiß es aber theoretisch und nicht aus der Praxis. Ein Theoretiker überprüft seine eigene Praxis nicht. Er lebt, ohne es mitzubekommen. Das ist kein Vorwurf, sondern die Definition von Theoretiker. Der Theoretiker lebt und denkt darüber nach. Durch dieses Nachdenken zieht er eine zweite Ebene in sein Leben ein. Das ist die theoretische Ebene, auf der Leben nicht stattfindet. Aber diese Ebene hält den Theoretiker davon ab, mitzubekommen, wie es jetzt gerade ist. Es gibt keinen einzigen erfolgreichen Theoretiker auf dieser Welt. Jeder erfolgreiche Mensch macht irgendetwas in der Praxis. Dabei geht es nicht darum, dass dieses Machen anstrengend sein muss. Es geht darum, dass es praktisch ist. Der Theoretiker unterliegt einem großen Irrtum. Er glaubt, er könne das Leben durchdenken. Er ist überzeugt davon, dass er Probleme dadurch lösen kann, indem er möglichst lange über sie nachdenkt. Jeder, der länger als 20 Jahre hier ist, sollte herausgefunden haben, dass das nicht der Fall ist. Tatsächlich haben das aber auch diejenigen, die bereits 50 oder 60 Jahre hier sind, noch nicht herausgefunden. Sie sind fest davon überzeugt, dass ihnen möglichst langes Nachdenken hilft. Und das, obwohl sie bereits ihr gesamtes Leben lang das Gegenteil erfahren. Wenn du willst, dass sich etwas verändert, dann geschieht das nur, indem du etwas veränderst. Du musst irgendetwas anders machen als bisher. Und obwohl das die Voraussetzung dafür ist, dass sich potenziell etwas verändern kann, gibt es überhaupt keine Garantie dafür. Du kannst 1000 Dinge verändern und trotzdem verändert sich nichts. Und irgendwann veränderst du dann mal eine Kleinigkeit und plötzlich verändert sich alles. Einige Menschen denken dann, sie hätten eine Methode gefunden. Tatsächlich haben sie einfach nur nicht aufgegeben. Der Theoretiker hat noch nie angefangen. Er scheut den Beginn, weil er noch nicht genügend Informationen hat. Er ist überzeugt davon, dass er durch das Sammeln von Informationen die Praxis bestimmen kann. Der Praktiker weiß, weil er es bereits erfahren hat, dass er durch die Praxis Informationen sammelt. Die meisten Theoretiker sind auch Perfektionisten, ohne dass sie es wissen. Sie würden sich selbst nie so einschätzen. Aber sie würden sich niemals trauen, mit zu wenigen Informationen etwas zu unternehmen. Deshalb zieht sich das auch durch die gesamte Gesellschaft. Alle wollen dich warnen und aufklären. Sie wollen dir dringend mitteilen, welche Gefahren auf dich lauern. Hätte Reinhold Messner den Vortrag eines Theoretikers gehört, wäre er nie losgegangen. Denn zu viel war unbekannt und unbedacht. Es gab viel zu viel Unbekanntes. Die Praxis ist immer gefährlich. Allerdings nur für den Theoretiker. Für den Praktiker ist sie das Leben und durch keine Theorie zu ersetzen.