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    14.9.2024AQ 2486
    »Emotionaler Tiefgang ist eine Fehlinterpretation von Trauma.«
    0:006:41
    Emotionaler Tiefgang ist eine Fehlinterpretation von Trauma. Wenn Menschen davon sprechen, dass sie sehr emotional sind oder dass sie sehr viel emotionalen Tiefgang haben, dann wollen sie meistens das immense Ausmaß ihres Leids und ihrer Schmerzen zum Ausdruck bringen. Es kann natürlich trotzdem sein, dass sie großen emotionalen Tiefgang haben, doch der liegt unter den Schmerzen beziehungsweise dem Trauma vergraben. Der Tiefgang, der auch Hochsensibilität oder Feinfühligkeit genannt wird, ist aber natürlich auch der Grund für Trauma. Denn nur weil wir so feinfühlig sind, können wir derart verletzt werden. Und nur weil wir so verletzt wurden, fragen wir uns, was das hier soll und warum wir im falschen Film sind. Wir können uns auch kaum vorstellen, wie andere das Gleiche oder etwas Ähnliches wie wir erleben können, ohne zu leiden. Alleine der Grad ihrer Anpassung ist schon schmerzhaft für uns. So gesehen leiden wir doppelt. Einmal durch den Schmerz selbst, den wir fühlen, wenn wir so behandelt werden, wie wir es als schmerzhaft empfinden. Und zum anderen durch die quälende Frage, wie das die anderen schaffen und wie wir es jemals schaffen sollen, damit umzugehen. Wir haben keine Vorbilder, denn die sind ja auch hochsensibel. Und die ziehen sich entweder zurück und wir können sie nicht treffen. Oder sie treten als Rebellen auf, die scheinbar nicht hochsensibel sind. Doch das ist unsere Fehleinschätzung. Und auch viele, die stabil wirken, sind es tatsächlich nicht. Viele Menschen sagen: "Ich fühle so viel." Und sie meinen damit meistens: "Ich leide so viel." Das Leid entsteht aber aus der Idee, dass du das hier unbeschadet überstehen könntest und dass es einen normalen Weg gibt, wie man da durchkommt, den andere bereits entdeckt haben. Doch diesen Weg, diesen normalen Weg gibt es nicht. Es gibt nur einen vollkommen abgefahrenen Weg. Und das ist dein vollkommen abgefahrener Weg. Die scheinbar Normalen können dir bei diesem Weg nicht helfen, denn wenn sie wirklich normal sind, dann sind sie maximal angepasst. Aber auch diejenigen, die nur nach außen normal erscheinen und innen vollkommen anders leben, können dir nicht helfen. Denn sie versuchen ja gegenüber ihrer Umwelt, eine Scheinwelt aufrechtzuerhalten. Auch das versuchen sie nur, um ihr eigenes Leid nicht fühlen zu müssen. Es bleibt also nur noch eine Gruppe übrig, die dir als Inspirationsquelle dienen kann. Und das sind die Verrückten und Unangepassten. Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, ob sie noch im Leid gefangen sind. Denn das ist noch bei der Mehrzahl der Fall. Sie sind verrückt und unangepasst, um ihren Schmerz nicht fühlen zu müssen. Wen du suchst, ist ein Paradox, ein Seiltänzer, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Einen, der in dieser Welt ist, aber nicht von ihr. Jemanden, der die Gesellschaft und die Systeme in und auswendig kennt wie seine Westentasche. Der sich in der Gesellschaft bewegt, aber von ihr überhaupt nicht beeinflusst wird. Du brauchst jemanden, der die Welt meistert, um den Himmel auf Erden zu erschaffen. Nicht außerhalb, sondern in sich. Nur solche Menschen können dir helfen, deinen emotionalen Tiefgang nicht mehr fehlzuinterpretieren und dadurch dein Trauma zu erkennen. Wenn du dein Trauma erkennst und nicht mehr fehlinterpretierst, wird dein emotionaler Tiefgang viel größer. Er wird aber auch vom Leid befreit sein. Und dadurch wirst du zu deinen ursprünglichen Fähigkeiten zurückgeleitet. Diese Fähigkeiten erwachsen aus dem, was du bisher als deine größte Schwäche interpretiert hast, nämlich deinem emotionalen Tiefgang. Ohne Leid ist das Feinfühligkeit. Diese Feinfühligkeit muss nicht immer sanft sein, wie man sich das vorstellt. Du bekommst einfach sehr viel mit. Du bekommst Dinge mit, die andere nicht mitbekommen. Das ist deine Stärke, die sich hinter dem Trauma versteckt. Diese Stärke hat dein Trauma überhaupt erst ermöglicht. Wenn du dein Trauma meisterst, kommt deine ursprüngliche Stärke ganz von allein zum Vorschein.