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    18.9.2024AQ 2490
    »Die Anwesenheit eines Beobachters verändert dein Verhalten.«
    0:005:40
    Die Anwesenheit eines Beobachters verändert dein Verhalten. Und die Anwesenheit einer Kamera verändert dein Verhalten noch mehr. Wenn also Influencer behaupten, sie seien authentisch, dann haben sie keine Ahnung, wovon sie sprechen. Es gibt nur wenige Menschen, die in Anwesenheit einer Kamera authentisch bleiben können. Dazu musst du den Beobachter komplett ignorieren können. Eine Kamera wirkt bei den meisten Menschen stärker als ein Beobachter. Denn die Kamera ist ein vorgestellter Beobachter. Sie ist die Idee eines Beobachters und damit noch stärker von dir abhängig als vom Beobachter. Ihre Auswirkung hängt davon ab, was du in die Kamera hineininterpretierst. Und vor allem, wen du dir als Zuschauer vorstellst. Ich erlebe das auch in meinen Retreats. Es gibt Teilnehmer, die trauen sich nicht, vor anderen Teilnehmern vollkommen offen und ehrlich zu sein. Sie kennen diese Teilnehmer aber überhaupt nicht persönlich. Das bedeutet, sie müssen in diese Teilnehmer etwas hineininterpretieren. Etwas, das dort sein kann, aber nicht sein muss. Und in den meisten Fällen interpretieren wir unsere eigenen Dämonen in die anderen hinein. Wir haben von den anderen diejenigen Vorstellungen, die uns Angst machen. Das sind also gar nicht die anderen, sondern unsere Vorstellungen von den anderen. Die Anwesenheit eines Beobachters verändert dein Verhalten so lange, bis der ultimative Beobachter erscheint. Der ultimative Beobachter ist verrückterweise kein externer. Der ultimative Beobachter bist du. Wenn du dich selbst beobachtest, müssen das andere nicht mehr für dich tun. Dann musst du auch nichts mehr in andere hineininterpretieren. Du musst dir nicht mehr vorstellen, was sie bei dir beobachten, weil du ja bei dir beobachtest. Im Idealfall beobachtest du nicht aus der Position eines Richters oder Anklägers. Idealerweise beobachtest du einfach nur. Das bedeutet, du beobachtest, ohne dass sich etwas verändern muss. Ich möchte dir das am Beispiel des heutigen Zitats erklären. Es ist nämlich entstanden, weil es mir bei mir selbst aufgefallen ist. Ich war die letzten Wochen auf Reisen und zwischendurch hätte ich diese Reise gerne dokumentiert. Und als ich diese Idee der Dokumentation meiner Reise hatte, wurde mir jedes Mal klar, dass die Dokumentation das Ergebnis verfälschen würde. Und zwar sowohl bei anderen, also bei den Menschen, die ich treffe, als auch bei mir. Diese Erkenntnis sorgt bei mir aber nicht für einen Perfektionsanspruch. Ich möchte das nicht dringend ändern und ich muss es auch gar nicht ändern. Denn die Erkenntnis selbst ist bereits die Veränderung. Und wenn ich etwas weiß und mir etwas so klar wird wie bei diesem Zitat, dann will ich auch gar nicht, dass es sich verändert. Dann dokumentiere ich meine Reise eben nicht. Mein authentisches Erleben ist mir wichtiger als ein öffentlicher Effekt. Und ich kann mir alle Zeit der Welt nehmen, um den Beobachter in mir zu entwickeln. Sobald der vollkommen präsent ist, kann sich eine Dokumentation von ganz alleine ergeben. Ich muss das nicht forcieren. Denn der Inhalt meines Lebens ist in erster Linie nicht für irgendwelche Zuschauer, sondern für mich. Ich muss es verarbeiten. Ich muss damit klarkommen. Wie ich dadurch in der Öffentlichkeit erscheine, muss mir egal sein. Denn sonst verändern die vorgestellten öffentlichen Beobachter meine Botschaft und meine Lehre. Und das wäre das Allerletzte.