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    10.9.2024AQ 2482
    »Was der Verstand als Ehrlichkeit feiert, ist in der Regel Geringschätzigkeit.«
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    Was der Verstand als Ehrlichkeit feiert, ist in der Regel Geringschätzigkeit. Der Verstand wäre gerne ehrlich. Und er vermutet, dass es ehrlich sei, wenn du sagst, was du magst, was du nicht magst, wen du gut findest, wen du nicht gut findest. Und auf der allerersten Ebene stimmt das. Auf dieser Basis funktioniert die gesamte Gesellschaft. Wir schließen uns in Gruppen zusammen, die wissen, was sie wollen und was sie nicht wollen. Auf jeder weiteren und tieferen Ebene betrachtet, stimmt es überhaupt nicht mehr. Da kannst du sehen, dass es nicht ehrlich ist, sondern einfach nur die schnellstmöglich verfügbare Version. Diese Version ist deshalb geringschätzig, weil du einen äußeren Umstand für deine inneren Gefühle zuständig machst. Du glaubst es natürlich wirklich, dass es so ist. Aber sobald du beginnst, dich selbst zu reflektieren oder untersuchen, woher das kommen könnte, merkst du erst einmal, dass du ehrlicherweise gar keine Antworten hast. Im Lauf der Zeit kannst du dann sehen, dass alles aus deiner Kindheit kommen muss. Deshalb kann es mit den Umständen und Menschen, die jetzt gerade in deinem Leben sind, gar nichts zu tun haben. Das ist auch der Grund dafür, warum du gar nicht die Umstände und Menschen, die jetzt bei dir sind, geringschätzt, sondern dich selbst. Du schätzt dich falsch ein. Das macht überhaupt nichts. Das einzige Problem ist, dass du an diese falsche Einschätzung glaubst. Du glaubst so sehr daran, dass du sie sogar verteidigen würdest. Das Konzept der radikalen Ehrlichkeit ist also gar nicht so einfach umzusetzen. Du weißt nämlich gar nicht, was die zugrundeliegende Wahrheit ist. Ehrlich kannst du nur sein, wenn du die Wahrheit kennst. Und die bleibt uns verborgen. Deshalb ist die ehrlichste Wahrheit immer noch: "Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht, aber ich fühle. Und ich fühle es so lang, bis ich durch Fühlen weiß." Wenn du durch Fühlen weißt, gibt es keinen Zweifel mehr an deiner Wahrheit, ohne dass du sie kennen musst. Der zweite Aspekt von Geringschätzung ist folgender: Wenn wir ehrlich sind und etwas gegen bestimmte Situationen oder Menschen sagen, dann machen wir das oft mit der Haltung, dass diese Situationen oder Menschen gegen uns sind. Du weißt ja, dass ich dir keine einzige Situation in deinem Leben schönreden will. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass keine einzige Situation in meinem Leben bisher gegen mich war. Sie war immer für mich und sie hat mir immer geholfen. Das heißt nicht, dass ich Arschlöchern dankbar sein muss. Auch das bekommt der Verstand nicht auf die Reihe. Er kann es nicht einordnen. Er versucht die ganze Zeit Schubladen aufzumachen, in die er die Worte passgenau reinlegen kann. Wovon ich berichte, das sind aber keine Schubladen. Das ist das Leben selbst. Und das kümmert sich nicht darum, wie du etwas findest und ob du jetzt gerade ganz ehrlich sagst, wie sehr dir der auf den Sack geht. Selbst wenn es nicht so ist, könntest du das Leben folgendermaßen betrachten: Es ist eine Aneinanderreihung von Lektionen. Und wir buchen die ganze Zeit Onlinekurse. Das machen wir nur, weil wir die Lektionen des Lebens geringschätzen. Diese Geringschätzung äußert sich auch dadurch, dass wir sie wegmachen wollen. Wir wollen die Lektion nicht mehr machen. Wir wollen sie überspringen. Wir hätten gerne eine Onlineaufzeichnung. Eine bequeme Wiederholung. Dann, wenn es uns gerade in den Kram passt, wenn wir Zeit haben, wenn wir bereit dafür sind. Denn jetzt gerade passt es uns nicht so wirklich in den Kram. All das ist Geringschätzigkeit dem Leben gegenüber. Werde ehrlich dir selbst gegenüber, dann musst du es anderen gegenüber nicht mehr sein.