Der Glaube an Stabilität und der Eindruck von Kontinuität sind Einbildung. Obwohl wir uns Stabilität und Kontinuität einbilden müssen, damit sie überhaupt existieren, tun wir alles für diese Einbildung. Wir lieben diese Einbildung und wir streben sie auch konstant an. Alles, was diese Einbildung stört, sehen wir als Feind. Wir lehnen es ab und wir bekämpfen es. Wir tun alles dafür, um diese Einbildung aufrechtzuerhalten. Es ist für die meisten Menschen der einzige Grund, warum sie morgens aufstehen, zur Arbeit gehen und all ihre täglichen Erledigungen machen. Es ist der Grund für alle Rituale. Wir wollen, dass es so bleibt, wie es ist, obwohl wir gleichzeitig auch wollen, dass es sich zum Positiven verändert. Dabei und dadurch verpassen wir alles Wesentliche. Denn Veränderung geschieht nicht durch unseren Willen. Veränderung geschieht, während wir sie nicht mitbekommen, weil wir damit beschäftigt sind, die Veränderungen für die Zukunft zu planen. Dabei geht es nicht um einen schlauen Spruch. Denn alle kennen die dazugehörigen Zitate. Das bekannteste dazu ist: "Die einzige Konstante ist Veränderung." Hahaaa! Und dann schreiben wir das ganz schlau in Facebook-Kommentaren und auf Instagram, während wir unser gesamtes Leben dagegen arbeiten. Aber wir wollen halt auch mal schlau sein. Und so ein kleiner philosophischer Touch hat ja noch nie geschadet. Und das merke ich dann auch an den Reaktionen auf meine Zitate. Die kommen nämlich teilweise ganz banal daher. Manche sagen: "Es sind Allgemeinplätze." "Längst bekannt. Nichts Neues." Und das stimmt. Sie entstehen aber nicht aus dem Sammeln anderer Zitate. Sie entstehen immer aus der unmittelbaren gelebten Erfahrung. Und das ist der Unterschied, den die meisten Menschen nicht fühlen können. Sie wollen ihr Ego nicht wahrnehmen, das entweder neidisch ist oder denkt: "Das, was der kann, kann ich schon lang!", während es sich gleichzeitig die Stabilität wünscht, die diese Zitate vermitteln. Alles, was ich schreibe und sage, wirst du erst verstehen, wenn du hinter deine eigenen Kulissen schauen kannst. Wenn du es schaffst, dass dein Verstand aufhört zu plappern. Für mich ist das die Funktion eines jeden guten Lehrers. Zumindest ging es mir so bei meinem Lehrer. Er musste nichts Besonderes tun und ich war still. Es gab keine Notwendigkeit mehr für Stabilität und Kontinuität, weil ich beides in seiner Präsenz gefühlt habe. Stabilität und Kontinuität jenseits des Verstandes, jenseits des Egos, jenseits des Recht-Haben-Wollens und vor allem jenseits der weltlichen Stabilität und Kontinuität. Kein anderer konnte mich so tief in mich hineinführen. Alles Weitere, alles, was ich jetzt mache, ist aus dem entstanden. Nicht aus der Idee, Zitate zu sammeln und zu veröffentlichen. Kein Wunsch von Stabilität und keine Einbildung von Kontinuität hätten das jemals erschaffen können. Es wurde erschaffen aus der Hingabe an ein vollkommen wechselhaftes und volatiles Leben.