Einer der größten Tricks des Ego: Es will mit Samthandschuhen angefasst werden, während es selbst nicht zu den Freundlichsten gehört. Unser Ego ist sehr empfindlich. Es weiß genau, was sich gehört und was sich nicht gehört, wie es behandelt werden will und wie es ganz sicher niemals behandelt werden will. Es hat hohe Ansprüche an alle anderen. Nur nicht an sich selbst. Dort ist es ein riesengroßer blinder Fleck für sich selbst. Es spielt lieber Erleuchtung, als zugeben zu müssen, nicht so weit zu sein. All das berichte ich dir nicht nur durch die Beobachtung anderer, sondern vor allem durch Selbstbeobachtung. Es ist immer das gleiche Ego. Es durchläuft auch immer die gleichen Phasen. Das ist nicht wirklich schwer zu erkennen. Man muss es nur erkennen wollen. Und in bestimmten Phasen will man nicht erkennen. Wenn etwas in einem auf eine bestimmte Art und Weise ist, dann muss man es nicht mehr spielen. Man muss es noch nicht einmal mehr erwähnen und anderen gegenüber betonen. Und genau in diesem Bereich entlarvt sich das Ego. Wenn es betont, wie weit es bereits ist. Was es bereits gelernt hat und wozu es in der Lage ist. Das Ego verrät sich auch, wenn es behauptet, einen Lehrer, der einem sehr geholfen hat, verlassen zu müssen. Einen Lehrer, der dir wirklich geholfen hat, kannst du nicht verlassen. Und zwar vollkommen unabhängig davon, wie er sich entwickelt oder wie du dich entwickelst. Ein echter Lehrer kann dich auch nicht nerven. Und deine Dankbarkeit wird nicht durch Worte ausgedrückt, sondern durch dein Verhalten. Was viele übersehen, ist die Tatsache, dass es auch ein spirituelles Ego gibt. Dieses spirituelle Ego verwendet die Worte der Lehrer und Meister. Und es ist auch sehr überzeugt davon, dass es damit richtigliegt. Es versucht, seine Vorbilder zu imitieren, weil es das so gewohnt ist. Es geht vollkommen unbewusst davon aus, dass Imitation der richtige Weg ist. Spirituell kann sich aber alles nur von innen nach außen und nicht vom Verhalten nach innen verändern. Falls dich dein Lehrer nervt oder sogar abstößt, wäre das die größte Möglichkeit zu lernen. Doch das Ego macht genau das Gegenteil. Es nutzt deine Irritation, um den Absprung zu schaffen, weil es jetzt etwas Besseres hat. Die meisten Menschen erkennen die Chance, von ihrem Lehrer getriggert zu sein, überhaupt nicht als Wachstumspotenzial. Tatsächlich ist es die beste Möglichkeit, um deine Spiritualität in der Praxis anzuwenden. Das geht aber natürlich nur, wenn es echte Spiritualität ist. Und es geht nicht, wenn sich dein Ego nur etwas einbildet. Dann könntest du deine Trigger tatsächlich als Geschenk sehen. Ein echter Lehrer wird dich damit nicht im Regen stehen lassen. Er wird auch nicht darauf bestehen, dass es deine Schuld ist. Er wird dich auf das Entwicklungspotenzial hinweisen. Er wird dich vor allem auf seine ganz besondere Art und Weise zu dem führen, was jenseits des Ego ist. Dann muss dein Ego weder mit Samthandschuhen angefasst werden, noch muss es zu den Freundlichsten gehören.