Macht wird durch Trauma aufrechterhalten. Wenn du Macht ausüben willst, dann darfst du nichts mehr fühlen. Zum einen, weil du damit deine Ohnmacht verdrängen möchtest. Die Ausübung von Macht ist also ein Verdrängungsmechanismus, der deine Gefühle unterdrückt. Zum anderen darfst du nichts mehr fühlen, weil du sonst mitbekommen würdest, wie unangenehm es für die Betroffenen ist, dass du Macht über sie ausübst. Um Macht ausüben zu können, musst du also traumatisiert sein. Deine Gefühle müssen abgeschaltet werden. Und je extremer die Macht, desto ohnmächtiger und gefühlloser muss dein Trauma sein. Am einfachsten ist das bei der Erziehung von Kindern zu beobachten. Viele Eltern üben Macht über Kinder aus und den meisten ist das überhaupt nicht klar. Sie empfinden das auch als Vorwurf und wollen das überhaupt nicht auf sich sitzen lassen. Tatsächlich sind die Eltern selbst ohnmächtig und traumatisiert. Ihre Gefühle sind abgeschaltet. Sie können sich nicht in das Kind hineinversetzen. Und um mögliche aufkommende Gefühle zu unterdrücken, üben sie Macht aus. Entweder verbieten sie etwas oder sie schreien das Kind an oder sie schlagen das Kind. Und so wird das eigene Trauma durch die Ausübung von Macht an die Kinder weitergegeben. Und obwohl es Eltern gibt, die der Meinung sind, dass sie sich ganz bewusst für diese Art der Machtausübung entscheiden, ist der gesamte Vorgang vollkommen unbewusst. Den Eltern sind nämlich die Vorgänge in ihnen nicht klar. Sie haben sich selbst nie untersucht, warum sie überhaupt wütend werden und warum sie deshalb der Meinung sind, dass sie das Kind zurechtweisen müssen. Ganz egal, auf welche Art. Falls du Mutter oder Vater bist und dich jetzt gleich überfordert fühlst! Ich habe nicht gesagt, dass das ein einfacher Prozess ist. Ganz im Gegenteil. Ich sehe das als den schwierigsten Prozess des gesamten Lebens. Es ist die größte Herausforderung und deshalb auch die größte Chance. Jeder, der diese Herausforderung mit einem Anspruch an Perfektion angeht, hat schon verloren. Es kann nicht darum gehen, es richtig und perfekt zu machen. Es kann nur darum gehen, die Herausforderung wieder und wieder anzunehmen. Bereit sein zu versagen und in das Gefühl hineinzusterben, das aufkommt, wenn dich dein Kind triggert. Und auch wenn es dir alle anderen Coaches und Lehrer anders suggerieren. Es geht nicht darum, dass du nie wieder versagen darfst. Es gibt auch überhaupt niemanden, der bei diesem Prozess nicht versagt hat. Es geht auch nicht darum, die Eltern schlecht zu machen. Und es geht noch nicht einmal darum, die besonders Mächtigen schlecht zu machen. Denn die müssen die Traumatisiertesten sein. Es gibt also einen Grund, warum du in diesen Kreisen von immensen Gräueltaten hörst. So wird das Trauma weitergegeben und so bleibt die Macht in den Händen derer, die am traumatisiertesten sind. Da wir alle im gleichen Boot sitzen, hat es keinen Wert, wenn wir mit dem Finger auf die Traumatisiertesten zeigen. Wir müssen stattdessen bei uns selbst anfangen. Dort können wir tatsächlich etwas verändern. Und diese Veränderung geschieht nicht dadurch, dass wir uns verbieten, auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln. Die Veränderung tritt dadurch ein, dass wir uns als Erstes unserer Handlung bewusst werden. Im zweiten Schritt können wir dann untersuchen, welche Gedanken und Impulse zu dieser Handlung geführt haben. Und im dritten Schritt erkennen wir dann den tatsächlichen Grund. Wir entdecken die Körperempfindungen, die zu den Gedanken und Impulsen geführt haben. Die Ausübung von Macht basiert immer auf Verdrängung. Und auch wenn es anders behauptet wird: Es wurde noch nie Macht bewusst ausgeübt. Denn Bewusstsein führt immer dazu, dass dir dein eigenes Trauma klar wird. Und sobald dir dein Trauma bewusst ist, tauchen alle Gefühle auf, die du damit verdrängt hast. Wenn du diese Körperempfindungen wahrnimmst, entsteht echtes Bewusstsein. Die Ohnmacht verschwindet und es entsteht echte Stärke. Wenn du stark bist, musst du keine Macht mehr ausüben. Und wenn du keine Macht mehr ausübst, verlieren andere ebenfalls ihre Macht über dich.