»Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben.« Hermann Hesse Das komplette Zitat lautet folgendermaßen: "Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben. Darum leben die meisten Menschen so unwirklich, weil sie die Bilder außerhalb für das Wirkliche halten und ihre eigene Welt in sich gar nicht zu Wort kommen lassen. Man kann glücklich damit sein, aber wenn man einmal das andere weiß, dann hat man die Wahl nicht mehr, den Weg der meisten zu gehen." Es ist erstaunlich, was diejenigen wussten, die vor uns waren. Wir gehen von unserem Fortschritt aus. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die vor uns weit vor uns waren. Heutzutage streiten sich selbst spirituelle Menschen darüber, ob es eine Wirklichkeit außerhalb von ihnen gibt. Sie intellektualisieren diesen Streit und fragen dich: "Steht hier ein Stuhl oder steht hier kein Stuhl?" "Gibt es diese objektive Wahrheit oder gibt es sie nicht?" Und dabei verkennen sie komplett den Kern dieser Aussage. Natürlich können wir uns darauf einigen, dass da ein Stuhl steht, wenn da einer steht. Das ist das, worauf sich Armadas von Intellektuellen einigen können. Was für eine Errungenschaft! Der Kern dieser Aussage ist aber ein ganz anderer. Jeder reagiert auf diesen Stuhl anders. Jeder fühlt sich mit diesem Stuhl vollkommen anders, weil die Realität in uns und gefühlt interpretiert wird und nicht objektiv aufgrund äußerer Umstände. Es kann sein, dass da ein blauer Stuhl steht und der erinnert mich an einen Stuhl bei meiner Großmutter. Und vielleicht war meine Großmutter nicht die freundlichste. Dann habe ich bei diesem Stuhl vollkommen andere Gefühle als du. Und es kann sein, da steht ein weißer Stuhl. Und auf diesem weißen Stuhl saß dein Vater, als er dich mit dem Gürtel geschlagen hat. Dieser weiße Stuhl ist für dich eine vollkommen andere Realität als für mich. Die äußere Realität ist nicht entscheidend. Es gibt nur die Wirklichkeit, die wir in uns haben. Deshalb geht es bei meiner Lehre so sehr um die praktische Erfahrung. Denn selbst die Welt der Theorie wirkt auf jeden anders. Die Welt der Theorie wird meistens über Worte und vielleicht auch Bilder vermittelt. Und selbst bei Worten hast du eine andere innere Erfahrung als alle anderen. Und jede andere Erfahrung ist von deiner verschieden. Und diese Erfahrungen sind auch untereinander verschieden. Das bedeutet, selbst wenn es die Welt objektiv gibt, sie wird in dir verarbeitet und sie wird von jedem anders verarbeitet. Es hat deshalb gar keinen Wert, wenn wir uns auf eine objektiv vorhandene Welt einigen können. Denn jeder von uns fühlt sie anders. Ich habe noch ein schönes Beispiel dafür. Ich habe in den letzten Tagen einen Vortrag von einem Professor zum Thema Bitcoin angeschaut. Und dieser Professor stellt verschiedene Szenarien vor, wie sich Bitcoin und das Geldsystem entwickeln könnten. Im Wesentlichen sind das drei Szenarien. Bitcoin verschwindet wieder. Bitcoin hält sich irgendwo in der Mitte auf und wird eine Anlageklasse. Und Bitcoin übernimmt das komplette Geldsystem. Ich konnte den Vortrag nicht zu Ende schauen. Erstens, weil das alles spekulativ ist. Ich kann es nicht wissen. Der Professor kann es nicht wissen. Wir alle können es nicht wissen. Und dann habe ich mir einen kleinen Spaß erlaubt. Ich habe das Wort Bitcoin durch E-Mail ersetzt. Und ich habe mich daran erinnert, dass es ein Gerücht gab, vielleicht war es sogar wahr, dass die Deutsche Post der Meinung war, dass sie der größte E-Mail-Anbieter sein müsste. Und ich habe mich daran erinnert, dass es 1995 keine Sau interessiert hat, dass ich eine E-Mail-Adresse habe. Ich dachte damals, ich sei spät dran. Fünf Jahre später konnte ich die E-Mail-Adresse schon nutzen. Weitere fünf Jahre später wurde ich nach meiner E-Mail-Adresse gefragt. Und weitere fünf Jahre später war eine E-Mail-Adresse vollkommen selbstverständlich. Wir interessieren uns nur deshalb für die Theorie, weil wir keine Praktiker sind und weil wir nicht vertrauen. Besser gesagt, weil wir unfassbar skeptisch sind. Die Skepsis ist der Grund, warum so viele Lehrer sagen: "Wir müssen lernen zu vertrauen." Wenn du nicht skeptisch bist und wenn du praktisch orientiert bist, dann musst du nicht vertrauen. Denn du setzt es ja bereits um. Du setzt es um auf die Gefahr hin, dass du falschliegst. Und das kann sich ein Deutscher kaum vorstellen! Die Theorie verhindert unsere Praxis. Wir schwelgen lieber in Nostalgie, als jetzt praktisch etwas auszuprobieren. Wir rechnen uns aus, wie reich wir wären, wenn wir Bitcoin 2010 gekauft hätten. Am besten 1.000 Stück, als einer einen Euro gekostet hat. Gleichzeitig denken wir: "Jetzt sind wir bereits zu spät dran." Und wir verstehen nicht, dass uns 2010 alle für vollkommen verrückt gehalten hätten und dass wir es deshalb niemals getan hätten. Wir hätten keine Bitcoin gekauft. Aufgrund der Theorie der anderen, die uns dafür verurteilen. Die meisten haben keinerlei oder viel zu wenig praktische Erfahrung. Reden aber, als hätten sie welche. Sie warnen dich vor den Gefahren, die alle theoretisch sind. Und diese theoretischen Gefahren sind unsere Wirklichkeit in uns. Die sind nicht real, die sind vorgestellt. Und wir stellen sie vor alles, was sich uns anbietet. Nur weil wir nicht versagen wollen, ohne dass wir davon überhaupt eine vernünftige Definition hätten. Als wüssten wir, dass der Verlust von Geld das Schlimmste sei, was uns passieren kann! Die meisten Unternehmer wissen, dass es das Beste war, was ihnen passiert ist. Um die Wirklichkeit zu entlarven, die wir in uns haben.