»Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten.« Johann Wolfgang von Goethe Das ist wieder so ein Zitat derer, die vor uns waren und die es auch bereits alles wussten. Komischerweise können wir es von denen oft einfacher annehmen. Das liegt an der Distanz. Wir finden den Inhalt zwar gut, aber wir haben irgendwie das Gefühl, dass wir es nicht anwenden müssen, was er sagt. Wenn es uns dagegen jemand sagt, der aktuell lebt, dann bekommen wir ja fast den Eindruck, wir müssten uns danach richten. Und das fällt uns schwer. Bei diesem Zitat kannst du statt Gesetze auch das Wort Umstände verwenden. Also: "Wer sich den Umständen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten." Wenn das Goethe sagt, dann hängen wir es uns als Kalenderspruch an die Wand und finden ihn schön. Dieser Kalenderspruch hängt immer an der gleichen Wand, während wir uns über die Gesetze und Umstände in der Gegend beschweren, in der wir leben. Es ist schön, wenn jemand etwas Berührendes sagt und wir uns deshalb gut fühlen. Aber es hilft uns nur sehr kurz. Denn das, was gemeint ist, leben wir nicht. Doch erst wenn wir es leben, verstehen wir, was tatsächlich gemeint ist. Wir dagegen hätten das Leben gerne ohne dieses komische Erleben. Da müsste man ja Neues lernen und man müsste etwas anders machen als bisher. Und Gott bewahre! Man müsste vielleicht umziehen. Menschen, die glauben, dass Wahlen etwas bringen, kennen ihre wahren Wahlen noch nicht, ihre tatsächlichen Wahlmöglichkeiten. Jede einzelne dieser Wahlmöglichkeiten, die jeder Mensch hat, macht einen unfassbar größeren Unterschied als eine Wahl. Und ja, natürlich werden die Wahlmöglichkeiten immer mehr eingeschränkt. Zumindest bekommen wir diesen Eindruck. Doch zu jeder Bewegung gibt es immer die Gegenbewegung. Und diejenigen, die behaupten, dass immer alles schlimmer wird, können nur die Gegenbewegung nicht erkennen. Sie können sie noch nicht einmal dann erkennen, wenn man sie ihnen zeigt. Denn sie finden auch den Fehler in der Gegenbewegung. Diese Gegenbewegungen sind nicht das, was wir denken. Das sind keine Petitionen, Demonstrationen, neue Gruppierungen. Das sind echte Wahlmöglichkeiten. Und die gibt es. Und es gibt nicht nur die. Es gibt auch Graubereiche. Und es gibt die Bereiche, in denen die künstliche Moral in uns aufschreit. Aber nur deshalb, weil wir programmiert sind und unsere uns selbst innewohnende Moral überhaupt nicht kennen. Alles wird mit Angst gesteuert. Da sich genügend Menschen an der Angst orientieren, genügt das immer, um 70 bis 90 % der Menschen zu erreichen. Das, was Goethe schreibt, macht den meisten Menschen Angst. Und das in der heutigen Zeit! Wenn es stimmt, was ich nicht überprüfen kann, dann musste Goethe noch die Pferdekutsche nehmen. Du kannst laufen, Fahrrad fahren, Motorrad fahren, Auto fahren, fliegen, segeln, Schiff fahren und so weiter. Doch viele wählen aufgrund von Angst, dass sie einfach dort bleiben, wo es ihnen nicht gefällt oder wo sie sich zumindest über viele Umstände beschweren. Und so lesen wir diese Zitate und lassen sie an uns vorbeiziehen. Wir glauben nicht, dass in ihnen eine realistische Handlungsmöglichkeit liegt. Wir lehnen die Lösung in diesem Zitat noch nicht einmal ab. Wir sind einfach sicher, dass es nicht geht. Und dadurch manifestiert es sich in unserem Leben. Wir könnten es versuchen, auf die Gefahr hin zu scheitern. Scheitern gehört dazu. Scheitern ist der wesentliche Teil von Lernen. Ohne Scheitern gibt es kein Lernen. Um Goethes Zitat komplett zu verallgemeinern, kannst du es folgendermaßen lesen: "Wer sich den Umständen nicht fügen will, muss die Umstände verlassen."