Wenn du niemanden ausgrenzt, befindest du dich nicht in der Annahme, sondern im Wahnsinn. Da dieses Zitat von unserem programmierten Teil des Verstandes vollkommen falsch verstanden wird, habe ich zu Beginn ein ganz einfaches Beispiel für dich. Stell dir vor, du sitzt zu Hause. Samstagnachmittag und es klingelt an deiner Tür. Du machst auf und bevor du etwas sagen kannst, läuft derjenige, der vor der Tür stand, schnurstracks in dein Wohnzimmer. Dort zieht er seine Hose runter, kackt dir auf den Tisch, zieht sich wieder an und geht. Am nächsten Nachmittag klingelt es wieder an deiner Tür. Du machst auf. Der gleiche Mann steht vor der Tür und bevor du etwas sagen kannst, läuft er in dein Wohnzimmer, zieht die Hose runter, kackt auf den Tisch, zieht sich wieder an und geht. Wie oft musst du das erleben, bis du die Tür nicht mehr öffnest? Und was hat das mit Annahme zu tun, wenn dir jemand auf deinen Wohnzimmertisch kacken darf? Wenn du niemanden ausgrenzt, wirst du zum Opfer der von dir geschaffenen Umstände. Du schaffst die Umstände in diesem Fall nicht aktiv, sondern du sorgst durch deine Passivität dafür, dass sie entstehen können. Durch falsch verstandene Annahme sorgst du für das Klima, in dem alles gedeiht. Du kannst gar nicht allem gegenüber offen sein. Das ist unmenschlich. Du hast bestimmte Vorlieben und du hast bestimmte Abneigungen. Über diese Vorlieben und Abneigungen musst du niemals nachdenken. Wenn man dir sagt, du seist ein schlechter Mensch, weil du nicht allem gegenüber vollkommen tolerant bist, dann ist das das Einfallstor für Wahnsinn. Verrückterweise sogar von deinem eigenen Wahnsinn. Denn würdest du nicht denken und glauben, du seist falsch, wenn du nicht allem gegenüber tolerant bist, könnte es gar nicht passieren. Es gibt Grenzen der Toleranz und die sind sinnvoll. Der Verstand macht daraus eine politische Rede. Und da liegt der Haken. Denn die Konsequenz aus dem ist nicht, dass du über die großen Zusammenhänge nachdenkst und große politische Entscheidungen forderst. Die Konsequenz ist so einfach wie schwierig. Du musst dann reagieren, wenn jemand in dein Wohnzimmer kommt und dir auf den Tisch kacken will. Und genau das haben wir nicht gelernt. Wir wollen anständig sein, höflich sein, friedvoll sein. Das ist aber alles überhaupt kein Widerspruch. Denn wenn dir niemand auf den Wohnzimmertisch kackt, dann ist es für dich viel leichter, friedlich zu bleiben. Falls du das heutige Zitat politisch interpretieren willst, ist das Ergebnis auch ein anderes, als die meisten erwarten. Was von dir gefordert wird, ist nicht der Wutbürger, sondern der Klarheitsbürger und der Entscheidungsbürger. Es braucht deine klare Entscheidung, was für dich in Ordnung ist und was für dich nicht mehr in Ordnung ist. Das ist noch nicht der schwierige Teil, denn das ist in den meisten von uns automatisch angelegt. Darüber müssen wir nicht nachdenken. Der schwierige Teil ist, anschließend eine Entscheidung zu treffen, falls deine Grenzen nicht respektiert werden. Dann beginnt bei den meisten das große Zetern. Es kann niemals darum gehen, welche Partei du wählst, welche politische Gesinnung du hast oder für welche Maßnahmen und Gesetze du bist. Die einzige Entscheidung, die für dich ansteht, ist die Antwort auf die Frage: "Wie will ich leben und was ist mir wirklich wichtig?" Nur dann, wenn dir das klar ist, wirst du kein Opfer der von dir selbst geschaffenen Umstände. Die Antwort auf diese beiden Fragen ist der Ausweg aus dem Wahnsinn. Und dieser Ausweg — und das ist das Allerwichtigste daran — ist immer notwendigerweise individuell und niemals und unter gar keinen Umständen kollektiv. Sobald du dir einen kollektiven Weg wünschst oder ein kollektiver Weg daraus wird, ist es wieder Faschismus.