Wir lehnen die Möglichkeit einer Verschwörung nur deshalb ab, weil wir sie bei uns selbst nicht erkennen wollen. Wir glauben ja immer, wir sind fein raus, wenn wir bei anderen etwas erkennen. Bei anderen etwas zu erkennen, ist grundsätzlich nicht verkehrt. Schwierig wird es, wenn wir bei uns nichts erkennen, weil wir es nicht erkennen wollen. Es ist einfach, über die anderen zu schimpfen. Und es ist unfassbar schwierig, eigene Schwächen zu erkennen. Das hat damit zu tun, dass die Erkenntnis von Schwächen in unserem Programm damit verknüpft ist, dass wir schuld sind oder dass wir ein schlechter Mensch sind. Doch darum geht es nicht. Das ist nicht der Fall. Da ist niemand, der dir die Schuld gibt. Da ist niemand, der dich verurteilt. Da bist nur du. Deine Gedanken und deine Programmierung. Du spielst Kläger, Richter und Angeklagter gleichzeitig. Und die drei streiten sich, statt sich zu einigen. Und genau das ist das Prinzip einer Verschwörung. Bestimmte Menschen tun sich zusammen, zum Beispiel der Richter und der Staatsanwalt, um gegen andere vorzugehen. Für unser ganz normales Leben ist das aber noch ein sehr abstraktes Beispiel. Ich habe ein paar sehr viel einfachere für dich. Wie war das beim Erbstreit? Hast du versucht, andere auf deine Seite zu ziehen? Wie war das beim Rosenkrieg? Wolltest du andere beeinflussen? Wie war das beim letzten Familienstreit? Haben sich Gruppen gebildet? Das, was wir uns selbst gegenüber nicht eingestehen können, wollen wir auch sonst nirgends sehen. Dabei kennen wir das Prinzip. Wir kennen es aus unserem eigenen Leben. Wir alle haben es schon getan. Es ist immer einfacher, die Fehler bei anderen zu erkennen, statt seine eigenen. Wenn wir in uns nicht urteilen würden, sondern es einfach nur zugeben könnten, dass wir so sind, dass wir so waren, dann könnte sich etwas auflösen. Das Eingeständnis uns selbst gegenüber sorgt dafür, dass das Verhalten überflüssig wird. Zumindest aber fällt es uns ab sofort auf. Die Tatsache, dass es uns auffällt, ist wichtiger als die Tatsache, dass wir es verurteilen. Die Tatsache, dass es uns auffällt, ist auch wichtiger, als es loszuwerden. Du kannst nämlich nichts loswerden, was du verdrängen willst. Du musst es zulassen können, so zu sein, wie du nie sein wolltest. Wir lehnen die Idee von großen Verschwörungen nur deshalb ab, weil wir unsere kleinen Verschwörungen nicht sehen wollen. Wir wollen unsere eigene Manipulation im Kleinen nicht wahrhaben. Jedes Fremdgehen ist eine Verschwörung. Das ist kein Urteil und keine Wertung. Das ist einfach nur, wie es abläuft. Und nur weil andere größere Möglichkeiten haben und sie nutzen, heißt das nicht, dass sich das Prinzip verändert. Die einen spielen kleine Spiele, die anderen spielen große Spiele. Es ist im Kern das gleiche Spiel. Ein großer Verschwörer ist nicht schlechter als ein kleiner Verschwörer. Ein Dieb, der mangels Möglichkeiten nur kleine Beträge klaut, würde bei der richtigen Gelegenheit auch größere Beträge stehlen. Unser Job ist es, unseren Anteil in der Welt zu sehen und ihn nicht zu verurteilen. Das geht nicht von heute auf morgen und das geht vor allem nicht künstlich. Wenn du so tust, als ob, ist es nicht echt. Dabei geht es nicht um die Wirkung auf andere, sondern um die Wirkung auf dich. Und auf dich selbst wirkst du dann am besten, wenn du ehrlich bist.