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    24.9.2024AQ 2496
    »Der Wunsch, ein guter Mensch zu sein und die Überzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen, sind die wesentlichen Mechanismen von Faschismus.«
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    Der Wunsch, ein guter Mensch zu sein und die Überzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen, sind die wesentlichen Mechanismen von Faschismus. Wenn du ein guter Mensch sein willst, dann gibt es eine Abkürzung. Sei kein Arschloch! Sache erledigt. Du musst nicht versuchen, extra gut zu sein. Du musst noch nicht einmal ständig gute Taten tun. Dieser Wunsch, ein guter Mensch zu sein, hat vollkommen konträre Auswirkungen. Du merkst dabei gar nicht, dass es dir überhaupt nicht darum geht, ein guter Mensch zu sein. Es geht dir darum, in den Augen der anderen ein guter Mensch zu sein. Und das ist ein wesentlicher Unterschied. Denn die anderen und die Meinung der anderen sind in erster Linie eine Vorstellung in dir. Das bedeutet, du interpretierst, was die anderen denken, was ein guter Mensch ist, wie sich ein guter Mensch verhält und was ein guter Mensch sagt. Das bringt dich vollkommen weg davon, tatsächlich ein guter Mensch zu sein. Und es macht dich unfassbar manipulierbar. Du wirst das berühmte Fähnchen im Wind. Und während du ein Fähnchen im Wind bist, wirst du wieder einmal nicht glücklich. Der zweite Mechanismus ist noch fataler. Denn wenn du dich an deinen Fantasien, also an dem, was du denkst, das andere gut finden oder auch tatsächlich an anderen orientierst, dann darfst du da nicht unsicher sein. Du musst überzeugt davon sein, dass das das Richtige ist. Und diese Überzeugung musst du dann auch verteidigen. Und zwar sowohl dir selbst als auch anderen gegenüber. Und so wirst du zu einem Kämpfer, der die höchste Moral für sich gepachtet hat. Das ist aber keine echte Moral. Das ist seelenlose Moral, weil du dich nicht an deiner Seele, sondern an den anderen orientierst. Es geht dir die ganze Zeit um den nach außen präsentierbaren Effekt. Erst dann, wenn es dir nicht mehr darum geht, wie du nach außen erscheinst, kannst du dich an deiner dir innewohnenden Moral orientieren. Und die kommt von deiner Seele. Die will von niemandem bestätigt werden und die macht alles nur für sich. Die macht das, weil es sich richtig anfühlt und nicht, weil sie dafür bewundert oder wenigstens gelobt wird. Es gibt nichts Gefährlicheres als durch externe Moral steuerbare Menschen. Jede Massenpsychose funktioniert darüber. Durch externe Moral gibt jeder seine Verantwortung ab, denn er orientiert sich halt daran, was die anderen richtig finden. Damit macht er sich zum Objekt. Er tut so, als bräuchte er Hinweise im Bereich der Moral von außen, als hätte er kein subjektives Empfinden dafür. Zu allem Überfluss arbeiten viele dann auch noch mit einem schlechten Gewissen. Und dann sind wir auch dafür noch empfänglich. Es ist ein bisschen wie das Beispiel mit den Veganern. Da erkennt jemand, dass er keine Tiere töten will. Dann hört er auf, Fleisch zu essen. Dann hört er auf, tierische Produkte zu essen. Und kaum macht er das drei Wochen, will er alle anderen bekehren. Das ist hochgradig ignorant. Wären wir in der Lage, unseren eigenen Weg zu betrachten, dann müsste uns da etwas auffallen. Dann müsste uns klar werden, ganz egal bei welchem Thema: "Okay, ich habe ja auch 20, 30, 40, vielleicht sogar 50 Jahre gebraucht, bis ich diese Erkenntnis hatte. Mit welcher Überheblichkeit muss ich unterwegs sein, wenn ich diese Zeit allen anderen nicht zugestehe?" Diese Beispiele gibt es im Bereich der Spiritualität auch. Da gibt es Menschen, die behaupten, erleuchtet zu sein und sie geben auch Satsang, um dir den Weg zur Erleuchtung zu ermöglichen. Und nach ein paar Jahren korrigieren sie sich und sagen: "Das war vielleicht gar nicht Erleuchtung, sondern mir ist da sehr wahrscheinlich Jesus begegnet." Und die sind jetzt dann plötzlich bibeltreue Christen. Und in dem Moment, in dem sie das werden, wollen sie dich auch davon überzeugen. Sorry, aber es muss hier um etwas anderes gehen. Dieses Überzeugungsspiel ist zu primitiv. Und das kann auch jedem auffallen, der länger als 10 Jahre hier ist und der ein bisschen Erfahrung hat. Man muss natürlich Lust haben, sich selbst zu beobachten und sich selbst zu reflektieren. Nicht durch Denken, sondern indem man bereit ist, genau hinzuschauen. Die meisten sind ihrem Verstand aber so verfallen, dass sie das nicht sehen können und auch nicht sehen wollen. Wir sind dann lieber Faschisten. Wir wollen den Weg anderer abkürzen, der bei uns 30 Jahre gedauert hat. Und das können wir noch nicht einmal reflektieren. Ich weiß, dass ich deinen Weg nicht abkürzen kann. Und wenn ich es könnte, dann dürfte ich es nicht. Denn darum kann es gar nicht gehen. Dann wäre ja derjenige der Erfolgreichste, der am schnellsten lebt. Wir müssten eine Art Zeitraffer-Leben erfinden. Aber wir haben genau die Zeit, die wir haben. Und die Zeit vergeht auch genau so schnell, wie sie vergeht. Und dein Weg dauert genau so lange, wie er dauert. Wozu ich dich aber ermutigen kann, ist deinen Weg bewusst zu gehen. Und nicht für die anderen, sondern für dich. Dann musst du dich auch nie wieder an anderen orientieren. Dann brauchst du nie wieder ihre Bestätigung. Und dann läufst du nie wieder Gefahr, faschistisch zu sein.