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    11.9.2024AQ 2483
    »Ein Mensch, der das Gefängnis, in dem er sitzt, toll findet, wird niemals nach Freiheit streben.«
    0:005:22
    Ein Mensch, der das Gefängnis, in dem er sitzt, toll findet, wird niemals nach Freiheit streben. Auch ein Mensch, der sein Gefängnis, in dem er sitzt, ganz okay findet, wird nicht aufbegehren. Und selbst ein Mensch, der unzufrieden ist in seinem Gefängnis, aber glaubt, dass es keine andere Möglichkeit und keine Alternativen gibt, wird nichts unternehmen. In Fachkreisen nennt man das Selbsthypnose. Das sind unter anderem diejenigen Fachkreise, die in den letzten vier Jahren nicht gemerkt haben, was passiert. Sie wissen es alle theoretisch. Und sobald es um die Praxis, vor allem um die eigene Praxis geht, sind sie zum größten Teil hoffnungslos verloren. Wenn Menschen, die im Gefängnis sitzen, sogar von der Nützlichkeit ihres eigenen Gefängnisses überzeugt sind, dann werden sie gegen jeden vorgehen, der diese Überzeugung in Gefahr bringt. Jeder, der die Eindeutigkeit des eigenen Weltbildes in Frage stellt, wird als Feind erkannt. Dabei ist es genau diese Eindeutigkeit des eigenen Weltbildes, die erstens immer falsch und gelogen ist und deren Erschütterung zweitens immer die notwendige Voraussetzung für spirituelles Erwachen ist. Solange die eigenen Weltbilder verteidigt werden, werden die größten Rebellen zu Schoßhündchen. Ich bin mir nicht einmal mehr sicher, ob es Freud, Fromm und Jung alle erkannt hätten. Denn genau das konntest du beobachten. Solange es um Einzelfälle geht, tun sich fast alle äußerst leicht mit ihrer Analyse der anderen. Sobald man selbst mit drin hängt, wird es ungleich schwieriger. Die für mich intelligenteste Haltung ist es, konsequent davon auszugehen, dass man falschliegt, dass man es nicht weiß und dass man Lügen glaubt. Das alles nicht, um sich selbst zu verunsichern, sondern um einen realistischeren Blick auf sich selbst zu bekommen. Die größte Herausforderung für die meisten scheint es zu sein, zu erkennen, dass alles ein Theaterstück ist. Es ist eine riesengroße Inszenierung. Und die kann nur aufgeführt werden, weil wir daran glauben, weil wir sie ernst nehmen. Diese Inszenierungen existieren auf allen Ebenen. Es ist nicht nur eine Sache falsch, sondern alle. Und es betrifft Körper, Geist und Seele. In allen drei Bereichen können sich die meisten Menschen nicht vorstellen, dass es mehr gibt. Und in allen drei Bereichen stoßen sie früher oder später an ihre Grenzen. Und wenn es nur die mentalen oder geistigen Grenzen sind, sich etwas nicht vorstellen zu können. Ein spannendes Beispiel dafür ist zum Beispiel die Projektion der Unendlichkeit in ein uns unbekanntes Universum. Das können wir uns zwar auch nicht vorstellen, aber wir haben uns irgendwie an den Gedanken gewöhnt. Dass diese Unendlichkeit auch in vielen anderen Bereichen bestehen könnte, ist für die meisten Menschen ausgeschlossen. Damit ist alleine die Idee eines unendlichen Universums paradoxerweise ein Gefängnis. Doch auch diejenigen, die sich etwas anderes vorstellen können, verwenden diese Vorstellung wieder für ihr eigenes Gefängnis. Sie streiten dann zum Beispiel über die Form der Erde. Dabei gibt es da gar nichts zu streiten. Es gäbe jede Menge zu erforschen. Auch der Streit ist ein mentales Gefängnis. Und so sitzen wir in unzähligen Gefängnissen, die wir toll finden und weswegen wir niemals nach Freiheit streben.